Stellen Sie sich vor: ein Film, der so gar nicht in das traditionelle Bild der Feiertage passt und doch unwiderstehlich unterhaltsam ist. 'Vater Weihnacht' aus dem Jahr 1991 nimmt genau diesen Platz ein, indem er die gängigen Klischees über Bord wirft und einen erfrischend anderen Blick auf das Weihnachtsfest bietet. Regie führte Terry Gilliam mit seiner unverkennbaren Mischung aus Satire und schwarzem Humor, die vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist, aber sicher nie langweilig wird. Der Film spielt zur Weihnachtszeit und zeigt den exzentrischen englischen Weihnachtsmann in einer Art, wie man ihn noch nie gesehen hat.
Erstens, der Held selbst: Dieser Weihnachtsmann ist kein heiliger, netter Mann, sondern hat einen bissigen Humor und eine klare Abneigung gegen den Kommerz rund um die Festtage. Solch ein untraditionelles Bild einer Figur, die als Symbol für den guten Willen bekannt ist, kann auf manche verstörend wirken. Aber vielleicht braucht es gerade solch eine Veränderung, um das überflüssige Pathos zu durchbrechen, das unseren sonst so heiligen Familienfesten innewohnt. Die Darstellung des Weihnachtsmanns könnte doch eine Einladung sein, mehr Realitätssinn in die Weihnachtsidylle zu bringen.
Zweitens, der dunkle Humor: Wenn man den Humor in diesem Film mag, mag man ihn wirklich. Der Sarkasmus und die bissigen Kommentare sind für eine Zeit, die Pause vom harten politischen Alltag verspricht, eine interessante Wahl. Doch vielleicht sollten wir uns fragen, ob wir nicht gerade während der Feiertage mehr Ehrlichkeit und weniger Glitzer brauchen.
Drittens, britische Eigenheiten: Der Film bedient sich einer Vielzahl britischer Klischees, die für Freunde der Inseln durchaus ein Vergnügen sind, für andere aber möglicherweise unverständlich oder schlicht komisch wirken. Doch gerade dieser gezielte Einsatz von Klischees verstärkt den Kontrast zu den amerikanisierten und geschönten Weihnachtserzählungen, die man gewohnt ist.
Viertens, die politischen Untertöne: Wen überrascht es, dass ein solch beißender Film auch die Politik nicht außen vor lässt? Themen wie Konsum und gesellschaftlicher Druck werden nicht subversiv, sondern direkt kritisiert, was gerade in konservativen Kreisen ein Willkommenes Buffet zur Diskussion bieten könnte. Die angeblich heile Welt, die Weihnachten jedes Jahr neu heraufbeschwört, wird durch diese ehrlichen Betrachtungen nicht einfach dekonstruiert, sondern bekommt einen ganz neuen Rahmen.
Fünftens, das Missverständnis der Kritiker: Natürlich finden Kritiker, die in jedem Film eine Tragödie für die traditionellen Werte sehen, auch in 'Vater Weihnacht' reichlich Anlass zur Klage. Dass der Film mit einer unkonventionellen Sicht auf Weihnachten Aufmerksamkeit sucht, ist kaum zu übersehen, aber vielleicht ist eben diese Provokation genau das, was uns fehlt, um wach gerüttelt zu werden.
Sechstens, die Rolle der Familie: Anders als in herkömmlichen Filmen steht bei 'Vater Weihnacht' nicht das Perfect Dinner im Vordergrund, sondern eine etwas dysfunktionale Familie, die versucht, ihre eigenen Wege zu finden. Das wiederum könnte manche konservativen Betrachter verunsichern, denn es zeigt, dass Familie nicht immer einem perfekten Idealbild entsprechen muss. Aber ist es nicht genau diese gelebte Ehrlichkeit, die wir übersehen?
Siebtens, die Brechung von Tabus: Einige Szenen im Film blähen mit Lust die Tabus mächtig auf. Die Entscheidung, Weihnachtskonventionen zu brechen und neue Interpretationen zu wagen, kann als Frischzellenkur für erstarrte Traditionen angesehen werden. Passt das jedem? Sicher nicht, aber es bietet Raum für eine erfrischende Diskussion.
Achtens, der Soundtrack: Was wäre ein Film ohne seine musikalische Untermalung? Hier ist sie exzentrisch, manchmal fast unangenehm, und doch unbestreitbar anders. Kaum das, was man während eines besinnlichen Abends hören möchte, aber vielleicht passt gerade deshalb perfekt ins Bild.
Neuntens, die Moral der Geschichte: Was bleibt am Ende von 'Vater Weihnacht'? Eine leise Ahnung, dass der Kommerz nicht das Wesen des Festes ausmacht. Eine Botschaft, die weit über das simple Schenken hinausgeht und tiefer in die emotionale Verbundenheit eintaucht, die wir häufig vergessen.
Zehntens, das Erbe des Films: 1991 war ein Jahr, in dem Filme wie dieser noch Wellen schlugen – nicht nur wegen ihres Inhalts, sondern weil sie ein Spiegel der Gesellschaft sein konnten. Man könnte fast sagen, dass der Film die Liberalen mit seiner Kompromisslosigkeit provoziert hat. Sein Nachgeschmack ist jedenfalls anhaltend und könnte Lesarten hervorrufen, die über das Unsichtbare hinausgehen.