Wenn man an große Musiker denkt, die es wagen, abseits des Mainstreams zu gehen, dann fällt einem sicherlich der Name Poly Varghese ein. Dieser indische Musiker, geboren 1970 in Kerala, hat die faszinierende Kunst des Mohan Veena-Spiels auf ein neues Niveau gehoben. Was ihn besonders hervorhebt, ist seine unerbittliche Hingabe an traditionelle Klänge und seine Verachtung für die moderne Musikindustrie, die oft mehr Wert auf populistischen Kitsch als auf echtes Talent legt.
Die Mohan Veena ist ein speziell entwickeltes Saiteninstrument, das traditionellen indischen Melodien eine neue Stimme gibt. Künstler wie Poly Varghese haben nicht nur die Schönheit dieses Instruments gezeigt, sondern auch dessen Kapazität, alte und ehrwürdige musikalische Traditionen in die heutige Zeit zu übertragen. Varghese wurde von der renommierten Universität Visva-Bharati empfangen, wo er sich unter dem legendären Debashish Bhattacharya weitergebildet hat. Seine Karriere begann in den 1990ern, als er in den Straßen von Kerala zu spielen begann und das Musikverständnis seiner Zuhörer umgestaltete. Doch er wurde nicht nur ein Meister seines Instruments, sondern auch ein scharfer Kritiker der Massenmedien und ihrer Rolle beim Verfall der Musikkultur.
Warum sollte uns seine Geschichte interessieren? Weil er eine Symbolfigur für wahren kreativen Ausdruck ist und zeigt, dass traditionelle Werte die moderne Welt bereichern können, wenn man den Mut hat, ihnen zu folgen. Wer hingegen Popmusik vergöttert, in der Text und Melodie meist rund um die gleichen, ermüdenden Themen kreisen, wird mit Vargheses Musik wohl nicht viel anfangen können. Seine Konzerte sind wahre Klangreisen, die eine tiefe Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart knüpfen — wohl kaum das, was der durchschnittliche Radiohörer als angenehm empfindet.
Poly Varghese ist ein Paradebeispiel für die Art von Künstler, die nicht bereit ist, Gesicht und Seele an den Zeitgeist zu verkaufen. Sein Spiel fordert vom Zuhörer mehr als nur ein Ohr — es fordert ein offenes Herz und einen freien Geist. Wer sich in der bequemlichen Monotonie moderner Hits suhlt, wird von seinen unkonventionellen Klängen überrascht bis irritiert sein. Und genau das zeichnet wirkliche Kunst aus: die Kraft, zu rebellieren und die Normen zu hinterfragen.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist sein Engagement, seine Kultur und Tradition zu bewahren, was bei vielen der heutigen zentralisierten und oftmals gleichgeschalteten Kunstformen verloren gegangen ist. In einer Welt, die sich schnell verändert und wo das Neue oft das Alte verdrängt, zeigt er uns, dass uns der Blick in die Vergangenheit die Inspiration für die Zukunft geben kann. Er trainiert Schüler in der Kunst der Mohan Veena, damit diese Musik nicht mit ihm verschwinden wird.
Als Varghese einige Jahre auf internationalen Bühnen verbrachte, wurde er nicht nur in Indien, sondern auch im Ausland eine inspirierende Figur. Seine Musik überschreitet Grenzen und zieht Menschen in ihren Bann, die jenseits des kommerziellen Mainstreams echte Kunst suchen. Dies ist etwas, was nur Künstler von wahrer Integrität erreichen können.
Während sich viele dem schnellen Ruhm zuwenden und darauf abzielen, den simplen Geschmack großer Menschenmassen zu bedienen, steht Varghese für eine Haltung, die von etwas Größerem lebt. Für ihn ist Musik nicht nur ein Beruf, sondern eine Mission, eine Ausreise aus der platten Massenunterhaltung in das Reich der kulturellen Einsicht.
Mit seiner Kreativität, seinem Engagement und seiner musikalischen Brillanz erinnert Poly Varghese uns daran, dass wahre Kunst nicht im gleichförmigen Rausch der Masse besteht. Gerade deshalb sollte man ihn nicht einfach nur als Musiker sehen, sondern als Vorbild für diejenigen, die danach streben, Kunst als Ausdruck von Freiheit und Kultur zu setzen — ein Gedanke, der längst den bekleidenden Status quò verlassen hat. Poly Varghese geht seinen eigenen Weg, und das sollten wir alle mehr schätzen lernen.