Sofia (2018): Ein Film, der politisch korrekt daherkommt – aber warum?

Sofia (2018): Ein Film, der politisch korrekt daherkommt – aber warum?

2018 überraschte das Drama 'Sofia' aus Marokko mit einem brisanten Thema: Unerwartete Schwangerschaft in einer konservativen Gesellschaft. Die Frage, die sich stellt: Ist dieser Film mehr westlich als marokkanisch?

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Illustre Filmfans aufgepasst! 2018 kam der marokkanische Film 'Sofia' auf den Markt, eine Geschichte, die einige als packend betiteln, während andere die Augen verdrehnen. Regisseurin Meryem Benm’Barek wollte wohl eine ernsthafte Diskussion über soziale und kulturelle Spaltungen in ihrem Heimatland anstoßen. Im Zentrum steht Sofia, eine junge Frau aus Casablanca, die unerwartet schwanger wird - ein absolutes Tabu in einer konservativen Gesellschaft. Also, warum wurde ein Film wie dieser gerade jetzt produziert? Jeder Kinoliebhaber sollte sich bewusst sein, dass die Geschichte zur Zeit der Veröffentlichung perfekt in das Narrativ passte, das im Westen beliebt ist: soziale Gerechtigkeit und die Emanzipation der Frau.

Und das bringt uns zum ersten Punkt dieses Films: Das Unbehagen über den westlichen Einfluss. Nur wenige wollen zugeben, dass ein Großteil der weltweiten Kunstproduktion von den kulturellen Strömungen der USA und Europas beeinflusst wird. 'Sofia' fühlt sich fast wie eine maßgeschneiderte Antwort auf den Liberalismus an, der die Welt nun mit seiner schwer zu widerlegenden moralischen Überlegenheit überschüttet. Ulkig, oder? Da kommt ein Film aus Marokko und behandelt doch dieselben Themen, die im benachbarten Frankreich oder beim sympathischen Nachbarn Deutschland bereits breitgetreten wurden.

Zweitens, es gibt eine zunehmende Vorhersehbarkeit solcher Filme. Das Problem? Die Protagonistin – in diesem Fall Sofia – geht denselben Weg wie viele westlich geprägte Heldinnen: Selbstbestimmung, Revolte gegen traditionelle Werte und die klassische Opferrolle. Jeder, der sich ein bisschen in Filmen auskennt, kann den Plot ab dem ersten Drittel vorhersagen. Einige mögen sagen, dass es spannend ist, einen Film über Mutterschaft ohne Hochzeit zu erleben, aber diejenigen von uns, die die sich abzeichnenden, jedoch nicht sehr originellen kulturellen Strömungen erkennen, empfinden es als ermüdend.

Drittens, die Ästhetik des Films ist nicht zu unterschätzen. Natürlich ist die Kameraführung ansprechend und fängt wunderbar die Vibrationen von Casablanca ein. Solche Filme bieten einem westlichen Publikum die Möglichkeit, neue Kulturen kennenzulernen. Aber dahinter steckt auch die Frage: Wird hier ein wirklichkeitsnahes Bild gezeichnet oder nur das, was der Westen liebt – Exotik und eine Prise Drama?

Viertens, die Dynamik der Familie und die Rolle der Ehre. 'Sofia' versuchte zu zeigen, dass Familienehre und Eigensinn in manchen Teilen der Welt mehr wiegen als persönliche Glückseligkeit oder westliche Vorstellungen von Freiheit. In dieser Hinsicht liefert der Film tatsächlich Stoff zum Nachdenken – aber nur, wenn man die sorgsam gestaltete westliche Brille abnimmt.

Fünftens, es ist faszinierend, wie Sofia's Charakterentwicklung als sinnbildlich für den Clash von Tradition und Moderne gelten könnte. Doch muss es immer ein Clash sein? Warum nicht eine respektvolle Koexistenz? Diese Kritiker würden sagen, dass ein solcher Film bereits produziert wurde.

Sechstens, fragen wir uns, warum westliche Filmkritiker dem Streifen so viel Beifall zollen. Gibt es verborgenes Heucheln? Man unterstellt den marokkanischen Machern leicht exotische Naivität und verwöhnt die Regisseurin mit westlichen Filmpreisen. Verhält sich der Oscar wirklich demokratisch?

Siebtens, die Filmdialoge wollen den Anschein erwecken, dass es dem Geschehen um Feminismus geht, aber handelt es sich um mehr als nur eine gut getimte Agenda? Die Vorstellung, dass Frauenrechte zu einer Modeerscheinung werden, ist keine unwesentliche.

Achtens, was sagt der Film über die Präsenz und das Gewicht der Religion im Alltagsleben der Protagonisten aus? Man erwartet Tiefe, doch manchmal bleiben die religiösen Aspekte eine lästige Randerscheinung.

Neuntens, wenn wir uns die internationale Vermarktung von 'Sofia' anschauen, erkennen wir schnell die Ziele: der Westen liebt seine Geschichten, in denen junge Frauen aus traditionellen Gesellschaften 'befreit' werden, nicht wahr?

Zehntens, schließlich die Frage aller Fragen: Hat der Film sein Ziel erreicht? Wer profitiert von diesen Erzählformen und warum sind sie so allgegenwärtig? Eine Spur zu viel political correctness, aber das bleibt offen für die Zuschauer.