Haben Sie sich jemals gefragt, warum in Ihren Schubladen, versteckt zwischen den Socken, Made-in-China-Aufkleber zu finden sind? Nun, die Antwort könnte Sie überraschen. Die Sexspielzeugindustrie in China ist nicht nur lebendig und florierend, sondern sie führt den globalen Markt an, während der Westen dies zunehmend ignoriert. In den letzten Jahren, ungefähr seit den frühen 2000ern, hat China, das als „Fabrik der Welt“ bekannt ist, seine Rolle als führender Hersteller von Sexspielzeugen weiter verstärkt und zugleich seine innerstaatliche Produktion und Innovation auf ein neues Level gebracht. Mit gesunkenen Produktionskosten und einer schier unerschöpflichen Arbeitskraft hat sich das Land zum Paradies für Hersteller entwickelt und profitiert von einer wachsenden internationalen Nachfrage.
Der erste Punkt, den wir beachten sollten, ist, dass diese Industrie den liberalen Traum eines globalen Handels perfekt widerspiegelt. Die Produktion ist billig, die Produkte sind zahlreich und die Versandwege unendlich. Doch was ist der wirkliche Preis für diesen unsichtbaren Teil unserer Konsumkultur? Die westlichen Unternehmen, die von diesen billigen Produktionskosten profitieren, sehen oft darüber hinweg, was dafür geopfert wird: Umweltverschmutzung, minimale Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Jeder weiß es, aber niemand spricht darüber, weil das Produkt selbst tabu ist. In einem ironischen Twist des Schicksals ist es gerade diese Unsichtbarkeit und das Schweigen, das den chinesischen Markt antreibt.
Zweitens gibt es keinen Mangel an Kreativität in der chinesischen Sexspielzeugproduktion. Chinesische Ingenieure und Designer haben mit unermüdlicher Arbeit die Messlatte für Innovationen in der Branche höhergelegt. Sie stellen nicht nur die bekannten Klassiker her, sondern erweitern das Spektrum kontinuierlich mit neuen, ausgefallenen Ideen. Die Tatsache, dass ein riesiger Teil der Innovationen aus einem Land kommt, das in sozialer Hinsicht oft als konservativ beschrieben wird, wirft Fragen zu den Prioritäten westlicher Gesellschaften auf, die sich selbst gerne als „fortschrittlich“ bezeichnen.
Der dritte Stachel der Wahrheit: Qualitätsprobleme sind da, wie immer, wenn Billigprodukte produziert werden. Dennoch wird diese Tatsache in der allgemeinen Akzeptanz des unaufhaltsamen Konsums aktzeptiert. Ein möglicher Defekt wird als unvermeidbarer Kollateralschaden auf dem Altar der Bequemlichkeit und der Kostenersparnis geopfert. Doch jeder, der einmal einen Handschuh aus der Notaufnahme anstelle eines geplanten Verabredungs-Nähtags benutzt hat, weiß, dass Qualität nicht verhandelbar sein sollte.
Auch erwähnenswert ist der vierte Punkt: Die Auswirkungen dieser Industrie auf die chinesische Gesellschaft selbst. Während viele in den Industriestädten arbeiten und vom ständig steigenden Export profitieren, sieht sich China ebenso mit dem Widerspruch seiner traditionellen Werte konfrontiert. Der explosive wirtschaftliche Fortschritt geht einher mit den Herausforderungen, die eine zunehmend offene gesellschaftliche Realität mit sich bringt.
Fünftens muss gesagt werden, dass der westliche Konsument Teil dieses Systems ist. Jeder Kauf hingegen unterstützt ungewollt eine Industrie, in der Arbeitsrechte im schlimmsten Fall ignoriert werden. Die Verantwortung von uns als Käufer ist nicht trivial, und die Frage, ob wir überhaupt wissen, was wir da unterstützen, bleibt unangenehm im Raum stehen.
Der sechste und besonders pikante Punkt ist das Schweigen der westlichen Politszene zu diesen Themen. Es ist leicht, die Arbeit in China für technische Innovation und niedrige Preise zu loben, während die Auswirkungen auf Menschenrechte beiseite gelächelt werden. Solange alles diskret bleibt, gibt es keinen Grund, öffentlich den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Siebtens hat diese boomende Industrie stark zum wirtschaftlichen Wachstum Chinas beigetragen. Während westliche Märkte stagnieren, hat China mit Hilfe des Sexspielzeuggeschäfts seine wirtschaftlichen Muskeln gestärkt und weiter Einfluss gewonnen. Für ein Land mit einem so großen internationalen Einfluss ist dies ein beträchtliches Unterscheidungsmerkmal.
Der achte und bemerkenswerte Punkt ist die kluge Balance, die China zwischen ihrer traditionellen Kultur und den modernen sexuellen Freiheiten hält. Diese gewagte Verbindung zwischen Wachstum und Wandel ist eine interessante Fallstudie, die uns erkennen lässt, wie flexibel wirtschaftliche Interessen kulturelle Normen beeinflussen können.
Neunter Punkt: Die interessante Rolle des Internets, das den Verkauf und das Marketing von Sexspielzeugen weltweit ermöglicht hat. China hat seine Online-Handelsplattformen massiv ausgebaut und damit den Zugang zu diesen Produkten unglaublich vereinfacht, was die Nachfrage weiter befeuert. All dies geschieht vor einem digitalen Hintergrund, der von Staat und Unternehmen gleichsam überwacht und gestaltet wird.
Zu guter Letzt: Vielleicht ist dieses Spiel mit dem Feuer nur ein Beispiel für eine Welt, die immer mehr Konsum und weniger Substanz anstrebt. China kann sowohl als Beispiel des Erfolgs als auch als Vorbild des Wandels gelten, doch die Verantwortung für diese Diskrepanz liegt möglicherweise bei uns allen – eingeschlossen derjenigen, die sich über solch einen Konsum moralisch erheben wollen.