Es gibt Filme, die man nur einmal sehen muss, um nie wieder seine Meinung zu ändern. "Schaden" aus dem Jahr 1992 ist so ein Film! Unter der Regie von Louis Malle entstand ein filmisches Werk, das die intellektuelle Elite Forderungen stellt und konservativen Köpfen ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern könnte. Der Film erzählt die Geschichte von Stephen Fleming, einem britischen Tory-Abgeordneten, der eine leidenschaftliche Affäre mit der Verlobten seines Sohnes beginnt. Alles dramatisch, alles emotional – und doch bewegt es sich im Rahmen dessen, worüber viele auf der linken Seite schweigen: Die menschliche Natur, die nicht immer den moralischen Kompass auf ihrer Seite hat.
Die Handlung spielt in Großbritannien in den 90er-Jahren und man könnte meinen, der Plot sei einem konservativen Albtraum entsprungen, in dem moralische Abgründe tief blicken lassen. Aber hier wird die Frage gestellt, wann Selbstdisziplin und Vernunft die Oberhand verlieren. Es ist ein clever inszenierter Skandal, der die Zuschauer an der Nase herumführt und sie zum Nachdenken anregt. Während sich Fleming mit vermeintlichem Stolz obenauf fühlt, reitet er sich nur tiefer in sein persönliches Verderben.
Jeremy Irons, der die Rolle von Stephen Fleming spielt, bringt die charismatischen, aber zutiefst fehlerhaften Züge seines Charakters perfekt zur Geltung. Die schauspielerische Leistung von Juliette Binoche als Anna Barton ist intensiv und faszinierend und stellt ein Paradebeispiel filmischer Kunst dar, das nicht jeder zu schätzen weiß. Vielleicht fehlt es an diesen Tugenden in der liberalen Filmkritik, die lieber über Antihelden fabulieren. "Schaden" wirft die Frage auf: Ist moralisches Scheitern verzeihlich, wenn es mit "Liebe" gerechtfertigt wird?
Das Kontroversielle an diesem Film ist nicht die Affäre selbst, sondern die subtileren Themen der individuellen Freiheit und die Konsequenzen persönlicher Entscheidungen. Anders als in weichgespülten Hollywood-Produktionen, die oft dieselbe ethisch-moralische Strecke abfahren, erörtert "Schaden" die oftmals ignorierte Grauzone menschlichen Verhaltens. Und ja, es ist „erwachsen“, sich diesen Themen zu stellen und sie kritisch zu hinterfragen, was beim heutigen Zuschauer oftmals zu wenig geschätzt wird.
Es muss eine Menge Charakterstärke erfordern, einen Film zu loben, der solche gesellschaftlichen Tabus erkundet und derartig komplexe und ambivalente Figuren zeigt. "Schaden" ist bei weitem kein einfacher Blockbuster, der sich blind in den Mainstream einnistet. Er verlangt mehr von seinem Publikum – und tatsächlich verdienen das nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die Zuschauer selbst.
Während sich der Streifen mit so delikaten Themen wie Untreue, Machtmissbrauch und Intrigen auseinandersetzt, erscheinen die Szenen teils roh und unbequem, die ästhetisch ansprechend inszeniert wurden. Doch darin liegt auch der Mehrwert: "Schaden" zeigt Krisen und die Ablehnung von politischer Korrektheit auf eine Art, die andere Filme dieser Epoche bei weitem nicht erreichen. Er ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Filmkunst zu einer Konfrontation mit der eigenen Moral führen kann.
Ein konservativer Zuschauer könnte fast Applaus klatschen für den Mut, den "Schaden" besitzt, der Mainstream-Filmproduktion ein Schnippchen zu schlagen. Der Film dokumentiert, wie persönliche und politische Entscheidungen miteinander kollidieren können – ein Erzählelement, das mehr Beachtung verdienen könnte. Ein wahrhaft bemerkenswerter Film, der weit mehr ist als die Summe seiner Teile: er ist eine Provokation, eine Herausforderung und am Ende ein Stück beständige filmische Kunst, das nicht jedermanns Sache sein mag.
Interessanterweise greift "Schaden" weit über die Bildschirmleinwand hinaus, indem er eine Reflexion über die Konsequenzen unseres Handelns liefert – sowohl privat als auch öffentlich. Und während dies nicht mit einem symphatischen Gefühl enden mag, so bleibt es doch ein demonstrativer Akt guter Filmemacherkultur. Vielleicht könnte der Film auch als Mahnmal dienen, dass die Konsequenzen nicht nur schön sein müssen, um wahrhaft beachtet zu werden. Endlich ein Film, der mehr gibt als nimmt!