Seinfeld Staffel 9: Der unverfrorene Abschied der Kultserie

Seinfeld Staffel 9: Der unverfrorene Abschied der Kultserie

Die neunte und letzte Staffel der Kult-Sitcom *Seinfeld* geht mit konsequenter Unverfrorenheit zu Ende und gibt der Zuschauerlandschaft das, was heutige Programme häufig vermissen lassen: Mut zum Tabubruch.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Die neunte Staffel von Seinfeld, die zwischen 1997 und 1998 auf NBC lief, markiert das Ende einer der ikonischsten Sitcoms der Fernsehgeschichte. In dieser letzten Staffel setzt der Meister der alltäglichen Absurditäten, Jerry Seinfeld, zusammen mit seinen exzentrischen Freunden George, Elaine und Kramer, ein glänzendes Schlusspunkt. Wenn du dachtest, Politik habe keinen Platz in einer Comedy, dann hast du das Potenzial von "Schrankenlos unkorrekt" verpasst. Immerhin haben die Macher wie Larry David nie den Versuch unternommen, sich an den Mainstream anzubiedern, eine Eigenschaft, die heute mutiger denn je wirkt.

Lassen wir uns in unserer vzierten Gesellschaft nicht von erzwungener Nettigkeit blenden. Seinfeld gab uns in seiner letzten Saison die Möglichkeit, ungefiltert zu sagen, was wir denken. Die Episode "The Apology" ist ein Paradebeispiel. Während die politische Korrektheit über die letzten Jahrzehnte ihren Zenit erreicht hat, zeigte diese Episode, dass keinerlei Entschuldigung für gesellschaftlich erzwungene Schuldbekenntnisse nötig ist. Was für die heutige Zeit erfrischend wirkt, ist die unverhohlene Art, mit der die Charaktere durch Probleme navigierten, ohne die Berücksichtigung der political correctness-Parade zu fürchten.

Dann haben wir da noch "The Merv Griffin Show": Hier wird unsere mediale Konsumgesellschaft aufs Korn genommen, und das noch lange bevor soziale Medien unseren Alltag bestimmten. Kramer, der den generellen Tellerrand nicht kennt, stellt einfach seine eigene Talkshow im Wohnzimmer auf. Eine Manifestation dessen, was wir heute als Möchtegern-Influencer kennen. Die Botschaft an alle, die versuchen, ein Mascherl für Likes und Shares aufzusetzen: Kramer lässt sich nicht in eine Schublade stecken und bleibt sich selbst treu.

Detektivbedeutung erhält die Episode "The Betrayal", in der wir einmal mehr sehen, dass Loyalität in der Freundschaft, auch im regulativen Kontext, immer mehr an Bedeutung gewinnt. Während der moralische Kompass so mancher politischer Kreise immer nachgiebiger wird, gibt es hier eine klare Linie. In der Umkehrerzählweise wird uns vermittelt, dass selbst dann, wenn alles auseinanderzufallen scheint, wahre Freundschaften unerschütterlich bleiben.

Ein weiteres Glanzstück ist "The Frogger". Selbst in der technisierten Welt, in der wir heute leben, bleibt die Botschaft klar: Spiele dürfen nicht den Verstand besiegen! Die Episode nimmt ironisch die damalige und heutige Spielsucht aufs Korn, indem George keine Mühen scheut, seinen Highscore zu retten. Was für heutige Gaming-Kulturen gilt, galt damals schon: Die Wichtigkeit, nicht das Wesentliche aus dem Auge zu verlieren.

Und während wir selbst über unsere Anstrengungen lachen, können die Episoden "The Puerto Rican Day" und "The Finale" aufzeigen, dass der Versuch, niemandem auf die Füße zu treten, letztlich die ganze Szenerie in Farce endet. Fernsehen soll unterhalten, provozieren, lehren – alles in einem. Fans und Kritiker waren sich selten so uneinig wie bei "The Finale". Doch genau darin liegt die Fähigkeit der Serie, langfristig zu provozieren und uns die Grenze unserer eigenen Erträglichkeit offenzulegen.

Zu guter Letzt: Staffel 9 löst die Serie mit einem Knall auf und zeigt uns, wie relevant und aktuell Jerry und seine Freunde auch heute noch sind. Ohne krampfhafte Anpassung oder neuen Programmfeminismus. Denn die Realität, die uns Seinfeld vor Augen hält, duldet kein süßliches Sahnehäubchen, sondern konfrontiert uns mit unseren eigenen Mängeln – unverblümt und gnadenlos.