Wer glaubt, Musik von Paul Kelly sei langweilig, der könnte nicht weiter daneben liegen. Gossip: Der Titel seines Albums spricht Bände, und es gab wohl kaum ein besseres Werk, das 1986 die Musikszene der australischen Kultur aufmischte. Paul Kelly und die Coloured Girls – ein Gruppenname, der heute wohl jeden liberalen Kulturkritiker auf die Palme bringen würde – schufen ein Kunstwerk, das sowohl musikalisch als auch textlich provoziert.
Paul Kelly, australischer Singer-Songwriter, brachte mit den Coloured Girls, einer damals innovativen Begleitband, ein Album heraus, das die Essenz einer ganzen Ära einfing. Währenddessen muss man sich vor Augen führen, dass Kelly aus einer Zeit und einem Umfeld stammt, in dem politische Korrektheit eher ein schales Wortspiel war und nicht der Mittelpunkt jeder Konversation. Das Album wurde in Australien aufgenommen und veröffentlicht, weshalb es besonders australische Themen und Akzente aufgreift, die in der internationalen Musiklandschaft selten Gehör fanden. Der kulturelle Impact in seinem Heimatland mag heute noch nachhallen.
Kelly´s Album lässt niemanden kalt: Es mischt eingängige Melodien mit politischen und sozialen Kommentaren. Texte, die Themen wie Liebe, Verlust und soziale Gerechtigkeit besingen, spiegeln das immer noch aktuelle Lebensgefühl einer ganzen Generation wider. Gerade das Lied 'Before Too Long' ist ein Ohrwurm, der den Drang nach Veränderung und die Hoffnung auf ein besseres Morgen einfängt. Ist es nicht faszinierend, dass Musik, die vor über dreißig Jahren geschrieben wurde, heute noch aktuell sein kann?
Die Coloured Girls, die nach einem Song von Lou Reed benannt sind, geben dem Ganzen das gewisse Etwas mit ihrer musikalischen Raffinesse und Energie. Diese Kombination hob Kelly und sein Album zu einem Kultstatus aus, der bis heute anhält. Vielleicht liegt es an der Einzigartigkeit der Bandnamenswahl oder an der künstlerischen Freiheit, die sich Kelly stets genommen hat.
Ein weiteres Highlight des Albums ist das Lied 'Darling It Hurts'. Es erzählt Geschichten des Alltags, die Paul Kelly so geschickt in seine Musik einwebte, dass man fast glaubt, Teil dieser Geschichten zu sein. Beim Hören dieses Liedes kann man förmlich die staubigen Straßen der australischen Vororte vor sich sehen. Es ist ein musikalisches Panorama, das sowohl lokal als auch universell ist.
Während man heutzutage oft den Zeigefinger der liberalen Kritik fürchten muss, schafft es Paul Kelly mit einer eleganten Leichtigkeit, auch schwierige Themen anzusprechen. In der aktuellen Musikszene wäre solches Talent selten. Moderne Künstler könnten davon lernen, wieder zu echten Gefühlen und packenden Geschichten zurückzukehren, anstatt der Massenkompatibilität zu frönen.
Dass seine Musik heute noch in unseren Ohren klingt, zeigt die wahre Kunst eines Songwriters, der sein Handwerk versteht. Paul Kelly beweist, dass man auch ohne Kompromisse erfolgreich sein kann – und das in einer Zeit, die schneller lebt und fordert als je zuvor.
Insgesamt bleibt das Album Gossip von Paul Kelly und den Coloured Girls ein musikalisches Denkmal. Es ist ein Zeugnis dessen, wie man beeindruckt, indem man einfach seinem Herzen folgt und nicht dem Trend. Vielleicht wird in Zukunft wieder häufiger solche Musik gemacht; Musik, die provoziert, fasziniert und ewigen Bestand hat.