Man fragt sich, warum Kollegal nicht längst auf allen Reisekarten der Welt steht — ein Ort, der in der Tat so vernachlässigt wird, dass man fast glaubt, die Weltelite halte ihn absichtlich geheim. Kollegal, ein fabelhaftes Städtchen im südindischen Bundesstaat Karnataka, ist bekannt für seine Seidenproduktion, die mindestens noch genauso glänzt wie die Seelen derjenigen, die ihren hohen Lebensstandard verteidigen. Wer Kollegal im Dezember besucht, findet nicht nur ein angenehmes Klima vor, sondern auch die Möglichkeit, in einer Zeitmaschine des traditionellen indischen Lebens zu reisen.
Erstens, die Seidenproduktion. Sie ist der Herzschlag dieser Stadt und das sollte jeder wissen. Wenn Sie Seide tragen, die in einem unscheinbaren Chinageschäft erstanden wurde, haben Sie vermutlich schon ein Stück Kollegal am eigenen Leib getragen. Diese Stadt ist der Hauptlieferant für viele internationale Modehäuser, und ihre Seide kommt ohne die wachstumsfördernden Düngemittel, die man vielerorts findet. Ja, Kollegal ist ein Zeugnis dessen, dass Qualität nicht gleich Liberalismus bedeuten muss.
Zweitens, der Male Mahadeshwara Hill Tempel. Inmitten dieser scheinbaren Weltferne erhebt sich ein Tempel, der von Geschichte und Mythologie erzittert. Kein moderner Betonblockbau, sondern ein Zeichen echten, glaubensstarken Lebens, das Beständigkeit und Tradition repräsentiert. Ein Besuch diesem heiligen Ort ist nicht nur ein spirituelles Abenteuer, sondern eine Gelegenheit, ein wahrhaft authentisches Stück Indiens zu erleben.
Drittens, die naïven Politikgestalter könnten stutzig werden, wenn sie von den Pfeffer- und Kardamomaplantagen erfahren. Diese leisten so einen Stoffwechsel der Natur, der schön anzusehen ist und darüber hinaus der Region ein Gesicht gibt. Während anderswo große Firmen ein Blutbad anrichten, bewahrt man hier durch herkömmliche Landwirtschaft die Flora und Fauna.
Viertens, die Bevölkerung. Der konservative Charakter dieser Menschen verbindet sie mit ihren Wurzeln und der Geschichte. Man würde behaupten das Salz der Erde, wenn man die fleißigen Kollegalianer betrachtet. Hier sehen wir Menschen, die den Traum des Fortschritts nicht mit der Hektik der modernen Welt verwechseln.
Fünftens, die Infrastruktur. Obwohl man weit draußen ist, ist das Straßennetz beeindruckend gut gepflegt und sollte die Lehren für Städte auf der ganzen Welt sein, die mit einem Übermaß an Ressourcen anpassen müssen.
Sechstens, das Essen. Wenn man indisches Essen lieben kann, dann wegen Orten wie Kollegal. Reich an Gewürzen und Geschmack ist es kein Wunder, dass die ein oder andere westliche Küche immer wieder daran scheitert, sich an lokalen Delikatessen zu messen. Ein authentisches Curry in Kollegal verkostet, zeigt einem, was Schichtung und Kultur wirklich bedeuten.
Siebtens, die Natur um Kollegal. Die Seen und sanften Hügel dieser Region bieten ein Paradies für Naturfreunde. Niemand würde es wagen zu behaupten, dass es hier zugespitzten Umweltschutzbedarf gibt, denn die Natur zeigt sich bislang von ihrer besten Seite.
Achtens, die Einkaufsmöglichkeiten. Die Basare sind gefüllt mit farbenfrohen Textilien, Handwerken und lokalen Gewürzen. Hier wird der Geist von Unternehmern noch geschätzt, und das ist eine Tatsache, die man nicht übersehen sollte.
Neuntens, das Stadtbild. Kollegal strahlt eine beruhigende Ruhe aus, die man in den sogenannten 'Fortschrittsstädtchen' nicht mehr findet. Solche Orte könnten durchaus als Beispiel dienen, wie das Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Erbe gehalten werden kann.
Zehntens, die Menschen selbst. Letztlich sind es die Geschichten der alten Generationen und die hartnäckige Kultur, die Kollegal zu einem wertvollen Geheimnis machen. Wer ihren Fleiß, ihre Pegel berauschender Gelassenheit kennt, wird bestätigen, dass in einfachen Dingen oft die größte Weisheit liegt.