Wilhelm Wieben: Einer, der Klartext sprach

Wilhelm Wieben: Einer, der Klartext sprach

Wilhelm Wieben war bekannt für seine unverblümte Art, in der "Tagesschau" Klartext zu sprechen – ein Nachrichtensprecher, der Werte über Effekthascherei stellte.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wilhelm Wieben war mehr als nur ein Nachrichtensprecher – er war eine Institution! Wieben, der am 2. Juni 1935 im kleinen Dörfchen Hennstedt in Schleswig-Holstein zur Welt kam, prägte über Jahrzehnte das Gesicht der „Tagesschau“. Ab 1973 bis 1998 lieferte er aus dem ARD-Studio in Hamburg Nachrichten, die weit über das übliche Anchorman-Gelaber hinausgingen. Wer damals den Fernseher einschaltete, sah in Wiebens Augen den Funken Ehrlichkeit, der in Zeiten wie heute als wahrhaft erfrischend gelten kann.

Rechtschaffen und auf den Punkt – damit gewann er das Vertrauen der Zuschauer, ohne sich in konforme Schubladen stecken zu lassen. Sein konservativer Ansatz war eine Oase der Stabilität in einer Welt, die immer hektischer und komplizierter wurde. Wiebens unbestechliche Art, Information zu übermitteln, war genau das, was die ARD brauchte, um Seriosität im Fernsehen zu etablieren. Seine direkte Kommunikation hat oft die mit Glitter geschmückten Redaktionslinien seiner Kollegen in den Schatten gestellt.

Sein guter Draht zu Sprache und Detail genoss breite Anerkennung. Nach seiner Zeit vor der Kamera zog er sich keineswegs zurück, sondern verfasste etliche Bücher, um die Schönheit der deutschen Sprache zu ehren. Diese Hingabe machte ihn zu einer Art Volkslehrer, dessen Rat und Schriften zu allen, die ihn hörten oder lasen, durchdringen. Wenn der Mann einen Gedichtband aufschlug, konnte man sicher sein, dass es keine modernen Schnörkel und verkopften Interpretationen geben würde. Er bevorzugte es, die untadeligen Werte vergangener Zeiten lebendig zu halten.

Während andere, zumeist aus dem liberalen Lager, seine stille Art belächelten, fanden viele bei ihm ein unschätzbares Vorbild. Keine künstliche Empörung, keine Clickbait-Überschriften. Einfach aufrichtige Nachrichten! Ja, so ein Gesicht wäre heute auf dem Bildschirm nötiger denn je.

Ein weiteres Highlight seiner Karriere war seine Inklusion der plattdeutschen Sprache bei Lesungen und Veranstaltungen, was ihm in den strukturell konservativeren Gebieten Norddeutschlands durchaus treue Anhänger bescherte. Er trat bei vielen Gelegenheiten öffentlich auf und belebte das Bewusstsein für eine Kultur, die langsam an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurde.

Man kann durchaus behaupten, Wilhelm Wieben hat mitgeholfen, Deutschland ein Gesicht zu geben, das nicht nur dazu da war, den Tagesgeschehnissen einen Rahmen zu bieten. Vielmehr betonte er, dass Wissen und Ehrlichkeit in der Präsentation des Weltgeschehens unverzichtbar sind. Der Fokus auf Verständlichkeit und Klarheit seiner Berichterstattung war nicht nur eine Arbeitsweise, es war eine Lebenseinstellung.

Wilhelm Wieben verstarb am 13. Juni 2019, aber sein Vermächtnis lebt in jedem wertorientierten und faktenbasierten Journalisten, der in seine Fußstapfen zu treten wagt, weiter. Wie er es selbst sagen würde: Lasst uns mit klarem Kopf und festen Werten voranschreiten!