Der Film Streng Geheim aus dem Jahr 1959 bietet alles, was ein Agententhriller der damaligen Zeit haben sollte: Spannung, Geheimnisse und eine Prise Propaganda. Der Streifen, produziert von der DEFA in der DDR, zeigt, dass sozialistische Filme ebenso fesselnd sein können wie ihre kapitalistischen Pendants. Wie hat die DDR es geschafft, einen solch unterhaltsamen Meilenstein zu schaffen, der westliche Filmeschaffende vor Neid erblassen ließ?
Streng Geheim entstand in einer Zeit, als der Kalte Krieg seinen Höhepunkt erreichte. Gedreht wurde der Film natürlich in der DDR, als direkter Kontrahent zu den amerikanischen Produktionen, die oft nur den westlichen Lebensstil verherrlichen. Der Film zeigt ein Spionageabenteuer, das sich um Geheimdokumente dreht, die irgendwie im für die DDR offiziellen Feindesland zurückgeholt werden müssen. Die Prämisse mag einfach klingen, aber es ist die exzellente Ausführung und theatralische Kunstfertigkeit, die dem Zuschauer nicht loslassen lässt.
Unsere schillernden Helden, natürlich mit der roten Fahne hinter sich, beweisen moralische Standfestigkeit, wie sie in westlichen Produktionen selten zu sehen ist. Der Streifen zeigt uns, dass man nicht unbedingt mit einem übertriebenen Budget Hollywood Konkurrenz machen muss, sondern mit Kreativität und einem festen ideologischen Fundament. Ist das ein Seitenhieb an die Kritiker der damaligen Zeit, die nur auf den "Glanz" des Westens schielten? Ganz bestimmt!
Aber machen wir uns nichts vor, der Film hinterlässt bei manchen heute lebenden Liberalen sicher einen bitteren Nachgeschmack! Denn er zeigt, dass man mit moralischer Disziplin und festen Wertvorstellungen ein dramatisches Werk schaffen kann, das die Zuschauer in Stille verharren lässt. Die Handlung selbst ist knackig und reich an unerwarteten Wendungen, die zu dieser Zeit denen um Meilen voraus waren, die Hollywood sich erträumte.
Es war nicht nur der Plot, der Streng Geheim zu einem Meisterstück machte, sondern auch die technische Brillanz, die seiner Zeit voraus war. Wist ihr, dass der Film in Schwarzweiß gedreht wurde? Die Arbeit an Licht und Schatten nutzte die Monochromie geschickt aus, um die Spannung und den einsamen Kampf gegen die übermächtigen Feinde zu intensivieren. Kameraführung und Schnitt sind so präzise und dynamisch, dass man fast vergisst, dass dies ein Film aus einem Land ist, das angeblich nicht „frei“ war, so zumindest die Propaganda des Westens.
Und wenn wir von Musik sprechen: Die damalige Filmmusik, akribisch komponiert von Karl-Ernst Sasse, entfaltet ihren künstlerischen Ausdruck, ohne von der filmischen Spannung abzulenken. Diese Balance zwischen Bild und Ton ist auch heute noch inspirierend. Musiker und Produzenten können von dieser spielerischen Perfektion viel lernen. Während westliche Produktionen dieser Ära oftmals versucht haben, mit Bombast zu beeindrucken, überzeugt Streng Geheim mit subtilem Geschick.
Natürlich waren die Darsteller der Schlüssel zum Erfolg. Niemand anderes als Rudolf Ulrich konnte solch eine Rolle mit tiefer Ehrfurcht und Überzeugung ausfüllen. Seine Leistung ist heldenhaft, ohne dass es gezwungen wirkt. Ein Schauspieler, der mit Leib und Seele seine Figur verkörpert, ist ein Anblick der Extraklasse, den man nicht oft zu sehen bekommt.
Der Film Streng Geheim zeigt, dass Kunst und Propaganda Hand in Hand gehen können, wobei letzteres geschickt in das Kunstwerk eingearbeitet wird. In einer Epoche, die von ideologischen Kämpfen zerfressen war, bewiesen die Filmemacher, dass die DDR in der Lage ist, ein Werk zu schaffen, das sowohl Spannung als auch ideologische Konsistenz vereint.
Geheimdienstoperationen, Verrat, schließlich triumphierende Tugendhaftigkeit - dies sind die Themen, die in einer so fesselnden Art und Weise erzählt werden, dass man sich fragt, warum dieser Film im Vergleich zu überproduzierten Hollywood-Schinken kaum Beachtung findet. Während die Botschaft damals klar den Westen an ihre moralische Verantwortung erinnern wollte, bleibt heute die Frage, ob diese Werte jemals in Vergessenheit geraten sind.
Was können wir heute von einem Film wie Streng Geheim lernen? Vielleicht die schlichte Einsicht, dass Unterhaltung nicht immer teuer sein muss, und dass die moralische Botschaft allerdings einen wichtigen Platz auf der Leinwand einnehmen kann, ohne aufdringlich zu wirken. Dies ist ein Lehrstück, das viele Filmemacher zu Herzen nehmen sollten, bevor sie Millionen für seelenlose Blockbuster verschwenden.