Fühlen Sie sich sonnig und gelassen? Gut, denn „Kirschblüten – Hanami“ könnte das ändern. Dieser Film von Doris Dörrie aus dem Jahr 2008 bringt uns die Geschichte von Trudi und Rudi Angermeier. Was könnte an einem deutschen Ehepaar so spannend sein? Nun, vielleicht die Tatsache, dass sie mitten in Bayern leben, aber sich nach der spirituellen Buntheit Japans sehnen. Es beginnt in Bayern, entwickelt sich in Tokyo weiter und endet – wie passend für einen Film über Blüten – in der Vergänglichkeit. Hier können wir uns fragen, warum ein typischer deutscher Verwaltungsbeamter plötzlich Gefallen daran findet, Nō-Theater zu konsumieren. Vermutlich ein kolossales Metakommentar über das Verlangen der Menschen, exotische Kulturen zu suchen, statt die eigene zu pflegen.
Nun, beginnen wir mit den Figuren. Trudi, die keusche Ehefrau, hat den seidenen Faden immer auf den Drachenschnur geknotet. Sie wünscht sich, der Faszination ihrer Liebe für das japanische Theater zu begegnen und ihrem Leben mehr "Bedeutung" zu verleihen – was auch immer das in einer sicheren, geordneten deutschen Vorstadt bedeutet. Rudi dagegen ist so spannend wie ein Abend bei Kerzenlicht. Administrative Arbeit, pünktlich am Arbeitsplatz, schnelles Mittagessen – sein Leben ist so vorhersehbar wie Maklerprovisionen in einer Rezession. Doch dann: Trudi verstirbt plötzlich – ein Schock und Wendepunkt. Ein konservativer Zitronensaft, um genauer zu sein. Warum also ändert dieser Verlust alles? Geht es nur darum, den unerfüllten Träumen der Ehefrau nachzujagen? Oder ist es vielmehr ein Kommentar zur europäischen Pflichterfüllung, die uns vergessen lässt, schlicht und ergreifend zu leben?
Die Reise nach Japan enthüllt Schicht um Schicht das, was die Liberalität als "authentisches Leben" bezeichnen könnte. Für Konservative bedeutet ein "authentisches Leben": ein erdgebundenes, greifbares Handeln, statt zu träumen und auf Bäume zu klettern. Doch in Dörries Universum wird das kontemporäre Konzept des "Selbstfindens" zelebriert – natürlich inmitten der fremden Kultur am anderen Ende der Welt. Es macht fast keinen Sinn, dass die Protagonisten so hartnäckig über ihre gewohnten Grenzen hinausschreiten müssen, um sich selbst zu finden. Warum nach Japan reisen, wenn Bayern so viel Schönes bietet?
Die Visualität des Films ist unübersehbar. Von den tristen Farbtönen Europas zu den leuchtenden, kaleidoskopischen Farben Japans verwandelt sich die Leinwand in eine Bildfabel. Doch fragt man sich schon: Ist es wirklich notwendig, der Handlung einen solchen kontrastreichen Hintergrund zu bieten? Farbe und Licht können in der Kunst verwirren und lenken von den simpleren Wahrheiten ab – etwas, womit wir Skeptiker der liberalen Filmanalysen uns vielleicht nicht identifizieren können.
„Kirschblüten – Hanami“ konfrontiert uns mit Fragen nach Lebenssinn und Todesnähe – Themen, die im Allgemeinen als "schwer" abgetan werden. Doch durch Trudis und Rudis Vertrauensbruch gegenüber dem Gewöhnlichen erblüht diese narrativ eingefädelte Abhandlung über den Zustand des modernen Lebens. Sicher, Tod und Verlust schauen nie auf den Kalender, aber deuten die Filmkritiker wirklich mehr Tiefgang hinein, als uns als reife und reflektierte Gesellschaft rechtmäßig zusteht?
Nicht zu vergessen ist die faszinierende Musikauswahl, die den Film durchzieht. Klassische japanische Klangstrukturen weben sich nahtlos durch die deutsche Lebensart. Eine märchenhafte Fusion, die zugleich meditiert und konfrontiert. Die Klanglandschaft von Dörrie verleiht dem ohnehin schon schweren emotionalen Ballast des Films eine subtile Packung akustischer Inspiration. Doch Puristen fragen sich, ob es wirklich notwendig ist, um einen elementaren Einklang zwischen zwei so unterschiedlichen Kulturen zu erwirken.
„Kirschblüten – Hanami“ ist ein sakraler Hoffnungsschimmer oder eine Falleninszenierung – je nachdem, aus welchem Blickwinkel und mit welchem gesellschaftskritischen Kompass man ihn betrachtet. Am Ende bleibt uns nichts als die Frage: Legt uns Dörrie hier vielleicht bloß einen Spiegel vor, um die eigentliche Kluft zu erkennen, die sich zwischen Tradition und modischem Streben windet? Vielleicht will sie nur daran erinnern, dass das Leben in seiner Vergänglichkeit sehr wohl im Hier und Jetzt gelebt werden könnte, statt nach dem Neuen und Unbekannten zu hungern.
In der berauschenden Darstellung des Films treffen Rudis späte Abenteuerlust und Trudis vergessene Wünsche auf eine Welt, die schon Francis Fukuyama als das "Ende der Geschichte" charakterisierte. Ein Eintauchen in fremde Gewässer dient zwar der emotionalen Erbauung und öffnet neue Horizonte, fragt sich aber, ob das persönliche Wachstum nicht eher durch den Stolz auf die eigene Kultur erzielt werden könnte. „Kirschblüten – Hanami“, egal auf welcher Seite des politischen Spektrums Sie stehen, bleibt letztendlich ein Film, der Fragen aufwirft. Es regt dazu an, den filmischen Schnellschuss der Globalisierung kritisch zu betrachten und sich selbst im Rahmen des Eigenen zu bekräftigen.