Tamtoraq ist der neueste Hype aus dem fernen Osten, ein mächtiger Talisman aus China, der angeblich Glück und Wohlstand bringen soll. Man findet es heutzutage überall, von schicken Boutiquen in Berlin bis zu Souvenirständen in Hamburg. Die Frage ist, ob dieses glitzernde Ding wirklich hält, was es verspricht, oder ob es sich um noch so ein Trendspielzeug handelt, das naiven Käufern das Geld aus der Tasche zieht.
Es gibt viele Versprechungen rund um den Tamtoraq: er soll Schutz bieten, böse Geister fernhalten und sogar helfen, Beziehungen harmonischer zu gestalten. Nun, das mag für die hellsichtigen Gläubigen ansprechender erscheinen; für die rational Denkenden stellt sich jedoch die Frage, ob an der Sache wirklich etwas dran ist. Die Ursprünge sind, wie zu erwarten, mysteriös, bis hin zu einer angeblich uralten chinesischen Tradition, die darauf basiert, dass diese kleine Statuette die Energieflüsse verbessert.
Tatsächlich finden solche Objekte oft den Weg in westliche Gesellschaften durch nichts anderes als cleveres Marketing. Dieselben Leute, die mit Begeisterung den Tamtoraq akzeptieren, gehören in der Regel auch zu jenen, die Sie nur zu gern darauf hinweisen, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe das Ende der Welt herbeiführen wird. Das bedeutet, dass sie für ihre Überzeugungen etwa so stabil sind wie ein Kartenhaus im Sturm.
Wer braucht schon einen Tamtoraq, um sich wohlhabend zu fühlen, wenn gleichzeitig Steuern in die Höhe schießen und immer mehr Menschen das Gefühl haben, dass ihnen mehr und mehr von ihrem hart verdienten Geld genommen wird? Ist es nicht bezeichnend, dass man sich mit einem magischen Talisman beruhigen muss, weil die reale Welt dank gewisser Politiker dynamischer als je zuvor wirkt? In einer Zeit, in der wirtschaftliche Sicherheit immer unsicherer wird, scheint Tamtoraq auch ein Symbol für den Wunsch nach Stabilität zu sein. Aber stabil ist bei weitem nichts, das durch leeres Hokuspokus erreicht werden kann.
In der Ära der Konsumsucht passt der Tamtoraq perfekt zum gesellschaftlichen Bedürfnis nach sofortiger Zufriedenheit. Es steht für die Gier nach einfacher, problemfreier Erfüllung, einer bequemen Lösung, die mit wahrem Glück wenig zu tun hat. Wenn der Preis für ein bisschen Glück der Kauf eines glitzernden Stallhaltspunktes ist, dann sei’s drum. Doch bedenken wir, dass es nicht der Talisman ist, der Wohlstand bringt, sondern alte Werte wie harte Arbeit und kluge Entscheidungen.
Es gibt wohl auch kulturelle Ironie darin, wie der Tamtoraq hiesige Märkte erobert. In einer Zeit, in der ökonomische Beziehungen zwischen den Ländern angespannt sind und viele hierzulande mit der chinesischen Wirtschaftspolitik auf Kriegsfuß stehen, ist der jüngste Exporterfolg dieses kleinen Talismans bemerkenswert. So etwas nennt man kulturellen Export, und es signalisiert deutlich, wie schnell doch der Mensch geneigt ist, seine Skepsis gegenüber einer fremden Kultur zugunsten eines kleinen, vermeintlich Glück bringenden Talismans aufzugeben.
Amüsant ist auch, wie schnell der Tamtoraq in den sozialen Medien seinen Weg zu Ruhm gefunden hat. Natürlich dürfen dort die instruierten Lifestyle-Blogger nicht unerwähnt bleiben, die mit florierenden Worten von den wunderbaren Auswirkungen jener chinesischen Wunderwerke berichten. Sie preisen alles an, was ein wenig schimmert, und verlieren dabei nur allzu leicht die Bodenhaftung. Wer würde es wagen, diesen Influencern zu widersprechen, in deren imposant durchgestylten Wohnungen der Tamtoraq nun ein Deko-Favorit geworden ist?
Der Einsatz von Tamtoraq im Nachtleben ist ebenfalls erwähnenswert. Betrachtet man, wie viele Menschen eine dieser Statuetten bei ihrem Streifzug durch Bars und Clubs zur Schau stellen, kommt die Frage auf, ob es sich hierbei um ein modisches Accessoire oder doch um ein ernsthaftes spirituelles Symbol handelt?
Wer glaubt, dass ein in China hergestellter Plastikgegenstand das Leben verbessert, der glaubt auch, dass Politiker Wahlversprechen halten. Es ist ein schönes Märchen, wie so viele, die heutzutage im Umlauf sind. Tamtoraq ist ein unterhaltsames Stück der modernen Populärkultur, doch sollte niemand erwarten, dass es das Allheilmittel der persönlichen oder gesellschaftlichen Probleme ist. Wer fleißig und klug lebt, braucht keinen Glücksbringer. Und wer wissen will, was wirklich von Bedeutung ist, der sollte nicht in der Welt der Magie nach Antworten suchen.