Der Besuch in einer Schwulenbar klingt nach einem Abenteuer, nicht wahr? Nun, so kann man es sehen. Vor Kurzem gingen einige Freunde und ich in eine Schwulenbar in Berlin. Es war ein Samstagabend, als wir beschlossen, einmal die lokale Szene unter die Lupe zu nehmen. Dieses Erlebnis war sowohl lehrreich als auch... sagen wir, augenöffnend.
Unser Ausflug dorthin begann mit einer ganz simplen Idee: Spaß haben. Nichts Ungewöhnliches, oder? Schließlich sind wir alle neugierig und wollen Neues erleben. Doch was wir fanden, war eine ganz andere Welt, eine, die nicht unbedingt mit unseren Werten übereinstimmte.
Erstens war da die Atmosphäre. Eine seltsame Mischung aus Überheblichkeit und Liberalität. Wir tauchten ein in eine Zone, in der die Dekadenz florierte und die Tradition den weiten Hut ziehen musste. Die Musik war laut, freizügige Kleidung allgegenwärtig, und die Gespräche drehten sich oft um Dinge, die nichts mit „normalem“ Leben zu tun hatten.
Zweitens war da der „Freiheitsbegriff“, den viele dort so schätzten. Frei zu sein von den „Konventionen der Gesellschaft“ klang verlockend für sie. Aber zerreißen wir uns wirklich die Ketten, wenn wir einfach ohne Hemmungen alles machen, was uns gerade in den Sinn kommt? Mit Freiheit kommt Verantwortung – ein Konzept, das dort schmerzlich zu fehlen schien.
Drittens kam dann das Thema der Identität. Es war schwer, ein Gespräch zu führen ohne ernsthafte Diskussionen über Geschlechtsidentität oder Sexualität. Nichts gegen Selbstfindung, aber wenn das alles ist, was man über sich selbst definieren kann, dann fehlt da doch etwas Essenzielles, nicht wahr?
Viertens begegneten wir einer fast feindlichen Reaktion auf konservative Gedanken. Es war fast amüsant, mitanzusehen, wie manche Leute geradezu allergisch auf einen anderen Meinungsturm reagieren können. Wer hätte gedacht, dass unterschiedliche Meinungen in einem Raum für Anspannung sorgen könnten?
Unser kleiner Ausflug gewährte uns einen Einblick in eine Welt, die für viele offen und befreiend war, für uns aber eher beunruhigend und chaotisch. Meiner Meinung nach braucht die Gesellschaft nicht mehr von dieser Form des blinden Hedonismus. Stattdessen wäre ein Abgleich unserer Urteilsfähigkeit mit traditionellen Werten eher angebracht.
Dann die Feiern. Alkohol floss in Strömen und das, was als Spaß begann, entwickelte sich schnell zu vernebelten Blicken und flüchtigen Flirts. Es macht nachdenklich, wenn dieses Verhalten als freies Lebensgefühl zelebriert wird.
Unser Besuch wurde mit der gut bekannten liberalen Toleranz gewürzt, die manchmal selbst in Intoleranz umschlägt. Man könnte fragen, wo echte Akzeptanz und Verständnis bleiben, wenn der Rahmen der „offenen“ Gemeinschaft so eng geschnürt ist.
Zum Schluss kam die Realisation, dass wir einen Schritt zurück ins Normale machen möchten. Einen Schritt zurück zu gemeinsamen Werten, klaren Gedanken und verantwortungsvolleren Vergnügungen. Wir werden die nächtlichen Abenteuer wohl wieder Dinge aus unserer eigenen Lebenswelt machen. Die ironische Erkenntnis dieses Abends? Nichts ist erfrischender als ein einfaches Gespräch unter Freunden in einer Bar, in der Regeln noch Sinn ergeben.