Wenn ein Kunstwerk als das „meistgestohlene Gemälde der Welt“ bezeichnet wird, geht es nicht um David Hasselhoffs Gesangskarriere, sondern um das „Porträt von Jacob de Gheyn III“ von Rembrandt. Dieses Gemälde ist ein unfassbar faszinierendes Stück aus dem Jahr 1632, das Benelux-Kunstkenner vor Stolz aufstehen lässt und Diebe dazu verleitet, ihre Finger kreuz und quer auszustrecken. Es befindet sich in der weltberühmten Dulwich Picture Gallery in London und hat die unglaubliche Ehre, bereits ganze viermal gestohlen worden zu sein. Was für ein Teufelskreis!
Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was an diesem kleinen Gemälde so besonders ist? Eigentlich ist das Geheimnis ganz einfach: Es hat einen Wert, der über Geld hinausgeht! Als Jacob de Gheyn, ein angesehener Kupferstecher und Freund Rembrandts, sich porträtieren ließ, wusste er wohl nicht, dass er zum Superhelden unter den Gemäldedieben werden würde. De Gheyn III erscheint in einer schlichten schwarzen Kleidung, die für das goldene Zeitalter der Niederlande charakteristisch ist. Der Hauch von Schalk um seine Augen und die Intensität des Ausdrucks machen das Porträt zu einem wahren Schatz der Porträtkunst.
Ein möglicher Grund, warum gerade dieses Gemälde gestohlen wird? Nun, für einige Leute sind Emotionen und historische Relevanz mehr wert als kontemporäre pipapo Kunst, die mit absurden Millionenpreisen inflationär auf den Markt gespült wird. Rembrandts Schaffen strahlt eine Ehrlichkeit aus, die moderne Künstler oft schmerzlich vermissen lassen. Vielleicht haben die Diebe mehr Kunstverständnis als so mancher heutiger Kunstkritiker. Skandal!
Schon beim ersten Diebstahl im Jahr 1966 hat es niemanden überrascht, dass das Gemälde innerlich zähneknirschend in der Kunstwelt auf sich aufmerksam machte, als wäre es ein seltenes Pokémon, das eingefangen werden muss. Wer könnte da widerstehen? Schon damals wurde es von einem kecken Dieb während der Tageslichtöffnungszeiten abgesperrten Bereichen entwendet. Die Dreistigkeit!
Doch es folgte im Jahr 1973 ein noch überraschenderer Diebstahl, diesmal nicht von einem bärtigen Hipster, sondern eher etwas subtiler im Stil. Danach ging das ganze Drama weiter in den frühen 1980er Jahren - nahezu ohne Veränderungen in der Kulisse. Spannender als ein James Bond Film! Und stabil wie die gute alte Monarchie ging das 1990 erneut vonstatten. Mit jedem Mal wurde es schnell wiedergefunden, meistens in kuriosem Zustand, als wolle der Dieb dem Werk seine ganz persönliche Note verleihen.
Man fragt sich, was hinter diesem Gaunerstück steckt. Warum wird ein Bild von einem holländischen Adligen, dessen Gesicht kaum jemand außerhalb des Kunsthistoriker-Zirkels erkennt, immer wieder gestohlen? Ein Phänomen! Vielleicht liegt die Antwort in der nostalgischen Sehnsucht nach dem Unwiderstehlichen der Vergangenheit – einem Lebensstil, der sich den modernen Problemen einfach entzieht. Der Kontrast zur heutigen Kunst, die oft degeneriert und in kitschiger Provokation versinkt, könnte nicht größer sein.
Die Wiederholungsdiebstähle dieses Gemäldes beweisen, dass es mehr ist als nur Leinwand und Farbe. Es ist kein liberaler Klecks, der im Wirtschafts- und Kunstbetrieb aus dem Ruder gelaufen ist. Hier wird Kunst respektiert und nicht auf Instagram gegen Likes getauscht. Wenn es Rembrandt selbst gewusst hätte, dass sein Werk unsere soziale Sphäre so beeindrucken könnte, wäre er jetzt wohl zufrieden schmunzelnd.
Die Rangliste der berühmtesten künstlerischen Entführungen wird wohl weiterhin von Jacob de Gheyn III angeführt. Man kann es fast als Ritterschlag für die Kunstwelt definieren. Ein Diebstahl als künstlerischer Ritterschlag. Das Bild inspiriert, sorgt für Dramatik und hält die Zuschauer in Atem, weil echte Kunst den moralischen Kompass geradeerzielt. Ob es sich nun um die Liberty Bell der Diebe handelt oder um die Hoffnung, dass wahre Schönheit doch nicht vergänglich ist, bleibt der Interpretation überlassen.
Letztlich zeigt das 'Porträt von Jacob de Gheyn III', dass wahre Kunst immer eine starke Reaktion hervorruft. Manchmal sind die Diebe die wahren Kunstliebhaber, die wissen, dass es in der Kunst nicht nur um das Kaufen und Verkaufen, sondern um das wahrhaft Schätzenswerte geht. Diese ‚achtlos‘ treibenden Kräfte des Diebstahls könnten mehr Liebe zu einem Werk zeigen, als die blendend leuchtenden Auktionskataloge der modernen Zeit verdeutlichen wollen. So bleibt es ein Mysterium; zugleich eine Möglichkeit, über den Wert echten Talents nachzudenken, das unsere durchkalkulierte Kultur oft ignorieren will. Et voilà: Den Letzten beißen die Hunde.