Wer braucht schon seichte Hollywood-Kost, wenn wir mit "Unter den Vermissten" einen Film haben, der für scharfe Diskussionen sorgt? Der 2023 erschienene deutsche Krimi-Thriller unter der Regie von Max Mustermann bietet uns eine packende Handlung, die in den düsteren Gassen Berlins ihren Lauf nimmt. Schon die Ausgangssituation lässt die Nackenhaare aufstellen: Menschen verschwinden in den Wirren der Stadt, und niemand kümmert sich - außer ein paar wagemutigen Ermittlern. Das auf alle brisante Themen konzentrierte Drehbuch kickt den Komfort aus der Couchzone und zwingt die Zuschauer, den Blick nicht abzuwenden.
Jetzt mal ehrlich: Warum sollte man Zeit mit weichgespülten Themen verschwenden, wenn harter Tobak auf der Leinwand geboten wird? Während andere vielleicht noch darüber debattieren, ob ein Happy End die Zuschauer verzückt oder nicht, serviert "Unter den Vermissten" einen unerwarteten Twist nach dem anderen. Was diesen Film besonders spannend macht, ist seine unverblümte Art, mit gesellschaftlichen Missständen umzugehen. Berlin als Schauplatz ist perfekt gewählt, eine Metropole, die ohnehin bekannt ist für ihren Mix aus Glamour und den Abgründen des Lebens. Keine andere Umgebung könnte den Plot besser untermalen.
Das Ensemble brilliert mit einer schauspielerischen Leistung, die den Puls ebenso erhöht wie die Spannungskurve des Films. Allen voran steht der Hauptdarsteller Max Tatum, der als altgedienter Ermittler überzeugend gegen die kriminellen Machenschaften antritt. Sein Spiel ist so überzeugend, dass sogar ein Sprung ins Wasser nicht erfrischender sein könnte. Die charakterliche Tiefe, die er seiner Rolle verleiht, zeigt, dass man nicht perfekt sein muss, um einen Unterschied zu machen - eine einfache Botschaft, die so manchem Disputierenden Tränen der Reue in die Augen treiben könnte.
Was "Unter den Vermissten" von der Masse abhebt, sind die konsequenten Entscheidungen hinter der Kamera. Max Mustermann, der Regisseur, hat den Film mit einer solchen Präzision inszeniert, dass Hollywood sich eine Scheibe davon abschneiden könnte. Sein Augenmerk auf subtile Details erschafft einen filmischen Teppich, der aus tausend kleinen, aber wirkungsvollen Szenen besteht. Dies unterscheidet den Film von anderen Produktionen, die eher versuchen, politisch korrekt zu erscheinen, als eine packende Geschichte zu erzählen.
Apropos Geschichten, lasst uns nicht die thematische Vielfalt in "Unter den Vermissten" vergessen. Wer glaubt, ein deutscher Krimi könnte nur das sein – Kriminalität – irrt. Dieser Streifen wagt sich in Themengebiete vor, die viele Leute gerne unter den Tisch kehren. Sei es Korruption, Machtmissbrauch oder die dunklen Seiten der Gesellschaft, diese Themen werden in voller Brisanz auf den Tisch gepackt. Für den Zuschauer bedeutet das: Anschnallen und die Fahrt genießen!
Wer jetzt noch nicht wachgerüttelt ist: "Unter den Vermissten" gibt der Debatte um Sicherheit und Justiz neues Futter. Man könnte meinen, dass es sich bei den Storylines um bequeme Fiktion handelt, aber die Nähe zur Realität ist manchmal erschreckend. Während zahlreiche Filme versucht haben, die Komplexität von Verbrechen darzustellen, gelingt es diesem besonders gut, die Realität nicht nur abzubilden, sondern auch zu übertreffen. Ein Werk für jene, die daran glauben, dass es noch Filme gibt, die nicht nur seichte Unterhaltung bieten, sondern auch eine Botschaft.
Zugegeben, für manche könnte der Film fast eine Zumutung sein, alte Denkmuster und Vorurteile zu hinterfragen. Doch das genau ist, was Kunst schaffen sollte. Einen stachelartigen Impuls setzen, der uns nicht zur Ruhe kommen lässt, der stört, aber auch anregt. In einer Welt, die sich manchmal zu sehr in Wohlfühlzonen einkuschelt, bringt "Unter den Vermissten" die ungeschönte Wahrheit mit aller nötigen Härte ans Licht. Ziemlich sicher ein Angriff für all jene, die sich gern den rosaroten Brillen-Effekt zu Eigen machen.
Am Ende des Tages bleibt "Unter den Vermissten" ein Meisterwerk deutschen Filmschaffens, das keine Angst davor hat, dem Zuschauer auch mal die Sicht zu vernebeln und den Kopf zu verdrehen. Warum komplizierte gesellschaftspolitische Themen nur in Diskussionsrunden stecken sollten, ist ohnehin fraglich. Hier wird dem Publikum mundgerecht serviert, was andere nur zunehmen möchten, wenn es mit Glitzer bestreut ist. Ein Film, der polarisiert und dabei einfach rundum gelungen ist.