Manchmal ist die Geschichte kein Schriftsteller für die Menschen, die in ihren Kapiteln auftauchen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. So in etwa lässt sich das Lebenswerk von Samuel Oshoffa zusammenfassen. Wer war dieser Mann? Geboren am 11. Mai 1909 in Porto-Novo, in der damaligen französischen Kolonie Dahomey, dem heutigen Benin, entwickelte sich Samuel Oshoffa zu einem der einflussreichsten religiösen Führer Westafrikas. Aber stellen Sie sich vor, die moderne Welt nimmt seine Geschichte kaum wahr. Wäre Samuel Oshoffa ein glamouröser Hollywood-Pastor, wäre sein Name in aller Munde.
Die Gründung der Kirche vom Herrn, The Church of the Lord (Aladura), vereint 1947 in Nigeria, war die Reaktion von Oshoffa auf geistige Trockenheit. Ein Erweckungsführer, der sich die Wiedergeburt der Apostelgeschichte zum Ziel gesetzt hatte. Er hatte diese Transformation in Visionen gesehen, die ihrerseits von biblischen Wundern und Heilungen inspiriert waren. Auch wenn man skeptisch sein mag, es ist nicht zu leugnen, dass seine Erlebnisse mit spirituellen Phänomenen und die späteren schnellen Heilungen vielen Menschen neuen Glauben geschenkt haben.
Aktiv in einer Zeit voller politischer und sozialer Umbrüche, fand Oshoffas Botschaft in Nigeria und darüber hinaus Anklang. Sicher, man mag darüber streiten, wie sehr diese Bewegungen für die politische Stabilität tauglich sind, aber man kann den faktischen Erfolg seiner Gemeinde nicht abstreiten. Seine Charisma-geleitete Führung und übernatürlichen Erlebnisse waren mehr als nur Show—sie bewegten Massen.
Ein berüchtigter Unfall im September 1947 in einem entlegenen Wald, bei dem Oshoffa behauptete, drei Monate von Gott geführt worden zu sein, sorgte für seine endgültige Bekehrung. Schon danach war kein Halten mehr. Die Geschichte klingt fantastisch, mag sein, aber seine Anhänger sahen darin den Beweis seiner Berufung. Was wäre, wenn solche Erlebnisse tatsächlich großartige Taten vollbrachten? Aber in einer Welt voll von Skepsis verpuffen solche Geschichten zu häufig.
Die Kirche selbst verbreitete sich mit einer Geschwindigkeit, die selbst heitereren Gemütern ein Lächeln abringen könnte. Von einem ersten Gebetshaus in Porto-Novo breitete sie sich rasch in vielen Ländern aus. Heute zählt die Kirche allein in Nigeria Millionen von Mitgliedern. Eine ungeheuer starke, spirituelle Gemeinschaft formte sich, die die Welt zu oft ignoriert.
Oshoffa blieb bis zu seinem Tod am 10. September 1985 die zentrale Figur dieser Bewegung. Fast prophetisch erscheint der Einfluss auf seine Gemeinde auch über seinen Tod hinaus. Man kann vielerorts sehen, wie seine Visionen und Grundsätze das Leben seiner Anhänger verändern. Lieber Traditionalist, erkennst du hier nicht die Kraft geistiger Überzeugungen, während Liberale das oft als Aberglauben betrachten?
In einer von der Nivellierung der Kultur sprechenden Welt ist die Kirche Samuel Oshoffas ein Festhalten an individuellen spirituellen Ausdrucksformen. Manchmal überschneiden sich Religion und Politik auf gefährliche Art und Weise. Doch in Oshoffas Fall war es eher eine Erinnerung an die spirituelle Dimension des Lebens, die in einem Meer aus Materialismus meist untergeht.
Also, was bleibt von Samuel Oshoffa, abgesehen von der Gründungsgeschichte einer Glaubensgemeinschaft? Eine Mahnung vielleicht—an uns, Glauben und Zweifel zu reflektieren. Das innere Verlangen nach spirituellem Trost hört nie auf und es könnte sich als der zentrale Kompass erweisen, der uns durch die Wirren dieser modernen Welt leitet.