Kims Video und Musik: Der kultige Laden, der mehr als nur Medien verlieh

Kims Video und Musik: Der kultige Laden, der mehr als nur Medien verlieh

Kims Video und Musik war mehr als ein Laden in Manhattan, es war ein kulturelles Zentrum für Filmliebhaber.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Kims Video und Musik war mehr als nur ein Laden, es war eine Institution – eine kulturelle Schatztruhe gefüllt mit allerlei Raritäten, die man woanders wohl kaum finden konnte. Gegründet von dem aus Südkorea stammenden Kinoliebhaber Yongman Kim, eröffnete das bemerkenswerte Verleihgeschäft Mitte der 1980er-Jahre in Manhattan. Der Laden war insbesondere ein beliebter Treffpunkt für Filmliebhaber, Künstler und Kulturschaffende auf der Suche nach seltenen und internationalen Filmen.

Durch die wachsende Dominanz der digitalen Medien sieht es aus, als wäre alles, was wir brauchen, mit einem Klick verfügbar. Doch Kims Video und Musik demonstrierte, dass dieser direkte Zugang oft etwas Essenzielles übersieht: die physische Entdeckung von versteckten Schätzen. Man spürte einen gewissen Reiz, durch echte Regale zu schlendern, gefüllt mit Videobändern und DVDs, die Geschichten erzählten, die irgendwie vergessen worden waren.

Wenn wir über Kims sprechen, sprechen wir nicht nur über ein Geschäft, sondern über eine kulturelle Bewegung, die besonders in New Yorks East Village eine repräsentative Rolle spielte. Hier fanden sich oftmals Menschen zusammen, die an Kims unverwechselbaren großen roten Schriftzug vorbeigingen, um neue Filme zu entdecken, die ihre Sichtweise erweiterten oder ihre künstlerische Ader ansprachen. Dies geschah zu einer Zeit, in der die Liberalität - in der Kunst wie auch politisch - noch nicht solch übertriebene Ausmaße angenommen hatte, wie es heute oft der Fall ist.

Warum war Kims so besonders? Weil der Laden jedwede Barriere zwischen gewöhnlicher Unterhaltung und anspruchsvoller Kunst überwand. Es machte eben den kleinen, aber erheblichen Unterschied, dass man dort in einem Film von Fellini genauso viel Genuss fand, wie in einer unentdeckten Perle von einem No-Name-Regisseur. Diese Vielfalt und Zugänglichkeit fehlen in unserer heutigen kulturellen Landschaft, wo Algorithmen vorprogrammieren, was wir konsumieren sollen.

Schauen wir darauf zurück, so ist die Geschichte von Kims Video und Musik auch eine Erinnerung daran, dass physische Medien tatsächlich etwas Wertvolles darstellten. Ein VHS-Band oder eine DVD hatten eine physische Präsenz in unserem Leben, die ein steriler Cloud-Speicher nie bieten kann. Kims war keine bloße Retourkutsche zur Hipster-Ironie, sondern tatsächlich ein realer Ort des Zusammenkommens, dessen Zerfall ein kleines Symbol für den Verlust der handfesten Kultur ist.

Kims war nicht nur Archiv, sondern Leihstelle und Treffpunkt. Die inspirierenden Gespräche und Debatten zwischen den Regalen von Kims könnten heute als hochgradig subversiv gelten, da sie nicht den Standards der zunehmenden Einheitsmeinungen folgten. Man muss sich buchstäblich vorstellen, wie ehemalige Filmschaffende stundenlang über die Bedeutung eines wenig beachteten Films diskutieren könnten, ohne dabei in einen Shitstorm zu geraten.

Leider kam das unausweichliche Aus für Kims Video und Musik im Jahr 2009. Die Sammlung von über 55.000 Titeln wanderte nach Salemi, Sizilien, dank einer Initiative, die darauf abzielte, das einzigartige Film-Archiv öffentlich zugänglich zu machen. In der Euphorie eines vermeintlichen technoid-besseren Lebensstils übersieht man leicht, dass solche Orte eine wichtige kulturelle Rolle spielten und spielen könnten.

Ein nostalgischer Gedanke an die 'guten alten Zeiten'? Vielleicht. Aber manchmal liegt die Wahrheit in einer anderen, weniger anerkannten Feststellung, dass nicht jeder Quantensprung der Technologie zwingend ein qualitativ-forwartsgerichteter ist. Der Verlust solcher Institutionen steht sinnbildlich für das Verschwinden einer gewissen kulturellen Neugierde und Unabhängigkeit.

Ein Problem, das sich durch den Statusverlust von Kims manifestiert, ist die Art und Weise, wie egalitaristische Technikaufblähung echten Geschmack eliminieren kann. Die spürbaren Einflüsse von Konsumgewohnheiten wurden auf einmal alle mathematisch-mechanisch sterilisiert. Die entstehende Standardisierung verhindert das Aufkommen von kulturellen Hubspots wie Kims und lässt die Unabhängigkeit im kulturellen Konsum zunehmend verschwinden.

Am Ende ist die Geschichte von Kims ein Mahnmal für den Verlust der kulturellen Freiheit durch die zwingend-digitale Konsumlandschaft. Ein faszinierender nostalgischer Rückblick, der zeigt, dass manches am Alten eben doch eine Vergangenheit hatte, die einem Zukunft versprach. Verbesserungen sollten Innovationen fördern, nicht Freiheiten einschränken. Doch dieser Laden, gefüllt mit fabelhaften filmspezifischen Erlebnissen, spricht zu jenen unter uns, die die Freiheit schätzen, das Spektrum kultureller Erfahrung selbst zu wählen, abseits von aufgezwungenem Digitalismus, der Kreativität einengt und den Kulturgeist in ein striktes Korsett schnürt.