Habt ihr das Gefühl, dass die Welt immer absurder wird? Zum Glück gibt es Alben wie "Mayday" von Boys Noize, die uns in ihrem chaotischen Electro-Universum eine kurze Auszeit gönnen. Veröffentlicht im Mai 2016, hat dieser Berliner DJ und Musikproduzent – der mit bürgerlichem Namen Alex Ridha heißt – ein wahres Meisterwerk geschaffen, das in Übersee ebenso wie in Europa gefeiert wird. Der Titel "Mayday" ist dabei Programm: Es ist ein Alarmruf an die Dance-Musikszene, die immer mehr von austauschbarem Einheitsbrei kaputtgemacht wird.
Dieses Album ist keine lauwarme Tasse Kaffee, das kann ich euch sagen. Nein, es ist eine Explosion aus donnernden Bässen und entfesselt einen Elektro-Funk, der jeden Morgenblues in eine nächtliche Party verwandelt. Tracks wie "Overthrow" und "Rock the Bells" zeigen, warum Ridha als einer der führenden Köpfe der elektronischen Musik gefeiert wird. Man merkt, dass hier jemand am Werk ist, der nicht nur Knöpfe drückt, sondern Magie erschafft.
Wer könnte sich schon über wuchtige Bässe beschweren, die durch den Körper vibrieren? Gut, vielleicht sind die Tracks wirklich nichts für diejenigen, die lieber auf jeden Fall an ihrer Zuckerrüben-Latte nippen und über die neueste Kunstinstallation im veganen Café philosophieren. Aber für alle anderen ist "Mayday" ein Muss. Ridha packt ihm zuzuschreibende Rave-Dynamik in jeden Track, und es wird deutlich, dass sein talentierter Elektrokesselmeister-Verstand nicht einfach nur erwartet, dass man seine Musik hört – man lebt sie.
Auch die Textarbeit macht keinen Bogen um die Hauptthemen des Lebens: Individualität, Rebellion und Freiheit. Man spürt förmlich, wie Ridha aus den dunkelsten Ecken der modernen Musiklandschaft Licht in unsere Gemüter bringt. Es wird nicht einfach gemütlich in Schranken getanzt, wenn Boys Noize die Regler bedient. Vielmehr wird einem klar, dass man sich von der Masse abheben kann – und vielleicht sogar sollte!
An allen Ecken und Enden gibt es Reminiszenzen an frühere großartige elektronische Sounds, doch Boys Noize verleiht ihnen ein Update, das selbst den größten Nostalgikern das Herz höher schlagen lässt. Man könnte meinen, Liberals könnten ein wenig von der mutigen und unerschütterlichen Entschlossenheit lernen, die in diesen Tracks verkörpert ist. Anstatt alles und jedem gefallen zu wollen, zeigt "Mayday" klare Kante und zieht seine Linie – das nenne ich Rückgrat!
Der Einfluss von Genres wie Industrial, Hip-Hop und Acid ist nicht zu überhören. Tracks wie "Euphoria" versetzen uns in einen Herzschlagrausch, der seinesgleichen sucht. Vielleicht bleibt der eine oder andere Chill-Out-Track hier auf der Strecke, doch ehrlich gesagt ist das auch nicht der Sinn dieses Albums. Wer stehen bleibt, hat verloren – so könnte man wohl Ridhas Philosophie zu "Mayday" zusammenfassen.
Interessanterweise schafft es Ridha, ikonische Zutaten der 90er in die heutige Zeit zu tragen – der Beweis, dass Electronic nicht automatisch seelenlose Aneinanderreihung von Beats sein muss. "Starchild" und "Birthday" sind nur zwei der fein geschliffenen Juwelen, die zeigen, dass Boys Noize in der Lage ist, sowohl dynamische Soundexperimente zu kreieren als auch eingängige Melodien zu schreiben.
Am Ende bleibt festzuhalten, dass "Mayday" von Boys Noize nicht nur ein Album ist. Es ist eine energetische Ode an die elektronische Musik, die das, was man als wahre Kunst versteht, unmissverständlich zurückholt. Eine Hymne an die Freiheit des musikalischen Ausdrucks, die sich den Regeln widersetzt und genau deswegen so stark ist.
Begleitet von einer wilden Technik und einem feinen Gespür für Performance, zeigt Ridha hiermit, dass Berliner Elektro nicht aus der Mode kommen kann. Ein klares Signal an die Jugend und an alle, die bereit sind für etwas, das sich gegen den Strom bewegt.