Wer hätte gedacht, dass ein Film über das Bergsteigen die politische Elite zum Schwitzen bringen könnte? "Näher am Himmel", ein kraftvoller Film von Franziska Reichenbacher, bringt es auf den Punkt: nicht alles, was hoch ist, sollte moralisch verehrt werden. Der Film erschien 2020 in den deutschen Kinos und erzählt die bewegende Geschichte einer Gruppe von Bergsteigern, die nicht nur physische, sondern auch emotionale Gipfel erklimmen wollen. Gedreht in den atemberaubenden Berglandschaften der Alpen und Himalayas, wird das Streben nach Höherem eindrucksvoll in Szene gesetzt. Doch ist es wirklich das Streben nach dem Himmel, oder doch nur eine egoistische Selbstdarstellung?
Spiegeln wir uns nicht alle in diesen Bergsteigern wider, die ständig nach dem nächsten sozialen Aufstieg streben, anstatt am Boden der Tatsachen zu bleiben? "Näher am Himmel" bietet keinen Schauplatz für Helden, sondern für Menschen, die mit sich und der Welt hadern. Es ist eine meisterhafte Referenz an all jene, die den Sinn des Lebens suchen - oder meinetwegen den Sinn in einer Tasse fair gehandeltem Kaffee. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Hauptfigur, gespielt von Moritz Meyer, der den inneren Kampf zwischen persönlichem Ehrgeiz und moralischer Verpflichtung perfekt verkörpert. Dem Zuschauer wird kaum Raum gelassen, sich in politisch korrekten Floskeln zu verlieren.
Die Erzählweise des Films ist erfrischend direkt. Es gibt keine beschönigenden Nebelkerzen, die dem Publikum süßliche Befriedigung geben. Reichenbacher zeigt das Leben der Bergsteiger mit aller Härte, und die bereits morsche moralische Fassade des politisch überkorrekten Establishments bröckelt wie der brüchige Gletscher unwiderstehlich ab. Jeder ungesagte Satz ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an die sogenannten "Guten", die vergessen haben, dass wahre Größe von innen kommt und nicht von außen auferlegt werden muss.
Die Spannung des Films zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und zeigt Ausschnitte einer abstrakten Reise in die Psyche der Hauptcharaktere. Schneller und unbarmherziger als ein Kletterhaken wird jede Szene zu einem Spiegelbild der zwiespältigen menschlichen Natur. Sie offenbart die präzise Choreographie eines Dilemmas zwischen Selbstverwirklichung und verantwortungsbewusster Zurückhaltung. Forscht man einmal tiefer, so könnte man fast meinen, der Film spricht all jene an, die sich von der Überflüssigkeit politischer Machtansprüche befreien wollen.
Warum gerade "Näher am Himmel" eine präsente Kritik an den Mechanismen unserer Gesellschaft darstellt, liegt auf der Hand - Individualität auf Moralkurs wird zur absurdesten Vorstellung für all jene, die noch nicht auf dem Gipfel der Erkenntnis standen. Doch dieser Film lehrt uns auch, den moralischen Höhenrausch mit einer gesunden Portion Realismus zu betrachten.
Die Schlüsselszenen des Films sind so intensiv, dass man sich fragt, ob es sich hier um reine Unterhaltung handelt oder um einen unfreiwillig dokumentarischen Blick auf die Herausforderungen des modernen Lebens. Und obwohl der Film sich gänzlich den Gipfeltests der Charaktere widmet, scheint das Streben nach moralischer Überlegenheit anwesend - eine Tugend, die kollektivem Egoismus weich weichen muss.
"Näher am Himmel" serviert uns eiskalter als jeder Gipfelsturm die Frage nach Authentizität und Werten - Wer würde schon unangemessen hochmütig nach den Sternen greifen, wenn doch der sichere Boden näher liegt? Ein Film, der dadurch provoziert, dass er gerade nicht das abbildet, was liberale Wohlfahrtsapologeten in ihrer Filterblase wünschen.
Jede gefilmte Bergtour wird zur Metapher eines Lebenswegs, und während sich die Schluchten auftun, werden Abgründe der Gesellschaft beleuchtet, die manche nur ungern wahrnehmen wollen. Mithilfe von beeindruckenden Bilder, die eine wahrlich epische Kulisse bilden, und einem Soundtrack, der unter die Haut geht, fesselt der Film und regt zur gedanklichen Auseinandersetzung an.
So bleibt "Näher am Himmel" nicht nur ein Film; er wird zum stillen Protest gegen die Unachtsamkeit einer privilegierten Generation, die ihre Werte über das Aushängeschild politischer Korrektheit definiert. Kein Wunder, dass ein Film, der so deutlich die etablierte Ordnung hinterfragt, nicht jedem schmeckt. Doch wie jeder Film, der es wagt, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen, findet er seine Fangemeinde - Zuschauer, die nicht davor zurückschrecken, auch einmal steinige Abgründe zu erkunden.