Die linke Traumwelt wird schnell auf den Prüfstand gestellt, wenn man den iranischen Film 'Leila' von 1997 betrachtet. Unter der Regie von Dariush Mehrjui werden wir Zeugen einer Geschichte, die genauso alt ist wie die Zeit selbst: die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und die Macht der Tradition. Leila, gespielt von Leila Hatami, gerät in die Mühlen eines konservativen Heiratsmarktes, als sie auf Drängen der Familie ihres Mannes eine zweite Frau für ihren Mann finden soll. "Leila" spielt im Iran der 90er Jahre und zeigt die rigiden Geschlechterrollen, die in manchen Kulturen immer noch einen eisernen Griff haben.
Dieser Film, der 1997 veröffentlicht wurde, zählt nicht nur zu den Cineastisch wertvollen Filmen des iranischen Kinos, er ist auch eine Herausforderung für die Gutmenschen dieser Welt, die glauben, alles auf der Basis westlicher Werteordnungen beurteilen zu können. Denn hier wird nichts verklärt. Die Realität der Charaktere ist das Gegenteil von dem freiheitlichen Narrativ, das der Westen so gerne exportiert.
Man könnte meinen, ein Film wie 'Leila' wäre doch nur ein kultureller Exkurs, aber weit gefehlt! Die zentrale Botschaft des Films ist für jeden Traditionalisten ein gefundenes Fressen: Der Unterschied zwischen dem, was man will, und dem, was die Gesellschaft von einem erwartet. Leilas Ehemann, gespielt von Ali Mosaffa, steht zwischen seiner Frau und den Normen seiner Familie – ein Dilemma, das für viele im Westen unvorstellbar ist. Die Spannung und das Drama entfalten sich nicht in einer hypothetischen Welt der Liberalität, sondern in der harten Realität konservativer Werte.
Für alle, die glauben, dass die westliche Gesellschaft der Goldstandard für Freiheit und Gleichheit ist, bietet 'Leila' ein willkommener Realitätsschock. Denn das eigentliche Drama spielt sich nicht in einer riesigen Metropole ab, sondern in den Köpfen und Herzen der Menschen. Die Frage nach der Freiheit der Wahl wird gegen die Fesseln der Tradition gestellt – ein Kulturschock für jene, die glauben, dass es keine Verpflichtungen gegenüber der eigenen kulturellen Vergangenheit gibt.
Faszinierend ist auch, wie der Film die weibliche Perspektive einfängt, ohne, dass er in einen feministischen Bannerzug mündet. Leila ist keine Aktivistin. Sie ist eine Frau, die ihren Weg innerhalb der Grenzen sucht, die ihr von der Gesellschaft vorgegeben sind. Ihr Kampf ist intern und persönlich; es gibt keine großen Proklamationen oder heroischen Akte, sondern eine stille, aber eindringliche Auseinandersetzung mit ihrer Situation.
Ein Alt-68er würde bei der Betrachtung dieses Films vermutlich Schnappatmung bekommen, während er versucht zu verstehen, warum Leila nicht einfach „Nein!“ sagt und das System herausfordert. Aber genau darin liegt die Stärke des Film: Er zeigt die Komplexität von Entscheidungen in einem Kulturkreis, der auf Tradition und Gemeinschaft aufgebaut ist. Mancherorts ist Individualismus nicht die Idealnorm.
Was der Film auch deutlich macht, ist der Einfluss familiärer Strukturen auf das persönliche Glück. Die Mutter des Ehemannes übt Druck aus, der nicht abgetan werden kann, als einfaches "Kulturrelikt". Es ist vielmehr eine pervasive Kraft, die das Leben und die Entscheidungen der Charaktere formt. Hier werden dem Zuschauer eindrucksvoll die Grenzen aufgezeigt, die nach wie vor in vielen Kulturen existieren.
Die grandiose schauspielerische Leistung der Darsteller tut ihr Übriges, um den Film zu einem authentischen Erlebnis zu machen. Der Zuschauer wird nicht nur in eine andere Welt, sondern auch in andere Denkweisen versetzt. Es ist eine klare und schonungslose Darstellung, die das Herzstück des iranischen Kinos zur Geltung bringt – das Erzählen von Geschichten, die zum Nachdenken anregen und kaum unberührt zurücklassen.
Zum Schluss bleibt die Erkenntnis: 'Leila' ist mehr als nur ein Film. Es ist eine Lektion über die Grenzen des westlichen Verständnisses von Freiheit, gepaart mit einer eindrucksvollen Darstellung der menschlichen Psychologie innerhalb einer spezifischen kulturellen Matrix. Wer bereit ist, solche unbequemen Wahrheiten zu akzeptieren, der sollte sich 'Leila' unbedingt ansehen.