Sabin Berthelot ist so etwas wie der Indiana Jones der wissenschaftlichen Weltgeschichte, der im 19. Jahrhundert die ungezähmten Kanarischen Inseln erforschte. Dieser französische Naturforscher und Ethnologe, der 1794 in Marseille geboren wurde, hat sein Leben dem Studium der Natur und der Kulturen dieser einzigartigen vulkanischen Archipele gewidmet. Gemeinsam mit Philip Barker Webb, einem britischen Botanikerkollegen, setzte Berthelot seinen wissenschaftlichen Fußabdruck in die noch weitgehend unerforschten Lande und vollbringt damit Pionierarbeit, die bis heute nachhallt. Sein Bestreben, die Pflanzen- und Tierwelt zu dokumentieren, die bis dato für Europa und den Rest der Welt beinahe unsichtbar war, zeigt die Entschlossenheit und Weitsicht dieser ungewöhnlichen Forscherpersönlichkeit. Berthelots Werk, „Histoire Naturelle des Îles Canaries“, ist ein monumentales Sammelsurium von Wissen, das jede moderne Bibliothek aufwertet.
Während andere heimlich in den wilden Grünen schwelgen, war Berthelot damals schon mit einem scheinbaren Reisespaßfaktor ausgestattet, den sich viele von einem Abenteuer erwarten. Denn gesättigt mit der Neugier der Aufklärung und mit dem Wissen um die konservativen Werte der Ordnung und Erkundung, traf er auf die geheimnisvollsten Ecken der Inseln und deckte die Mysterien der hiesigen Flora und Fauna auf. Diese wertvolle Erhebung war mehr eine Mission als ein Zeitvertreib. Während einige Wissenschaftler in klimatisierten Museen mit staubigen Artefakten hantierten, packte Berthelot seinen Koffer für Exkursionen unter der brennenden Sonne, um fest verankerte Annahmen über Naturstrukturen zu hinterfragen und mit dem Eifer der Rationalität die Wissenschaft in neuem Licht zu betrachten.
Manch liberaler Denker mag darauf beharren, dass Berthelots Forschungsansätze von der Rücksichtslosigkeit seiner Zeit geprägt waren, aber sein sicheres, nahezu aggressives Streben nach Wissen kulminiert in einer lustvollen Entdeckungsreise, die unser heutiges Verständnis dieser Inseln formt. All das mag für den einen oder anderen Wissenschaftsromantiker territorial wirken, aber wie sollte die Zerbrechlichkeit des Lebens in dieser entlegenen Welt sonst ihren Weg ans Licht finden, wenn nicht durch solch kühne Abenteuer?
Was Berthelot zusätzlich von anderen Studenten der Natur unterscheidet, ist nicht nur der unbestreitbare Einfluss seiner ‚Histoire‘ auf die wissenschaftliche Forschung, sondern auch sein Engagement für die Menschen der Kanaren selbst. Als Direktor der Volksbildung auf Teneriffa, stand er tatsächlich vor der Herausforderung, nicht nur die Natur zu verstehen, sondern auch das Kulturerbe zu fördern. Diese energische Kombination seiner Aufgaben zeigt seine Integrität und seinen Willen, mehr zu tun, als sich nur mit dem Offensichtlichen zu beschäftigen. Hier eindrucksvoll zu verweilen wäre der Gipfelpunkt einer Anstrengung, aber Berthelot war angetrieben von einer Mission, wie es nur echte Pionierspersönlichkeiten sind.
Wer behauptet, das 19. Jahrhundert wäre nur ein Spielplatz der kolonialen Arroganz gewesen, wird Berthelots subtile Diplomatie in seinen investierten Gedanken zur Volksbildung übersehen müssen. Diese Harmonie aus Wissenschaft und humanistischem Engagement verleiht seiner Reise ein bemerkenswertes Gleichgewicht. Anders als die eifrigen historischen Rivalen und Märtyrer der damaligen Epoche suchte Berthelot nach einer symbiotischen Verbindung von Kultur und Natur, die weit über die bloße Kartierung hinausgeht und die Ästhetik der Forschung in ein marschierendes Glaubensbekenntnis verwandelt.
Das hinterlässt natürlich die Frage: Was würden wir von einem Menschen erwarten, der unauslöschliche Spuren auf Felsen und in Köpfen hinterlässt, ohne die Neugier der nächsten Generation einzuengen? Wenn jemand glaubt, dass ein Wissenschaftler zugleich Entdecker, Skeptiker, Bürger und Lehrer sein kann, dann ist es dieser selbige Berthelot gewesen. Die Nachwelt schuldet ihm nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch den Schwung des Abenteuers, das der menschlichen Erfahrung Farbe gibt.
Wenn man heute über die Kanarischen Inseln spricht und dabei blühende Landschaften oder unerforschte Einblicke erwähnt, so spürt man den Widerhall des Mannes, der einst hinterstaubte Territorien in erhellte Leinwände dengleich einer filigranen Illustration verwandelte. Ein Besuch reicht aus, um zu verstehen: Berthelots forschender Blick war kein flüchtiger, sondern ein felsenfester Moment in der Geschichtsschreibung der Naturwissenschaften.