Wenn man an Frank Sinatra denkt, kommen einem Klassiker wie 'My Way' oder 'New York, New York' in den Sinn. Doch der Tributalbum 'SIN-Atra' sprengt die gewohnten Bahnen der Nostalgie und lässt die Überraschung tief durch die Gehörgänge hallen. In 2011 erschien dieses Album, das nicht wie eine Hommage an den alten Crooner klingt, sondern sich anhört wie eine wilde Mischung aus Rock, Metall und Sinatra-mäßiger Eleganz. Metal-Legenden wie Dee Snider und Glenn Hughes verleihen Sinatras Hits neues Leben und beweisen dabei, dass man Altbewährtes neu erfinden kann.
Was genau ist 'SIN-Atra'? Es handelt sich um ein Album von zahlreichen bekannten Rock- und Metal-Sängern, die Sinatras Lieder in ihrer eigenen, unverkennbaren Art und Weise covern. Man könnte sagen, es ist ein Versuch, die vielgepriesene 'Gute alte Zeit' mit einem modernen Kick zu versehen. Und das ist nicht nur mutig, sondern durchaus herausfordernd – denn in einer Zeit, in der klassische Musik oft auf Podesten verehrt wird, wagt sich 'SIN-Atra', diese Tradition ordentlich durchzuschütteln.
Wie kam es zu diesem eigenwilligen Mix aus Kult und Rebellion? Die Entstehung des Albums ist eine Geschichte der Zusammenarbeit über Stilgrenzen hinweg, initiiert, um Sinatras Erbe auf eine völlig neue Ebene zu heben. Produziert von Bob Kulick und Brett Chassen, entstand das Album mitten in der chaotischen Kulisse der modernen Musikindustrie und dem ewigen Kampf um Innovation.
'SIN-Atra' ist jedenfalls nichts für schwache Nerven oder nostalgische Puristen. Wer jedoch einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen will, wird wohl beeindruckt sein, wie sich ein Titan der Musikgeschichte und die E-Gitarren der Neuzeit gegenseitig ergänzen. Dee Snider transformiert 'It was a Very Good Year' zu einem harten Brocken Rock, der selbst das Selbstverständnis Sinatras mit einem Augenzwinkern betrachtet. Oder nehmen wir Glenn Hughes mit 'I've Got You Under My Skin', ein schönes Beispiel dafür, wie man die Konsistenz bewahren kann und dennoch etwas Wildes hinzufügt.
Der kulturelle Einfluss eines solchen Albums ist nicht zu unterschätzen. Hier zeigt sich wieder einmal, dass Musik nicht von konservativen Ansichten begrenzt sein muss. Statt starren Bräuchen zu folgen, geht es darum, wie wir Klänge neu deuten können. Allerdings wird genau das konservativen Hörern gefallen: Die loyalen Wurzeln zu ehren und gleichzeitig mit der Zeit zu gehen.
Für diejenigen, die die Musik der 50er und 60er Jahre als unantastbar betrachten, stellt 'SIN-Atra' fast schon ein Sakrileg dar. Doch gleichzeitig erinnert es uns daran, dass Innovation und Wandel unvermeidlich sind. Es gibt keinen Raum für Stillstand, denn der Musikmarkt ist unbarmherzig und erfordert ständig neue Impulse. SIN-Atra bietet diese – mit Nachdruck.
Warum polarisiert es so stark? Weil es genau das anspricht, was viele nicht wahrhaben möchten: Musik entwickelt sich weiter, während wir gerade zuhören. Und 'SIN-Atra' ist ein echter Ohrenschmaus für jene, die verstehen, dass auch in der Veränderung eine Hommage steckt. Diejenigen, die dem Glamour der Vergangenheit frönen, mögen das als Destruktion empfinden; andere erkennen darin eine Form der Anerkennung – in einer Sprache, die nur Musik sprechen kann.
Am Ende bleibt die spannende Frage: Wird es weitere solcher Grenzüberschreitungen geben? 'SIN-Atra' zeigt, dass crossgenres in der Lage sind, alte Meisterwerke in die Gegenwart zu katapultieren. Und das in einer Weise, die Sinatras roter Faden der Individualität durchaus Heute widerspiegelt. Während einige damit kämpfen, den Klang der Vergangenheit zu bewahren, hat 'SIN-Atra' mit Stolz bewiesen, dass selbst Legenden einem Wechsel unterliegen – und damit ein positives Licht auf den Wert der Tradition werfen.