Man könnte meinen, dass Filme mit Namen, die wie aus einem alten Western klingen, in einer fernen Vergangenheit entstanden sind. Doch Lóránd Fráter ist ein unermüdlicher Filmemacher, der seit Jahren die Leinwand unsicher macht und dabei keine Scheu hat, auf die politischen Zehen der linken Elite zu treten. In den späten 1990er Jahren begann er, die ungarische Filmszene zu revolutionieren, indem er sich weigerte, dem vorherrschenden liberalen Trend zu folgen. Stattdessen setzte er auf starke konservative Werte, die sich klar in seinen Werken widerspiegeln.
In einer Zeit, in der viele Filmschaffende versuchen, den Mainstream-Geschmack zu treffen, hebt sich Fráter ab, indem er Filme produziert, die nicht nur unterhalten, sondern auch herausfordern. Dabei behandelt er Themen, die andere als ‚gefährlich‘ oder ‚veraltet‘ abtun würden. Hier beginnt das Kopfzerbrechen für jene, die gerne in ihren ideologischen Komfortzonen bleiben und ihre Weltanschauung niemals hinterfragen wollen.
Verortet in Budapest, das oft als intellektuell und künstlerisch progressiv gilt, ist Fráter der Inbegriff eines Nonkonformisten. Während die meisten seiner Kollegen sich dem „sicheren“ und „bewährten“ Narrativ des ungarischen und europäischen Kinos verschreiben, bleibt Fráter standhaft bei seinen Überzeugungen. Die liberalen Filmschaffenden wissen oft nicht, ob sie ihn ignorieren oder bewundern sollen, denn die Reaktionen auf seine Werke sind alles andere als lauwarm.
Warum ist Lóránd Fráter so kontrovers? Zum einen sind es die Themen seiner Filme: Patriotismus, Familie, Tradition und nationale Identität. Unpopulär in einem von Multikulturalismus und grenzenloser Vielfalt geprägten Europa, wagt Fráter es, Filme zu kreieren, die diese Werte nicht nur ansprechen, sondern zelebrieren. In einer seiner bekanntesten Produktionen – die man als eine Ode an die althergebrachten Werte Europas betrachten kann – verleiht er der Frage eine Plattform: „Was bedeutet es, Ungar zu sein?“ Solche Fragen wurmen zwangsläufig jene, für die Nationalstolz gleichbedeutend mit Nationalchauvinismus ist.
Fráter verzichtet auf die Zuckerglasur modernistischer Plattitüden und trifft dabei einen Nerv. Seine Filme sind ein Weckruf für all jene, die den Mut haben, die Augen zu öffnen und sich einer Perspektive abzuwenden, bei der die Stadtleuchten in Plastik eingewickelt strahlen sollen. Fráter argumentiert, dass das Kino die Verantwortung habe, klassische europäische Werte zu bewahren und dabei gleichzeitig neue, ebenso konservative Narrative zu erforschen.
Seine Kritiker mögen sagen, dass seine Filme voller Pathos und propagandistischem Eifer sind. Sie mögen ihm unterstellen, nur eine veraltete Version von Europa und Ungarn fördern zu wollen. Doch genau das macht seine Arbeit so wertvoll in einer Landschaft, die zunehmend ihre kulturellen Wurzeln zugunsten eines unaufhaltsamen globalistischen Trends aufzugeben scheint. Fráter hält den Spiegel vor die Gesellschaft, und was sie sieht, gefällt nicht jedem.
Stilistisch ist Fráter ein Virtuose, der sich mühelos zwischen verschiedenen Genres bewegt, stets darauf bedacht, die Geschichte in einem authentischen und doch fesselnden Licht zu erzählen. Er versteht es, die Vergangenheit und Gegenwart zu verweben, und kreiert dabei eine kinomatographische Sprache, die sowohl provoziert als auch inspiriert.
Lóránd Fráter zeigt, dass das Kino nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Reflexion dienen kann. Indem er das Publikum dazu drängt, sich ihren eigenen – bisweilen unpopulären – Überzeugungen zu stellen, fordert er eine Generation heraus, die ihr Werteverständnis verloren zu haben scheint. Seine Filme gesalzen mit einer Prise unerschütterlichem Konservatismus sind ein Arsenal gegen den Einheitsbrei, den der kulturelle Mainstream gerne serviert.
Fráter ist ein Prophet in der Wüste der Anschauungen, die versuchen, ideologische Reinheit über alles zu stellen. Er bietet der Jugend und den künstlerisch Interessierten ein alternatives Mittel, um die ungarische Identität neu zu definieren – ein Schritt, der auch andernorts auf der Welt nötig wäre. In einer Ära, in der Begriffe wie ‚Heimatliebe‘ in den Schatten gesteckt werden, bringt der hungarische Filmemacher Licht ins Dunkel.
Lóránd Fráter ist mehr als nur ein Filmemacher. Er ist ein kultureller Schrittmacher, der die Geister scheidet. Werbung für klassische Werte in einem modernen Gewand – das ist der kreative und mutige Ansatz, den er verfolgt. Und während die Kritiker und vermeintlichen Sittenwächter seine Werke argwöhnisch beäugen, erkennt doch jeder, der gewillt ist, ihn seine Vision ungestört realisieren zu lassen, die Schönheit und die Bedeutung seines Schaffens.