Wahre Jazz-Revolutionäre: Die unvergessliche Rashied Ali Quintett

Wahre Jazz-Revolutionäre: Die unvergessliche Rashied Ali Quintett

Das Rashied Ali Quintett revolutionierte den Jazz in den 1970ern mit einer radikal freien Ausdrucksweise, die klangliche Konformität herausforderte und eine neue Ära der musikalischen Innovation einleitete.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer glaubt, Jazz sei nur Gerede und keine große Sache, sollte einen Blick auf das Rashied Ali Quintett werfen. Rashied Ali, ein wahrhaftiger Pionier des Free Jazz, brachte frischen Wind in die Szene, die halbherzige, linkslastige „Kunst“ von Forderungen nach Harmonie und Melodie nur so erstickte. Im Jahre 1973, mitten in einer Epoche, die viel zu oft von klanglichen Eintönigkeiten dominiert wurde, entstand in den USA dieses außergewöhnliche Ensemble mit Rashied Ali, bekannt als der innovative Drummer, als Gründer.

Dieses Quintett, angesiedelt im Herzen der New Yorker Jazz-Szene, zahlte der liberalen Konformität Tribut, indem es mit seinem radikal freien Ausdruck nicht weniger als eine musikalische Revolution entfesselte. Der damalige Hype um Ali begann prägnant, da er schon zuvor als Schlagzeuger in John Coltranes unschlagbarem Quartett bekannt war. Seine Band war viel mehr als nur eine Anhäufung von Talenten, sie war eine Ode an die Freiheit und ein Tritt in die Knie all jener Kritiker, die behaupteten, dass das System an Tönen festhalten sollte, die wir bereits kannten.

Rashied Ali wollte mit seinem Quintett nichts Geringeres als den musikalischen Status quo aufrütteln und die Traditionen herausfordern. Voll von Energie und einer fast schon anarchischen Art brachten sie zusammen mit Musikergrößen wie James Blood Ulmer und Stafford James eine neue Definition von Jazz auf die Bühne. Die Band agierte in einer Zeit, in der viel zu viele im Publikum und unter Musikern an eingefahrenen Rollmodellen festhielten, statt sich den wahren innovativen Ideen zu öffnen.

Von Alis Weltanschauung getrieben, meisterten seine Bandkollegen ein Repertoire, das von absurden Kompositionen hin zu atonalen Klangexperimenten führte und standen symbolisch für die dekonstruktivistische Haltung ihrer Musik. Sie ließen sich nicht fesseln, nicht stoppen und spielten eine Musik, die für die einen wie ein Eindringen in geheiligtes Gebiet wirkte und für andere die Verkörperung einer neuen Art zu denken war. Ihre Auftritte waren nichts weniger als Ereignisse, die man nicht verpassen durfte.

Natürlich hatte die Band ihre Kritiker, die jedes einzelne Detail sezieren wollten, als ob sie die Arroganz, Jazz zu spielen, der sich nicht in ein einfaches Schema pressen ließ, mit leeren Worten „entlarven“ konnten. Doch diese Kritiken waren so fade und substanzlos, dass sie von der innovativen Begeisterung der Gruppe einfach hinweggefegt wurden.

Revolution von innen heraus: Das ist, was Rashied Alis Quintett mit seiner Musik betrieb. Ein Spiel der Klänge, das zu lieben man bereit sein musste, oder es eben lassen konnte. Es war keine Musik für die Unvorbereiteten oder die, die nicht bereit waren, den steinigen Weg der Erneuerung zu beschreiten. Ali und sein Quintett spielten für diejenigen, die den Nervenkitzel der Unvorhersehbarkeit suchten, Menschen, für die traditionelle Wege längst nicht mehr den Weg des Fortschritts darstellten.

Wenn man die Musik der 70er genau analysiert, stellt man fest, dass Rashied Alis Quintett wie ein einsamer Stern am Himmel leuchtete, ein ewiger Mahnruf an all jene, die glaubten, Jazz müsse sich einem bestimmten Muster anpassen. Während viele der sogenannten Experten der Zeit versuchten, diesen revolutionären Sound als vorübergehende Erscheinung abzutun, bleibt die Bedeutung der Rashied Ali Quintett bis heute unerreicht. Sie gehören zu den besonderen Gruppen, die den vermeintlichen Mainstream mit einer Art Respektlosigkeit aufforderten, seine Augen zu öffnen und auf diese Art von Musik einzugehen.

Rashied Ali und seine Band lieferten uns eine endgültige Antwort auf die Frage, ob Kunst sich ständig selbst neu erfinden sollte. Ihre Antwort: ein entschlossenes „Ja“, mit einem energischen Tusch auf der Trommel als Unterstreichung. Die Erregung und das Chaos waren bewusst gewählt, machten sie doch gerade das Wesen des Quintetts aus. Kein Zufall also, dass ihre Klänge noch immer ein Zeichen der Ablehnung starrer Strukturen und Gänge bei gleichzeitiger Bejahung uneingeschränkter Freiheit in der Musik sind.

Für den modernen Hörer ist die Musik von Rashied Ali Quintett mehr als nur ein akustisches Erlebnis. Es ist eine Reise in die Entfaltung des Geistes, ein Verweilen am Ort einer Auflehnung gegen die dumpfe Seligkeit, die viele Vorschriften mit sich bringen. Dies ist der Stoff, aus dem Ikonen geschnitzt werden.