Warum Lolly (Lied) Dich Mehr Beschäftigt, Als Du Glaubst!

Warum Lolly (Lied) Dich Mehr Beschäftigt, Als Du Glaubst!

'Lolly' von Maejor Ali ist mehr als nur ein weiterer Popsong, er fungiert als Spiegel der Gesellschaft und erregt durch seine textliche Provokation die Gemüter auf der ganzen Welt.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Künstler, die textlich abgründig auf die Pauke hauen, gibt es einige. Doch wenn es um den Song 'Lolly' von Maejor Ali geht, heben wir unseren Lolly zum Sprung in die kontemporäre Musiklandschaft. Veröffentlicht im Jahr 2013 beflügelte dieser Titel nicht nur die Charts, sondern auch die Geister der Zuhörer, ganz gleich ob im urbanen Detroit, in den angesagten Clubs von Los Angeles oder anderswo auf der Welt. Mit Mitstreitern wie Justin Bieber und Juicy J, ist 'Lolly' ein Paradebeispiel dafür, wie Popmusik die Konturen der Gesellschaft ummalen kann.

Lolly wie ein Lolli – charms, die durchzuckern! Sein eingängiger Beat krallt sich in die Gehörgänge und vermittelt, vor allem konservativen Hörern, die ein wenig Kalkül und Hinterfragen in Musik wertschätzen, dass hier mehr als nur Oberflächlichkeit zum Klingen kommt. Maejor Ali vermischt frech provokante Lyrics mit einer Musikrichtung, die die geneigte Hörerschaft entzweit – für die einen als hip verpönt, für die anderen als Entspannungsbeschallung des modernen Urban und Hip-Hop-Pop-Eisens. Zeichen unserer Zeit und für einige vielleicht ein weiterer Grund zur Weltuntergangsstimmung.

Was sorgt nur für das magnetische Aufsehen um 'Lolly'? Ein weiterer Text voller Anspielungen, mag sich der brave Bürger fragen. Doch dem Vernehmen nach verbindet der Song jugendliche Unbekümmertheit mit einem technoiden Pop-Arrangement, welches nicht nur den Oberflächlichen das Tanzen lehrt, sondern auch zu tiefgründigen Zweifeln an der modernen Spaßgesellschaft anregt. Ist es nicht so, dass hier ein Spiegel vorgehalten wird, der zeigt, wie unsere westliche Kultur sich gelegentlich im Glanz des wenig Anspruchsvollen sonnt und dies en gros fast als neue Lebensfreude erklärt?

Lolly könnte als Aufforderung gesehen werden, das süße Leben etwas zu reflektieren. Was für eine Metapher für jene, die sich über Social Media erregen – ausgerechnet das selbsternannte Hofnarrentum unserer verlinkten Welt. Es ist fast zu betonen, dass Maejor Ali und seine Kollegen durch den eingängigen, verführerischen Rhythmus das Beste aus beiden Welten vereinen: die unmittelbare Freude des einfach gestrickten Seins und den zweifelnden Kopfzerbrecher für's Kämmerlein. In einem Zeitalter, in dem alles mit politischen Untertönen diskutiert wird, ist 'Lolly' vielleicht ein musikalisches Mahnmal für ein bisschen mehr gelebten Spaß ohne schlechtes Gewissen.

Mit einer Betrachtung tieferer Ebenen bliebe die Frage, warum Popkultur wiederholt in ihre übertrieben scheinenden Bildwelten der Selbstdarstellung verfällt. Inmitten der Medienauftritte, inklusive derer, die Pop-Ikonen als würdevollen Zeitgeist sabbeln, wie befremdlich verklemmt die Reaktionen auf explosive Popkultur tatsächlich sind, wenn sie das eigene Weltbild infrage stellt. Und was dazu den Nabel unserer Vorstellungskraft und Sehnsucht tangiert. Schließlich ist diese Fähigkeit, Kopf einzuschalten, dann auch eine rhetorische Figur wider die Schlichtheit und den en masse Gefallsamkeit widerstandslos hingenommener Kultur.

Aber, man könnte sich auch fragen, ob nicht 'Lolly' ein Sinnbild konservativer Selbstironie darstellt, denn schließlich agieren Maejor Ali und Konsorten nicht als abgehobene Musiker, sondern als Kreative der High-Life, denen bewusst ist, wie die Geschicke der Gesellschaft sich auch auf schwärmerische Klänge ändern können. Was für den einen lautes Tralala ist, weckt den anderen aus einem kulturellen Dornröschenschlaf. Für jemanden, der rechtes Denken wirklich schätzt, gilt hier: loslassen, weil einfach erklärt nichts ist. Ein Diskurs für den Stammtisch – ob ein Maejor Ali am Ende ein besserer Wollknäuel versus Schrebergarten herausgeleuchtet hat?

'Aber, was ist denn bloß los', fragt sich der Liberalist mit einem Stirnrunzeln, während er die vernehmbar pulsierenden Beats auseinanderklabüstert. 'Lolly' könnte eine Herausforderung darstellen, eine ironische Reminiszenz an die Ausgelassenheit ohne die sonst isch immer wieder kehrenden Beschwörungen sozialer Übertünchung. Die Leistungsträger der Popmusik schaffen mit wenigen hämmerischen Takten ein Potpourri des modernen Savoir-Vivre, ohne sich die Mühe detailreicher Gesellschaftsarien zu machen - lasst den Kopf im Wolkenpuff.

Der popkulturelle Konstruktivismus, den 'Lolly' offeriert, beweist: Der Universalismus modern-musikalischer Ausdrucksgebärden bleibt fernab des liberalen Taktzes, der die Welt in Grautönen verwaltungsbürokratischer Regelungen halten möchte. Eine Schallplatte – gibt’s ja kaum noch – wäre für diese Art Klang vielleicht nicht Bestandteil des unbeschwerten Musizierens, sprach die Erniedrigung gleich einer resoluten Aufforderung. Damit haben wir eine wesentliche Brücke zwischen Unterhaltung und kritischer Betrachtung gewagt – kein Lolly ohne Farbe, so der hoffentlich gewitzte Abschlussgedanke zur verhassten Einordnung eines bewegten Stücks.