Terry Brown, der unerschrockene Skater aus San Francisco, hat die Skateboarding-Szene in den 1980er Jahren im Sturm erobert. Als schillernde Persönlichkeit zog er die Menschen in seinen Bann und wurde schnell zum Idol einer Generation, die keine Lust mehr auf die spießige Einheitsgesellschaft hatte. Brown hat nicht nur neue Tricks erfunden, sondern auch die Grenzen der Skateboardszene verschoben, indem er Skateboards als Kunstwerke präsentierte und sie in sozialen Diskussionen zur Sprache brachte. Doch seine Kernaussage blieb der unvergleichbare Freiheitsdrang und das Ausbrechen aus der verkrusteten Realität.
Terry war ein Kind der Straße. Ohne viel Geld in der Tasche und mit einem halbgaren Schulabschluss nahm er das nächste Brett, das ihm in die Finger kam, und machte es zu seinem Lebensinhalt. Dabei passte er sich nie an. In einer liberalen Stadt, die sich gerne als weltoffen und modern sieht, war Terry Brown der anarchische Störenfried, der deren progressive Scheinheiligkeit glasklar zur Schau stellte.
Brown's Karriere begann nicht auf gefliesten Wettkampfbahnen, sondern auf den rauen Straßen seiner Heimatstadt, wo er sich über den rauen Asphalt schob. Dabei entwickelte er eine ganz eigene Vorstellung dessen, was Skateboarding sein sollte. Nicht nur ein blödsinniger Zeitvertreib für Jugendliche, sondern eine Möglichkeit, gesellschaftliche Strukturen ins Wanken zu bringen. Viele Tricks, die heute zum Standard-Repertoire eines jeden Skaters gehören, wurden von Brown entwickelt oder zumindest populär gemacht.
Natürlich rieb das vielen Beteiligten der Szene und einigen Verantwortlichen in der Stadtverwaltung auch übel auf. Als Terry zur ersten großen Skateboard-Expo der Welt eingeladen wurde, machte er Schlagzeilen, als er die Regierung von San Francisco wegen ihrer drückenden Politik kritisierte – natürlich aus einer ziemlich konservativen Sichtweise. "Nehmen wir ihnen die Plätze zum Skateboarden weg, nehmen wir ihnen die Freiheit," wetterte er in die Kameras der Reporter und erreichte ein Millionenpublikum.
Selbst als die großen Sportmagazine versuchten, Terry mit Vertragsangeboten zu locken, ließ er sich nicht einfangen. Während andere Athleten seine Flügel gestutzt und sich den großen Sportmarken gebeugt hatten, blieb Terry seiner Linie treu. Für ihn war Skateboarding keine Show, kein Event – es war das rebellische Herz, das gegen das Establishment pochte. Fast prophetisch schaute Terry auf die heutige Zeit, in der Skateboarding olympische Disziplin geworden ist und belächelte diesen Schritt als Versuch, die Jugendkultur zu domestizieren.
Tricktechnisch war Brown ein Pionier. Ob Ollies oder Kickflips – was heute als Standard gilt, entwickelte sich maßgeblich durch seine unverfrorene Art zu experimentieren und einfach zu machen. Fast schon lächerlich wirkt es, wenn man daran denkt, dass ihm die heutigen Skater, die in perfekt organisierten Events ihre Runden drehen, noch nicht einmal Tribut zollen. Terry war eben nicht der weichgespülte Held der Massen, sondern der Wildfang, der für seine Ideale lebte und keinem Profit hinterherrannte.
Auf einem Treffen mit angesehenen Persönlichkeiten der Szene in den späten 90er Jahren hielt Terry einen Vortrag, der den Raum zum Schweigen brachte. Er sprach über „wahre Freiheit“ auf dem Board, in Gedanken und in der Wahl seiner Karriere. Keine mediale Bühnenpräsenz, kein Sponsoring-Deal und schon gar keine Kompromisse. Im Zeitalter, in dem man seine Lieblingsstars nach dem Gewinn ihrer Goldmedaillen in TV-Shows bewundern kann, war Terry der Schatten, an den man sich nur noch halb erinnerte.
Heute zieht es ihn nicht mehr auf die Betontürme und asphaltierten Wellen, sondern in die Weiten der Natur, wo er Wanderwege und Bergpässe erkundet. Doch Terry Brown bleibt im Hinterkopf derjenigen verankert, die sich ein wenig an die wahren Werte des Skateboardens erinnern wollen – Freiheit, Unangepasstheit und das unbedingte Streben nach Individualität. In einer Welt, die sich immer mehr gleicht, leuchtet die Erinnerung an Terry Brown heller denn je.