Kahmunrah erhebt sich erneut und stellt damit die wohl konservativste Sinnfrage aller Zeiten: Was haben die als familienfreundlich getarnten Hollywoodfilme in dieser verrückten Welt zu suchen? "Nacht im Museum: Kahmunrah erhebt sich erneut" ist der jüngste Versuch, nostalgische Kinoerinnerungen wiederzubeleben, indem man auf Altbewährtes setzt. Diese filmische Fortsetzung, die am 9. Dezember 2022 auf Disney+ Premiere feierte, zeigt erneut die nächtlichen Eskapaden im New Yorker Museum für Naturgeschichte, allerdings in einer Animation, die weder Fisch noch Fleisch ist. Die Frage ist doch: Warum überhaupt einen dritten Teil machen, wenn die Magie schon in Teil zwei lange vergangen war? Nun, die Studios schwören auf Profit und eine moderne Agenda.
Nummer eins auf der Liste der Absurditäten ist das Zurückkommen eines Bösewichts, der weder spannend noch furchteinflößend ist. Kahmunrah, ein altägyptischer Pharao mit Machtambitionen, kehrt zurück und versucht erneut, mittels einer magischen Tafel die Herrschaft über die Nacht zu erlangen. Hört sich an wie der Versuch, einen verstaubten Bücherwurm in ein Dynastie-drama zu zwängen. Die Liberalen mögen solche platten Bösewichte, die man aus dem Ärmel zieht, um künstlich Konflikte zu erzeugen. Man fragt sich unweigerlich, ob den Drehbuchautoren die Kreativität fehlt oder ob sie absichtlich Stereotypen bedienen.
Zweitens ist der Hauptdarsteller, Nick Daley, der Sohn des charismatischen Larry Daley. Frisch als Nachtwächter angestellt, präsentiert sich der Junge als inkohärente Ansammlung von Gefühlen und Entscheidungen. In Zeiten, wo traditionelle Familienstrukturen in den Hintergrund treten, wird der Fokus auf eine Vater-Sohn-Dynamik gelegt. Wenn man darauf steht, wie junge Protagonisten einem überdrüssigen Publikum vorgekaut werden.
Drittens, die Animation. Diese filmische Reise in die lebendig werdende Welt des Museums zeigt sich in einer Animation, die weder Herz noch Seele hat. Die Farben sind pastellig und detailarm, und da fragt man sich schnell: Warum nicht einfach die realen Begebenheiten erfassen, wie es Ben Stiller und seine Crew in den früheren Filmen so meisterhaft taten?
Viertens stellt sich die Frage, warum diese Filme immer einem pädagogischen Auftrag folgen müssen. Das in die Länge gezogene Abenteuer enthält mal wieder eine übergeordnete Botschaft der Toleranz und des Zueinanderfindens. Kahmunrah soll letztlich menschlich gemacht werden, da er ja auch nur ein Opfer seiner Umstände ist. Jeder Bösewicht hat ein Herz, oder? Diese altbekannte Mär stammt aus der Feder von Autoren, die darauf bestehen, politische Botschaften in Unterhaltung zu pressen.
Dann gibt es noch die Frage der Diversität. Ja, die Mutter der Geschichte bleibt nicht still. Multikulturelle Inklusion ist das Stichwort – aber auf eine Art und Weise, die sich wie ein peinlicher Kniefall vor Hollywoods Zeitgeist ausnimmt. Man könnte fast meinen, den Schöpfern ist die Story egal, solange die Checklisten mit Klischees erfüllt sind. Was als charmantes Chaos begann, endet als Versuch einer konformistischen Gehirnwäsche.
Ein weiterer Punkt ist die Vergesslichkeit, die den Film wie ein Schatten begleitet. Nichts aus den vorherigen Filmen scheint Relevanz zu haben, wenn man einmal von der Tafel und den wiedererweckten Exponaten absieht. Warum bricht man nicht mit den abgegriffenen Narrativen? Warum den Zuschauer nicht überraschen? Weil es für Studios sicherer ist, auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln.
Der Soundtrack verdient jedoch eine Erwähnung. Mit alten und neuen Melodien versucht er, etwas von der ursprünglichen Magie einzufangen – doch auch hier verirrt sich die musikalische Begleitung in jeder zweiten Note. Versuchen Sie nicht, daran zu denken, dass die ersten Filme mit ihren ikonischen Stücken partizipierten.
Schließlich ist da die Frage der Zielgruppe. Man fragt sich, ob Kinder aus der Generation Z tatsächlich mit solch einem kalkulierten Werk erreicht werden können. Die Kulturangel, die einst für Spannung und Neugierde sorgte, wird nun als träge Unterhaltung verpackt – in einer Welt, die für schnelle Befriedigung und kurze Aufmerksamkeitsspannen sorgt.
Mit diesem Filmbeitrag versucht die Filmindustrie erneut, den Durchschnittskonsumenten mit vermeintlichem Inhalt abzuspeisen, der mehr Nebelkerze als Keramik ist. "Nacht im Museum: Kahmunrah erhebt sich erneut" deklariert eine erklärungsbedürftige, aber kaum ernstzunehmende Botschaft. Vielleicht liegt darin die größte Enttäuschung: Ein erneuter Beweis dafür, wie das traditionsreiche, ruhmreiche Konzept von Hollywood zu einem Schatten seiner selbst wird.