Offene Straße: Ein Film, der die Straßen für sich beansprucht

Offene Straße: Ein Film, der die Straßen für sich beansprucht

'Offene Straße' von 2012 ist ein filmisches Beispiel für vertane Chancen, das mit einer schwachen Handlung und Klischees versucht, einen emotionalen Eindruck zu hinterlassen.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Was passiert, wenn ein Film die vermeintlichen Werte des liberalen Hollywood infrage stellt und dabei dennoch in Bedeutungslosigkeit versinkt? Die Antwort: 'Offene Straße', ein kaum beachtetes Drama aus dem Jahr 2012, das in seinem Versuch, den American Dream erneut zu verpacken, auf ganzer Linie scheitert. Regisseur David Walton Smith hat es geradezu perfektioniert, diesen Flop abzuliefern, ohne große Aufregung zu erzeugen.

Offene Straße erzählt die Geschichte von Angie, einer ehemaligen Polizistin gespielt von der ohnehin unbekannten Isabella Walker, die sich auf den Weg macht, ihren verlorenen Vater Phil in den Südstaaten Amerikas zu finden. Willkommen also in der Welt der vernachlässigten Familienbande und handlungsarmer Erzählungen.

Eines der wohl interessantesten Dinge am Film ist die Wahl seines Drehortes. Statt auf die üblichen Hochglanz-Kulissen von New York oder Los Angeles zurückzugreifen, spielt der Film in malerischen, aber heruntergekommenen amerikanischen Kleinstädten. Diese Szenerie soll wohl Authentizität vermitteln, aber das Ergebnis ist nichts weiter als ein deprimierender Blick auf Orte, die längst vom globalisierten, technologiegetriebenen Fortschritt der West- und Ostküste abgehängt wurden.

Das Hauptproblem des Films ist seine Übersättigung an Klischees: Angie, die Protagonistin, könnte glatt als Symbol für die ach so typischen anti-establishment Heldenkelche der Linken stehen - eine Einzelgängerin, die mit der Elite brechen will, aber am Ende des Tages nichts bewegt.

Die Handlung dümpelt von einem emotional unbedeutenden Moment zum nächsten, und die Dialoge sind oft überschwemmt von sentimentalen Floskeln, die man zwischen Lächeln und Kopfschütteln als verzichtbar abtut. Niedergang der Familie, Gebrochene Träume und die Suche nach Identität sind die Themen, die uns hier präsentiert werden, doch in konventioneller Manier bleibt die Umsetzung schwach und unausgereift.

Besonders zu erwähnen ist der kaum hilfreiche Einsatz der Musik im Film. Der Soundtrack, der sicherlich das Herzstück der emotionalen Untermalung hätte sein können, wirkt unpassend und aufgesetzt. Statt einer Symphonie der melancholischen Eindringlichkeit serviert der Film lediglich uninspirierte Hintergrundberieselung, die sogar die talentiertesten Ohren beleidigen könnte.

Das Schicksal der „Offene Straße“ ist nicht einmal der irrelevante Plot, sondern seine völlige Unfähigkeit, irgendeine Kontroverse auszulösen. Ein Film, der so hoffnungslos unbedeutend ist, dass er in der Flut der Veröffentlichungen des Jahres 2012 einfach untergeht, ohne bemerkenswerte Spuren in der Landschaft des Kinos zu hinterlassen. Die erhoffte Charakterstudie der amerikanischen Kulturmaschine erweist sich als banal und trist.

Interessant ist auch, dass der Film am Ende fast prophetisch wirkt, in seiner Darstellung von verlorenen Individuen in einer Nation, die sich immer weiter in politische Lagerung aufteilt. Man könnte fast meinen, es sei ein verpasster Versuch gewesen, die Ernsthaftigkeit gesellschaftlicher Spaltungen darzustellen, aber das bleibt lediglich Spekulation.

So endet der Film genauso belanglos, wie er beginnt, gleichermaßen von Kritikern wie Zuschauern ignoriert. Ein weiteres Beispiel dafür, dass mehr als nur gute Absichten nötig sind, um filmische Meisterwerke zu schaffen. Da kann man der Nation keinen Vorwurf machen, wenn man lieber zur klassischen, konservativen Unterhaltung greift, die wenigstens den Anstand hat, uns in ihren Bann zu ziehen und nicht zu enttäuschen. Also, worüber noch reden? 'Offene Straße' wird wohl immer in der Anonymität des schwachen Kinos verloren bleiben.