Respekt, dieser altmodische Begriff, den viele als verstaubt oder gar obsolet belächeln, hat tiefere Wurzeln, als man denkt. Wer erinnert sich nicht an die Zeiten, in denen man älteren Damen die Tür aufhielt oder ihnen gar in den Mantel half? Die Frage nach dem Wer: Alle von uns. Das Was: Der Respekt vor denjenigen, die uns auf diesem Planeten vorausgingen. Wann trat dies auf den Plan? Schon seit Jahrtausenden, meine Freunde. Wo? Überall dort, wo es Menschen gibt. Und warum? Weil Respekt eine universelle Sprache ist, die moralische und soziale Normen formiert.
Wir leben in einer Welt, in der aufrichtiger Respekt mehr und mehr in die Ecke gedrängt wird, als wäre es etwas, für das man sich schämen sollte. Die heutige Gesellschaft, besonders die von Technologie und Globalisierung geprägte, hat aus der 'Verehrung' oft Verachtung gemacht. Während einige gedankenlos Likes und Shares verteilen, von denen sie denken, dass sie Respekt äußern, so kann es doch keine echte Anerkennung ersetzen. Mit digitalem Applaus allein baut man keine Brücken.
Die erste Wahrheit über die Verehrung ist, dass sie nicht aus leeren Worten besteht, sondern vielmehr in Taten zu finden ist. Taten, die vielleicht vergessen machen, dass sie aus der Mode gekommen sind, wie etwa das Aufstehen, wenn jemand den Raum betritt. Die Liberalen mögen argumentieren, dass dies nicht mehr der heutigen Zeit entspricht, aber jeder von uns muss sich fragen: Will ich wirklich in einer Welt leben, in der gegenseitige Anerkennung nur noch ein altes Konzept aus dem Geschichtsbuch ist?
Ein weiteres, oft übersehenes Element von Verehrung ist Resilienz. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem jeder 'verletzte' Kommentar blitzschnell auf einem digitalen Silbertablett serviert wird. Doch waren es nicht vor allem die Starken, die durch ihre Erlebnisse geformt wurden und so Respekt und Verehrung erlangten? Resilienz ist nicht ein Zeichen von Schwachheit, sondern vielmehr ein Beweis dafür, dass Herausforderungen mit Würde begegnet werden. Ein Mann oder eine Frau, die Widrigkeiten überstehen und aus diesen Lernerfahrungen gestärkt hervorgehen, sind wahre Vorbilder. Und genau hier liegt die wahre Verehrung: Ein Held ist nicht derjenige, der nie fällt, sondern der, der immer wieder aufsteht.
Man könnte argumentieren, dass wir in einer Zeit des Individualismus leben. Doch ist es falsch, dies als totalen Widerspruch zur Verehrung zu sehen. Eine gesunde Dosis Respekt für andere bedingt keine Selbstverleugnung. Im Gegenteil: Die besten Elemente eines gesunden Individualismus können sich in einem Umfeld entfalten, in dem Respekt die gemeinsame Grundlage ist. Wer verleugnet, dass ein wirklich edles Individuum immer auch ein gewisses Maß an Demut ausdrücken muss, verkennt die Realität.
Wir kommen nicht umhin, jene zu verehren, die Großartiges geleistet haben. Seien es geniale Denker, die die Wissenschaft vorangetrieben haben, oder noble Anführer, die friedliche Revolutionen inspirierten. Ihnen gebührt tatsächlich ein gewisser Respekt, und das nicht nur als traditionelles Lippenbekenntnis. Aber wie steht es um die alltäglichen Helden? Jene, die keine ausgedehnten Biographien geschrieben oder historische Reden gehalten haben? Es ist eine simple, aber essentielle Wahrheit, dass Verehrung auch in den kleinen Taten und Gesten des Alltags liegt.
In einer Gesellschaft, die eine wahnsinnige Anzahl an Wahlmöglichkeiten und Identitäten bietet, wäre es doch geradezu erfrischend, sich auf die grundlegenden Menschlichkeiten zurückzubesinnen. Ein Lächeln, eine helfende Hand oder ein aufrichtiges Dankeschön – dies ist die Sprache der Verehrung, die nicht einer Mode unterliegt. Manchmal stehen wir vor der Wahl, unseren Nachbarn zu respektieren oder daran erinnert zu werden, dass Respekt eine Wahl ist, keine Anforderung.
Punkt und Fakt ist: Ein Leben ohne die Dimension der Verehrung wäre weniger wertvoll. Nicht nur die geehrten Empfänger, sondern auch jene, die respektieren, gewinnen ungeahnt. Denn im endlosen Kreisen um sich selbst geht oft verloren, worum es wirklich geht: die Anerkennung von Größe - nicht nur im pompösen, sondern auch im bescheidenen Sinne.
Verehrung ist ein Ausdruck von Wertschätzung und eine Art, die Welt durch eine Linse von Möglichkeiten und Potenzial zu sehen. Es ermutigt uns, das bessere Selbst in anderen wie auch in uns selbst zu entdecken. Wer dies in einer Welt voller Lärm und Ablenkung nicht erkennen kann, verpasst vielleicht eine der säkularen heilenden Kräfte der menschlichen Erfahrung.