Wer hätte gedacht, dass ein Künstler aus dem kleinen Städtchen Haifa im Mandatsgebiet Palästina das internationale Kunstparkett so durcheinanderwirbeln würde? Menachem Gueffen beeindruckte nicht nur mit seinem ungewöhnlichen Stil, sondern auch durch seine Widerstandsfähigkeit gegen konventionelle Erwartungen. Schon im jungen Alter von 15 Jahren zog es ihn nach Paris, den damaligen Knotenpunkt der Kunstszene. Diese Entscheidung bewies, dass wir es hier mit einem Mann zu tun hatten, der das Spiel nach seinen eigenen Regeln spielt.
Mit viel Mut und dem Streben nach Freiheit, das Künstlern oft innewohnt, setzte er sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts innerhalb der Pariser Kunstszene durch. Paradox anmutend, dass Gueffen, ein Künstler mit so enger Verbundenheit zur Farbe und Form, eine Zeit lang Archäologie studierte – ein Feld, in dem Präzision und Methodik im Vordergrund stehen. Doch daraus erwuchs sein individueller Stil, eine stark expressive, durchaus ungeordnete Konzeption, die Gentleman zeitweise hervorhob und zeitweise den Kopf schütteln ließ.
Was Gueffen besonders macht, ist seine Unabhängigkeit von dem, was oft als liberaler Kunstmainstream bezeichnet wird. In einer Ära, in der universelle Akzeptanz angestrebt wird, setzte Gueffen seine eigene Vision durch, ohne sich von der Kritik der sogenannten Kunstexperten beeinflussen zu lassen. Sein Werk wurde im Laufe der Zeit nicht nur regional, sondern auch über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt und anerkannt.
Ein weiteres Kapitel in Gueffens faszinierender Biographie ist sein Einsatz während des israelischen Unabhängigkeitskrieges. An vorderster Front dabei, zeigte er, dass Kunst und Verteidigung nicht zwangsweise konfligieren müssen. Diese Erfahrung hinterließ tiefe Eindrücke in seinem Schaffen und machte ihn vielleicht gerade deshalb zu einem Künstler mit einer klaren Botschaft.
Wenn man über Gueffens Arbeit spricht, kann man einfach nicht umhin, von seiner kühnen Verwendung von Farbe beeindruckt zu sein. Manche behaupten sogar, dass seine Pinselstriche etwas Provokantes haben. Betrachtet man seine Farbwahl, so sprechen sie von einer Energie, die sich in Worten nicht einfangen lässt – eine Hommage an seine israelischen Wurzeln.
Sein künstlerisches Erbe lebt weiter – möglicherweise gerade, weil er sich der oberflächlichen Glätte unserer modernen Welt verweigert hat. Seine Werke sind heute in wichtigen Sammlungen in Israel, Frankreich und sogar in den USA vertreten.
Gueffen mag nie nach dem Geschmack junger, schreiender Avantgarde suchender Kunstkritiker gehandelt haben, aber er bewies, dass wahre Kunst nichts mit Trends zu tun hat. In der Welt der Geschichte wird er als einer der wenigen erachtet werden, die glaubten und daran festhielten, dass Kunst vor allem einem selbst treu sein muss. Und das ist definitiv eine der stärksten Botschaften, die Gueffen hinterlassen hat.