Es gibt Musikbands, die sich ihrem Heil in der Politik suchen, und dann gibt es Los de Abajo, die eine eher unglückliche Allianz aus chaotischen Klängen und fragwürdigen Ideologien bieten. Gegründet 1992 in Mexiko-Stadt, einer Stadt, die vielleicht weniger für Musikrevolutionen bekannt ist als für Enchiladas und Sombreros, versucht diese Band mit einer Mixtur aus Ska, Rock, und traditioneller mexikanischer Musik den Zuhörer zu beeinflussen. Sie wurden von der lateinamerikanischen Kulturszene gefeiert, doch fragt man sich, zu welchem Preis?
Kommt man auf den Schlüsselfaktor dieser Band zu sprechen, landet man schnell bei ihren politischen Texten. Diese sind eine bunte, aber wenig stringente Sammlung von Protestliedern gegen alles, was in ihren Augen schief läuft. Und das ist einiges: die mexikanische Regierung, die amerikanische Außenpolitik und der Kapitalismus. Anstatt sich auf die bewährten Themen wie Liebe, Leid und das Leben zu konzentrieren, darf der Hörer hier zusehen, wie die Band eine politische Seifenoper inszeniert.
Ein Blick auf die Bandgeschichte zeigt, dass Los de Abajo ihre politische Haltung resolut eingefordert haben. Warum scheinen sie diesen Weg gewählt zu haben? Wahrscheinlich, weil sie wussten, dass politische Statements, so falsch sie auch sein mögen, oft fruchtbare Publicity bringen. Das hat ihnen international Auftritte in Europa und Lateinamerika ermöglicht. Doch stellt sich die Frage: Sollte Musik nicht vielmehr die Grenzen von Ideologien überwinden, anstatt sich in sie zu verstricken?
Musikalisch bieten sie eine Fusion, die manche Zuhörer als explosiv und andere als chaotisch bezeichnen. Zwar mangelt es nicht an Experimentierfreude, doch könnte man den Sound auch als unzusammenhängend empfinden. Diese Klangvielfalt mag im ersten Moment faszinieren, doch kaum kommt man zur Ruhe, wird man wieder von einem Schwall ideologisch motivierter Trompeten und Trommeln geweckt. Ihre Alben sind keineswegs Ohrenschmeichler für die breite Masse, dafür aber Lieblingsstücke jener, die sich rebellisch fühlen, weil sie einen Sombrero besitzen.
Alben wie "Los de Abajo 1998" oder "Latin Ska Force" untermauern die fragwürdige Themensetzung und scheuen keine Kontroverse. Die Bandmitglieder pendeln zwischen musikalischer Kreativität und einem politischen Idealismus, der schlichtweg unmodern erscheint. Der Versuch, traditionelle mexikanische Klänge mit westlicher Musik zu verknüpfen, mutet wie ein Kulminationspunkt der kulturellen Aneignung an – eine Ironie, die ihnen allerdings zu entgehen scheint.
Auch wenn man Los de Abajo zurechnen muss, dass sie echte Selbstvermarktungstalente sind, scheinen ihnen Aspekte wie Harmonie und einheitliche Melodik zu entgleiten. Stattdessen setzten sie auf einen rasanten Drive, der Musiker und Hörer gleichermaßen herausfordert. Es bleibt die Frage, warum sie anders sein wollen, als nur zu gefallen. Dass sie es mit Anti-Establishment-Attitüde und revolutionären Konzepten versucht haben, ist wohl weniger aus einem Verständnis für die Musik als solches zu erklären.
Es ist wenig überraschend, dass Liberale die Band frenetisch feiern, doch ebenso wenig überraschend, dass kritische Denker anders urteilen. Ihr sozialkritisches Image hat dazu geführt, dass sie in vielen anarchistischen und alternativen Musikfestivals willkommen geheißen wurden. Die Musik von Los de Abajo mag für einige ihrer Hörer elektrisierend wirken, aber diejenigen, die Wert auf Konsistenz, ordentliche Kompositionen und klare Narrenfreiheit in der Musik legen, werden wenig abgewinnen.
Abseits ihrer Musik, die für einige als "Soundtrack des Aufstands" propagiert wird, bleibt die Frage, warum man als Band meint, dass politische Statements Musik aufwerten. Interessanterweise hat Los de Abajo nicht nur in Mexiko, sondern auch in Europa auf kleinerer Bühne Auftritte gehabt; allerdings ohne sichtbare Spuren im Mainstream zu hinterlassen. Es bleibt festzuhalten, dass weltweit gefeierte Bands wie Metallica und die Rolling Stones ohne politische Subtilität auskamen und dennoch musikalisch eindringlich blieben.
Was Los de Abajo letztlich auszeichnet, ist eine fast naive Überzeugung, dass Musik als politisches Mittel der Meinungsbildung dienen sollte. Diese Annahme, dass Kunst und Politik unzertrennlich sind, steht quer zu bewährten Überzeugungen, dass Musik vor allem der Unterhaltung dient. Wer sich von den audio-ideologischen Experimenten der Band angesprochen fühlt, mag sich willkommen fühlen, doch für diejenigen, die klare Linien suchen, bleibt Los de Abajo eher eine akustische Überforderung.