Spannungsgeladen und dennoch mit einer Ruhe, die unsere überhitzte westliche Gesellschaft kaum noch kennt – das ist ‚Nakom‘. Ein Drama, das alle die überraschen wird, die Hollywoods oberflächliche Blockbuster-Norm erwarten. Nakom ist ein nigerianisch-ghanaischer Film aus dem Jahr 2016, der eine bewegende Geschichte von Tradition, Familie und der Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes erzählt. Anders als die modernistischen Erzählungen des zeitgenössischen Mainstreams, erhebt Nakom die traditionelle afrikanische Lebensweise und das ihrer Werte. Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in das abgelegene, nördliche Ghana, wo der junge Medizinstudent Iddrisu nach dem plötzlichen Tod seines Vaters zwischen seinen akademischen Ambitionen und den Erwartungen seiner Familie hin- und hergerissen ist.
Eine Prise Realität, die in den glamourösen Kulturhimmel einschlägt. Unsere Gesellschaft könnte hier lernen, auf die grundlegenden Werte des Familienzusammenhalts und der kulturellen Identität zu blicken, statt sich von der Identitätspolitik aus Washington ablenken zu lassen. Außerdem liefert Nakom ein erfrischendes Gegengewicht zu unserer Besessenheit mit dem Unmittelbaren und Materiellen. Wenn wir aufmerksam zuhören, offenbaren sich die Wurzeln unserer Probleme nicht in der Welt jenseits von uns, sondern in der, die in der traditionellen Lebensweise allzu oft verloren geht.
In Nakom liegt der echte Stoff, der weit über das Ignorieren kultureller und traditionsbedingter Schwierigkeiten hinausgeht. Der Protagonist Iddrisu könnte der kultivierte, junge Held sein, den wir in der westlichen Filmindustrie selten finden. Obwohl es keine niedlichen Subplots gibt, führt uns der Film unermüdlich durch die Labyrinthe persönlicher und sozialer Verpflichtungen. Nakom zeigt meisterhaft, wie Entscheidungen zwischen Tradition und Fortschritt keine klaren Antworten bieten, sondern das Ringen mit echten, bedeutungsvollen Dilemmas widerspiegeln.
Ein Tiefpunkt dieses kulturellen Dramas liegt zweifellos in seinem Verzicht auf stumpfsinnige Sentimentalität. Keine künstlichen Tränen, keine platten Heldenmonologe – nur eine tiefe Verwurzelung in der Realität der menschlichen Erfahrung. Vielleicht fühlen sich hier einige westliche Zuschauer bedroht von der ehrlichen Darstellung dieser bodenständigen Dramatik – zu rau, zu authentisch. Dafür bietet Nakom eine fast erfrischend ungeschminkte Darstellung des Lebens, das weder von Technologie noch Übersättigung gesteuert wird.
Es ist ironisch, dass ein Film, der die ‚Bedrohung‘ der westlich definierten fortschrittlichen Werte an die Wand malt, auf so viel Interesse und Anerkennung in internationalen Filmkreisen stößt. Liberale Kreise mögen behaupten, dass solche Geschichten längst überholt seien, doch die Realität ist komplexer. Nakom entlarvt die Oberflächenpolitik unserer Zeit und zeigt, dass wahre kulturelle Verständigung nicht durch das Aufzwingen von Universalwahrheiten, sondern durch die Akzeptanz und den Respekt gegenüber Traditionen erreicht wird.
Es gibt keine Fantasien von Paradies oder Verzweiflung – das Drama zeigt das Spiel der realen Möglichkeiten, mit denen jeder von uns konfrontiert ist. In einem Zeitalter, in dem sich unsere Medien von einer Fassade zur nächsten bewegen, ist Nakom ein filmisches Juwel, das für seine Ehrlichkeit zelebriert werden sollte. Ohne Spektakel, ohne Pomp, sondern mit stiller Dringlichkeit, bringt es uns die Geschichten von Menschen näher, die an die Wurzeln des menschlichen Lebens selbst fesseln.
Iddrisu steht hier stellvertretend für den Kampf gegen die wild um sich greifende Oberflächlichkeit und den Verlust der kulturellen Identität. Während die westliche Welt sich in wohldefinierten ‚Rechten‘ und ‚Freiheiten‘ verliert, erinnert uns Nakom daran, dass die wirkliche Erlösung nicht in postmaterialistischen Projekten oder politischem Aktionismus liegt, sondern in der Achtung unserer Geschichte und unserer kulturellen Herkunft. Wer glaubt, dass echte Kunst ohne eine klar umrissene Agenda auskommt, hat hier die Gelegenheit, anders zu denken.
Die Reise nach Nakom erfordert Mut – ein Step in das Unbekannte, das nicht im Regal angeboten wird. Anders als die gleichgeschalteten Produktionen mit schwarz-weiß gemalten Moral-Lektionen ist dieser Film eine Einladung, mit den Figuren mitzuleiden, statt über sie zu richten. Während Iddrisu versucht, sein Leben in Einklang mit den Erwartungen einer Gemeinde zu bringen, erscheint es nur passend, dass wir uns fragen sollten, wie oft wir uns selbst diesem Konflikt aussetzen.
Mit einer Einfachheit, die überrascht und einer Tiefe, die fesselt, sorgt der Film dafür, dass man die Perspektive ändert, auch wenn es Wohlstand und Bequemlichkeit gefährden könnte. Die Schönheit liegt im Detail, in der Stille, zwischen den widerhallenden Trommelschlägen des Lebensrhythmus.
Craig setzte in der Erzählweise Maßstäbe, die bei all den selbsternannten ‚kreativen‘ Machern und modischen Geschichtenerzählern nicht unerwähnt bleiben sollten. Ein ironischer Blick auf unser Bedürfnis nach dem 'Neuen' – einem Neuen, das wir immer jenseits suchen aber in unseren Wurzeln längst gelebt wird.
'Nakom' ist kein Film nur für Kinogänger, sondern für all jene, die sich fragen, ob ihre täglichen Kompromisse im Einklang mit ihren wahren Werten stehen.