Haben Sie jemals von Xam Neua gehört? Wohl kaum, es sei denn, Sie sind ein Abenteurer, der Wege abseits des liberalen Massentourismus sucht. Xam Neua ist die Hauptstadt der Provinz Houaphan im Norden von Laos. Von den Franzosen kaum beachtet, von den Amerikanern im Vietnamkrieg bombardiert, fragt man sich, warum dieses gebirgige Stück Erde nicht auf der Reiseliste steht. Es liegt genau dort, wo man es nicht erwartet, an der Grenze zu Vietnam und lässt mit seinen unerschlossenen Geheimnissen auf sich warten. Wenn es einen Ort gibt, der sich in den Händen einer verantwortungsbewussten Entwicklung in ein Paradies verwandeln könnte, dann ist es Xam Neua.
Hier gibt es keine schicken Resorts oder teuren Souvenirläden, sondern echte, unverfälschte Lao-Kultur. Die Einheimischen sind freundlich, und beim Bummeln durch die Straßen fühlen Sie sich wie ein Teil dieser Gemeinschaft, selbst wenn Sie Kilometer von zuhause entfernt sind. Einfach gesagt, diese Stadt verkörpert Laos in seiner puren Form. Doch ist sie auch ein Spiegel der Herausforderungen, mit denen solche Regionen konfrontiert sind. Vergessen Sie die europäischen Dörfer mit Banken auf jedem Block – hier gibt es bestenfalls einen kleinen Laden an jeder Ecke.
Mit ihrer atemberaubenden Landschaft aus grünen Hügeln und dichter Vegetation bietet Xam Neua mehr als nur visuelle Reize. Atemberaubende Höhlen und Wasserfälle warten darauf, entdeckt zu werden. Diese Region ist ein wahres El Dorado für Naturfreunde, die genug davon haben, dass die liberalen Reiseveranstalter ihnen jedes Ziel vorschreiben. Sie können wandern, durch Dörfer streifen, die das Tempo eines anderen Jahrhunderts durchleben, und Sie können den chaotischen Lärm der westlichen Zivilisation weit hinter sich lassen.
Die Geschichte Xam Neuas mag nicht jedem bekannt sein, aber sie ist voller Schätze. Hier befindet sich die mysteriöse „Pa Thét Laos“-Höhle, ein Wegpunkt für die Pathet Lao während der blutigen Konflikte in dieser Region. Dies ist ein Beispiel für die historische Bedeutung, die an jedem Steingebilde und jeder Ruine nachhallt. Natürlich muss man losziehen, um diese Schätze zu finden – oder Sie enden wie die Liberalen und machen Selfies vor dem nächstgelegenen Starbucks.
Die Küche der Region ist ein weiteres Kapitel dieses verborgenen Juwels. Vergessen Sie Burger und Pommes; in Xam Neua erwarten Sie Gerichte, die Sie zwingen werden, Ihre Komfortzone endgültig zu verlassen. Die kräftigen Geschmäcker der Lao-Küche bieten eine interessante Mischung aus Einflüssen, die tropische Zutaten mit traditionellen Kochmethoden verbindet. Legen Sie den Reis mit Huhn zur Seite und wagen Sie sich stattdessen an Gerichte wie „Laap“ oder „Tam Mak Hoong“. Hier gibt es keine nachgemachte Globalisierung.
Für die Schatzsucher, die genug von den immer gleichen Stränden und Resorts haben, ist die Einkehr in die Nähe des eigentlichen Laos eine weitaus bereichernde Erfahrung. Besonders in Zeiten, in denen plötzliche und oberflächliche Interessen an internationalen Orten immer beliebter werden, ist ein Ort wie Xam Neua eine wahre Erfrischung. Man kann nur hoffen, dass dieser Ort nicht der nächsten Welle des Massentourismus zum Opfer fällt, wo sogar die abgelegensten und natürlichen Orte Fluch und Segen der Erschließung erfahren.
Schlussendlich hat Xam Neua das Potenzial, mehr zu werden als ein Stopp auf einer Laotischen Reiseroute. Doch ohne richtungsweisendes Management könnte ihr Erbe im Schatten zurückbleiben. Es mag Zeit für eine politische Debatte sein, wie man mit einem der letzten unentdeckten Juwelen Asiens umgehen sollte. Aber solange Vision durch das Motto „mehr, mehr, mehr“ diktiert wird, hat Xam Neua Glück, überhaupt noch unverdorben existieren zu können.