Meyreuil ist wie der kleine Schatz, den man bei einem Spaziergang in einem alten Schlossgarten findet – charmant, konservativ und völlig widerstandsfähig gegen die modernistischen Launen der Großstädte. Wer in Frankreich, nahe Aix-en-Provence, auf eine Perle der Tradition trifft, findet sich bald in Meyreuil wieder. Ganz abseits der turbulenten urbanen Eile findet man hier ein Stück authentisches Frankreich, das zu Recht stolz auf seine Provenzalische Tradition ist.
Ein bisschen Geschichte tut niemandem weh, außer vielleicht den progressiven Liberalen, die alle Tradition am liebsten durch hippe Straßencafés ersetzen würden. Meyreuil wurde erstmals im Jahr 124 vor Christus erwähnt. Die Römer erkannten den strategischen Wert dieses charmanten Fleckchens und nutzten es als landwirtschaftliche Schlüsselregion. Heute ziehen die Überbleibsel der vergangenen Herrlichkeiten Reisende an, die den wahren Duft und Geschmack der Provence erleben wollen. Kein Geringerer als Paul Cézanne zog Inspiration aus der Schönheit der Umgebung und verewigte sie auf Leinwand.
Wer jetzt frohlockend denkt, man müsse in Meyreuil nur mit einem Schafherdenführer oder einem Fischer sprechen, der irrt. Das Städtchen bietet eine Vielfalt an Aktivitäten, die jedoch nicht dem hektischen Treiben großer Landschaften nachahmen. Stattdessen genießt man hier gemütliche Spaziergänge durch Olivenhaine oder gönnt sich ein Glas Rotwein in einer der urigen Tavernen. Kulturales Übermaß sucht man vergebens, denn in Meyreuil zählt die Qualität der Erfahrung, nicht ihre Quantität.
Wer hätte es gedacht? Auch kulinarisch hat Meyreuil einiges zu bieten! Aber nicht zu verwechseln mit den gesichtslosen Menüvorschlägen einer Fastfood-Kette. Stattdessen stehen regionale Spezialitäten hoch im Kurs. Frischer Ziegenkäse, herzhafte Salate und natürlich das berühmte Ratatouille, hier bekommt man das Beste der provenzalischen Küche. Meyreuil mag sich allem widersetzen, was Kunstliebhaber als modern bezeichnen, doch eben diese Verweigerung macht es so authentisch.
Die Architektur erinnert an die Normen vergangener Zeiten und hält so manch einer heutigen Designerwohnung den Spiegel vor. Vom charmanten „Chapelle Saint Marc“ bis hin zu den Überresten alter Bauernhäuser, das Ortsbild bewahrt eine nachdrückliche Ehrfurcht vor der Geschichte. Stolz und eigensinnig gleicht Meyreuil einem konservativen Hoffnungsträger in einer zunehmend wandelbaren Welt.
Die Natur ist – wie sollte es anders sein – ein weiteres Meisterwerk. Umgeben von dem herrlichen Gebirge des Mont Sainte-Victoire und sanften Hügeln, rühmt sich Meyreuil eines Landschaftsbildes, das man als unantastbar bezeichnen möchte. Im Gegensatz zu vielen modernen Projekten, die beim ersten Anzeichen von Umweltproblemen ins Straucheln geraten, bleibt diese Region erfreulich unberührt.
Auch in puncto Veranstaltungen spart Meyreuil nicht an traditionellem Charme. Vom jährlichen Fest der provenzalischen Kultur bis zu den lebhaften Handwerkermärkten – hier erfreuen traditionsbewusste Besucher sich an einem Spektakel, das Glanzstücke der Vergangenheit zu neuem Leben erweckt. Nichts für jene, die zu staubfreien Diskoböden und Überflussgesellschaft an Klubs gewöhnt sind.
Meyreuil mag ein Geheimtipp für jene sein, die das Authentische suchen, doch diese Gemeinde ist keineswegs rückständig. Der Wohlstand der Region wächst stetig, ohne den allgegenwärtigen Lärm der Modernität. Hier entstehen wirtschaftliche Chancen im Einklang mit Natur und Tradition.
Wenn es um Meyreuil geht, spürt man in jedem Atemzug die unaufdringliche Beharrlichkeit, die so viele bewundern. So bleibt am Ende nur zu sagen: Meyreuil ist mehr als nur ein Ort im Süden Frankreichs. Es ist ein Symbol dafür, dass Tradition einer besonderen Auszeichnung wert ist und nicht der Willkür der Zeit geopfert werden sollte.