Pearl Jam's selbstbetiteltes achtes Studioalbum, veröffentlicht am 2. Mai 2006, ist wie ein wilder Ritt auf einer Achterbahn der amerikanischen Musikszene, der mitten in den 90er Jahren begann. Die Band, bestehend aus Eddie Vedder, Jeff Ament, Stone Gossard, Mike McCready und Matt Cameron, nahm die Welt von Seattle aus im Sturm ein und etablierte sich als eine der prägenden Kräfte der Grunge-Bewegung. Warum? Weil sie den Mut hatten, echte Musik abseits des Mainstreams zu produzieren und darüber hinaus auch politische Kritik zu äußern, als sie noch keine Angst hatten, der Masse zu widersprechen.
Es gibt zehn Dinge, die dieses Album so besonders machen und die Geschichte der Band widerspiegeln. Erstens, es war ein Comeback zu härteren, rockbetonten Klängen, die an ihre Anfänge in den frühen 90er Jahren erinnern. Sie gingen zurück zu ihren Wurzeln und zeigten, dass sie immer noch hungrig nach echtem Rock ‘n‘ Roll sind. Zweitens legte Eddie Vedder viel Herz und Seele in die Texte, was ihn als einen der größten Songwriter seiner Generation auszeichnet. Die Texte sprechen von politischen, sozialen und persönlichen Inhalten und bleiben dabei authentisch und ungeschönt.
Drittens, das Cover des Albums erhitzte die Gemüter wie selten ein anderes zuvor. Die Lebensaderstadt Chicago und das ikonische Bild einer Avocado als Symbol für Modernität und Natur – interpretationsfähig und erfrischend, wie nur Pearl Jam es versteht. Viertens, die Single "World Wide Suicide" schlug hohe Wellen, ein kantiger Protest gegen den Krieg und gegen die gesellschaftlichen Entwicklungen der 2000er Jahre, mutig, klar und provokant.
Fünftens erinnerte die Band den Markt daran, was Authentizität bedeutet. In einer Zeit, in der viele Bands sich dem Radio-Diktat unterwarfen, schwammen Pearl Jam gegen den Strom und setzten ein starkes Zeichen gegen die Kommerzialisierung. Sechstens, die Produzenten Adam Kasper und die Band selbst, schafften es, eine rohe und energische Klanglandschaft zu generieren, die die Konzerthallen rockte und den Fans ein unvergleichliches Erlebnis bot.
Siebtens, die Band machte keinen Hehl aus ihrer politischen Vision. Sie äußerten sich kritisch zu den liberalen Themen dieser Zeit und standen zu ihren Überzeugungen, egal wie unpopulär diese auch waren. Achtens, der Song "Comatose" verwischt mit seinem Tempo und seiner Direktheit die Grenzen zwischen Krach und Melodie: Ein perfektes Beispiel für ihren unverkennbaren Stil.
Neuntens, Pearl Jam zeigte mit diesem Album, dass sie aufblühen können, ohne sich im musikalischen Mainstream zu verlieren, und das bewies ihre Durchhaltevermögen. Zehntens, die Live-Performance-Tour war ein voller Erfolg, welche die Fans mit ihrer rohen Energie und Leidenschaft mitriss.
Pearl Jam's selbstbetiteltes Album von 2006 steht also nicht allein für großartige Musik, sondern auch für eine unverzweckte Darstellung ihres Schaffensdrangs, ihrer kulturellen Relevanz und ihrer unbeugsamen Gesinnung. So gelang es Pearl Jam, eine bedeutendere Rolle auf der politischen Bühne zu erobern und zugleich eine neue Form der musikalischen Relevanz zu etablieren. Kurzum, wer Grunge liebt, der wird dieses Manifest musikalischer Freiheit sicherlich feiern.