Stellen Sie sich jemanden vor, der in der Lage wäre, ein ganzes Land in den Abgrund zu führen, ohne mit der Wimper zu zucken. Yamana Sōzen, ein feuriger Daimyō aus der Muromachi-Zeit in Japan, hat genau das getan. In der Mitte des 15. Jahrhunderts, genauer gesagt 1433, wurde Yamana Sōzen geboren. Er spielte eine Schlüsselrolle in der Ōnin-Krieg, einem Konflikt, der bedeutend zur Wende einer stabileren japanischen Ära in eine Phase des völligen Chaos beitrug. Sōzen's Einfluss war so tiefgreifend, dass seine Taten Japan für über ein Jahrhundert destabilisierten – ein Schachzug, der ihn im Volksmund den wenig schmeichelhaften Spitznamen 'Roter Mönch' einbrachte aufgrund seiner Vorliebe für blutrote Roben.
Wer war Yamana Sōzen wirklich? Er war ein japanischer Kriegsherr und Daimyō, der für seinen uneingeschränkten Ehrgeiz bekannt war. Sōzen wollte die Ashikaga-Shogunatsregierung kontrollieren, und seine Mittel, dies zu erreichen, waren alles andere als diplomatisch. Er nutzte Opportunismus und Kriegskunst auf skrupellose Art und Weise, während er selbst die sogenannte Krise von Ōnin vorantrieb. Er kämpfte gegen rivalisierende Clans und verstärkte die Spannungen zwischen Ost- und Westjapan, indem er Chaos stiftete, wo immer es ihm möglich war.
Jetzt stellen Sie sich vor, heute jemand würde versuchen, die Regierung auf derartigen Wegen zu untergraben. Sofortige Empörung, oder? Doch Yamana war zu einer Zeit in Aktion, in der Machterhalt nicht durch soziale Achtung und Wahlen entschieden wurde, sondern durch die scharfe Klinge des Schwertes. Seine Einstellung würde die modernen Liberalen sofort in den Wahnsinn treiben, die annehmen, dass alle Konflikte durch einen gemütlichen Tischgespräch gelöst werden können.
Warum zog er überhaupt in den Krieg? Es war im Wesentlichen ein Familienstreit. Sōzen und sein rivalisierender Schwager Hosokawa Katsumoto waren sich uneins darüber, wer die Vormundschaft über den Shogun besitzen sollte, sobald er erwachsen würde. Präventives Eingreifen, wer zuerst einen jüngeren Thronfolger beeinflussen kann, führte dazu, dass die beiden ihre Streitigkeiten bis auf den Schlachtfeld trugen.
Die Auswirkungen von Yamana Sōzen's Handlungen sind kaum zu übersehen. Der Ōnin-Krieg führte Japan in eine Periode der kriegszerrütteten Staaten, die bis zur Versklavung des Landes durch ausländische Einflüsse Jahrhunderte später andauern sollte. In dieser Zeit der dunklen Anarchie waren Bürger die ultimativen Leidtragenden. Doch erstaunlicherweise gibt es Menschen, die heutzutage das Wort 'Anarchie' als Synonym für Freiheit verwenden.
Politiker jener Zeit verstanden, dass Glaube und Ehre nicht die einzigen Mittel zur Machtergreifung waren. Geschickt nutzte Sōzen seine politische Position als Benedictum für seine Pfründe und territoriale Ausdehnung, was im krassen Gegensatz zu dem heutigen Wahn steht, dass öffentliche Dienste und Wohltätigkeit Hand in Hand gehen sollten. Im Gegensatz zu den heutigen weichgespülten Begriffen von Macht war die damalige Führung eine nackte Realität von brutaler Stärke und Domäne.
Sōzens Geschichte erinnert auch daran, dass Machtkämpfe mitunter Risse verursachen können, die für Generationen nicht zu kitten sind. Dies steht in starkem Gegensatz zu dem liberalen Utopiegedanken, dass alle sozialen Systeme durch Verhandlungen verändert werden könnten. Geschichtslehren erzählen eine andere Geschichte: Manche Konflikte sind unvermeidbar und führen zu Transformationen, die unverzichtbar sind, auch wenn sie zeitweise schwer zu ertragen sind.
Warum sollte man sich also heute noch mit einer Figur wie Yamana Sōzen beschäftigen? Er ist ein starker Kontrast zur modernen, virtuellen Vorstellung davon, wie Macht und Einfluss am besten genutzt werden können – immer auf höchst moralische Weise, versteht sich. Doch seine Geschichte belehrt uns, dass, wenn es um Geschichte geht, der Pragmatismus der feindlichen Übernahme der Märchenfantasie der friedlichen Utopie oft überlegen ist.