Zugeschriebene Wappen klingen erst einmal mystisch und geheimnisvoll, fast wie ein mittelalterlicher Roman, der sich auf eine Reise ins Unbekannte begibt. Aber man muss kein verschrobener Geschichtsfanatiker sein, um deren Reiz zu erkennen. Diese Wappen tauchten vor Jahrhunderten im deutschen Sprachraum auf, als Adelige und Stadtführer begierig waren, ihren gesellschaftlichen Status mit imposanten Zeichen zur Schau zu stellen. Dabei handelt es sich um heraldische Symbole, die nicht unbedingt durch offizielle Stellen oder Traditionen anerkannt sind, sondern oft mündlich überliefert oder schlichtweg erfunden wurden.
Man stelle sich vor: Eine Welt, in der Adelstitel und Erkennungszeichen beinahe wichtiger waren als die Person selbst. Die Verwendung solcher Wappen erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, einer Zeit, in der Familiengeschichten noch in Gold und Silber auf Schilden glänzten, lange bevor der Individualismus der Moderne alles andere verschluckte. Doch was macht diese zugeschriebenen Wappen so besonders oder gar kontrovers?
Ein Hauptgrund ist die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Herkunft und ihren Traditionen. In einer Zeit, in der Familienstrukturen und Blutsbande unverzichtbar für soziale Macht und Einfluss waren, boten Wappen eine greifbare Verbindung zum Erbe. Für ungewöhnlich ambitionierte Häuser, die vielleicht den „offiziellen“ Segen ohne das passende Standing nicht erhielten, waren diese zugeschriebenen Wappen ein willkommener Umweg. Aber wie bei vielem, was auf die schnelle Anerkennung abzielt, fehlte ihnen häufig die historische Substanz.
Wer denkt, Zugeschriebene Wappen seien ein fast ausgestorbenes Überbleibsel früherer Zeiten, dem entgeht die Bedeutung von Tradition in unserer Kultur. Es mag überraschend sein, aber auch heute noch gibt es Familien, die neue Wappen beschließen oder die alten wieder aufleben lassen. Ist das naiv? Oder ist es eine beachtliche Hommage an ein Erbe, das so manchen „fortschrittsgläubigen“ Zeitgeist erstaunt zurücklässt?
Kritiker dieser Tradition könnten argumentieren, dass solche Wappen eine gewisse Anmaßung in Sachen familiärer Prestige und Würde darstellen. Schließlich, wer bist du ohne einen Adelstitel oder das offizielle Dekret deiner Herrschaft? Complainers vergessen allerdings, dass Markenzeichen, wie wir sie heute kennen, nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren: Eine symbolische Darstellung, die eine Geschichte erzählt, eine Identität schafft.
Das Wappensystem war über Jahrhunderte ein Kommunikationsmittel der Machtelite. Ob auf Bannern, Geschirr oder Gräbern, ein lieblich entworfener Schild brachte mehr als nur dekoratives Flair mit sich. Er wusste zu sprechen—von Macht und Herrlichkeit. Doch im gesellschaftlichen Auf und Ab verlor sich der Zauber der heraldischen Kunst leider etwas. Trotzdem hat ihr gesellschaftspolitischer Einfluss selbst heute noch eine Wirkung. Denn auch wenn keine Adelskriege mehr auf deutschem Boden toben, erahnt man in der Luft doch noch den Hauch des Ur-Adels.
Ein weiterer Punkt, den man nicht aus den Augen lassen sollte, ist die kreative Freiheit, die zugeschriebene Wappen bieten. Historisch gesehen waren es häufig Künstler und Handwerker, die beauftragt wurden, diese Zeichen zu schaffen, oft basierend auf eher blumigen Familiengeschichten. Es ist also nicht nur eine Geschichte der Prätention; es ist auch eine Geschichte der Kunstfertigkeit und der Legende.
Für manche klingen diese Geschichten vielleicht makaber oder gar betrügerisch, doch sie sind ein kräftiger Schuss Motiv für unsere modernen Erzählungen. In einer Zeit, in der Werte und Tradition von der „progressiven“ Seite als überholt abgetan werden, entgeht ihnen, dass es gerade diese nostalgischen Vorgehensweisen sind, die uns Identität und Kontinuität verleihen.
Der schnöde Machtkampf um Prestige und Status mag vielleicht ein Grund zum Kichern sein, doch gerade in buchstäblich „wappenförmigen“ Szenarien könnte man auch einen gewissen gesunden Patriotismus erkennen. Wer die Idee vollständig ablehnt, dass Familienstolz oder gar Nationalstolz ihren Platz in der Gegenwart haben, übersieht, was uns überhaupt erst zu einem erkennbaren Volk gemacht hat.
So bleibt festzuhalten, dass zugeschriebene Wappen, auch wenn sie nicht immer voll „echt“ sein mögen, eine faszinierende Dimension des gesellschaftlichen und kulturellen Geflechts bieten. Während die Liberalen krampfhaft nach immer neuen Wegen suchen, die Welt zu entzaubern, kann ein wenig Respekt vor alten Traditionen nicht schaden.