Karneval in Bern: Eine konservative Betrachtung eines bunten Chaos

Karneval in Bern: Eine konservative Betrachtung eines bunten Chaos

Karneval in Bern steht für buntes Chaos, doch entgegen der allgemeinen Feierlaune provoziert dieser kulturelle Ausnahmezustand auch kritische Gedanken über seine Auswirkungen auf Werte und Ordnung.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Kaum jemand würde den Karneval als Metapher für Ordnung und Disziplin nehmen, außer vielleicht einem liberalen Freigeist, der das Chaos preist. Der Karneval in Bern, eine farbenfrohe und laute Feierlichkeit, erfreut sich jeden Februar großer Beliebtheit, und das ist auch kein Wunder. Es handelt sich um ein Spektakel, das Menschen aus der ganzen Schweiz und darüber hinaus zusammenbringt, um gemeinsam Verkleidungen zur Schau zu stellen, laute Musik zu hören und das eine oder andere Glas Bier zu kippen. Doch hinter all diesem Spaß stellt sich die Frage: Was für ein Gesellschaftsbild wird hier eigentlich gefördert?

Beginnen wir mit den Wurzeln des Karnevals: Eine uralte Tradition, die angeblich sogar heidnischen Ursprungs sein könnte. Natürlich wurde der Karneval im Laufe der Zeit von der Kirche adaptiert, aber wieso eine so fragwürdige Geschichte als Vorwand für kollektive Ausgelassenheit und zügelloses Verhalten herhalten muss, erfüllt viele, die an traditionellen Werten festhalten, mit einem bitteren Nachgeschmack.

Der Karneval in Bern findet jedes Jahr statt und begeistert Tausende Menschen. Das Straßenfest selbst beginnt often in der Altstadt, einem historischen und doch so oft missverstandenen Ort, der für ein Spektakel dieser Art einiges herhalten muss. Ganze Straßenzüge sind gesperrt, die Innenräume von Gebäuden öffnen sich, und überall hört man die Rufe von Verkäufern und Besuchern gleichermaßen. Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit, die lokale Wirtschaft zu beflügeln, könnte man meinen.

Doch was ist mit dem karnevalistischen Treiben selbst? Viel Verkleidung, wenig Tiefe - das ist der Konsens. Während es sicherlich für einige unterhaltsam ist, sich eine affenkostümierte Karnevalsprinzessin anzusehen, bleibt die Frage: Ist das die kulturelle Raffinesse, für die die Schweiz steht? Oder haben wir es hier mit einer Zurschaustellung von Oberflächlichkeit zu tun, welche die ernsthaften kulturellen Errungenschaften im Land in den Schatten stellt?

Ein weiteres Thema, das kritische Stimmen immer wieder anprangern, ist das Verhalten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Während in vielen Orten in der Schweiz Disziplin und Anständigkeit hochgehalten werden, lässt der Karneval all das im Februar verschwinden. In Bern ist es nicht unüblich, dass auch Erwachsene sich nicht benehmen, was sie nicht nur seltsam wirken lässt, sondern auch Grund für Ärgernisse bei Anwohnern ist. Ist es wirklich notwendig, die Straßen der Stadt in einen Schauplatz für laute Musik, Alkohol und teils obszöne Verkleidungen zu verwandeln?

Selbstverständlich bringt der Karneval mehr Touristen nach Bern, und das wirtschaftliche Argument steht außer Frage. Doch sollte es die einzige Rechtfertigung sein, gleichzeitig ein so unorganisiertes Event zu promoten, das eher an Chaos als an kulturelle Feier erinnert? Man könnte meinen, Bern mit seiner langen Geschichte und Tradition hätte andere, nachhaltigere Eventformate zu bieten, die den Kern seiner kulturellen Identität wahren.

Nun mag manch einer argumentieren, dass der Karneval eine Plattform für Kreativität und freien Ausdruck sei. Eine noble Behauptung, die allerdings durch den massiven Konsum von Alkohol und die Ausschreitungen konterkariert wird, die damit oft einhergehen. Außerdem, wie viel Kreativität steckt tatsächlich in einem Bärenkostüm oder in der x-ten Variante einer Clownsmaske?

Die Behörden in Bern blicken Jahren des Karnevals nüchtern entgegen und stellen dabei fest, dass jedes Mal enorme Mittel aufgebracht werden müssen, um den öffentlichen Frieden zu sichern und das Chaos in geordnete Bahnen zu lenken. Warum sollte eine Stadtverwaltung eine solche Last auf sich nehmen, nur um ein Spektakel stattfinden zu lassen, das zum größten Teil aus Geplärre, Alkoholkonsum und der Enthemmung von Menschen besteht?

Es stellt sich die Frage, ob die heutige Berner Gesellschaft nicht ein wenig den Fokus verloren hat. Wäre es nicht schöner, wenn sich die Menschen auf die echten kulturellen Highlights dieser Stadt besinnen könnten? Ganz klar: Traditionen sind wichtig, jedoch gilt es, deren Sinn und Zweck immer wieder kritisch zu hinterfragen - besonders wenn Veränderungen im Laufe der Zeit nötig sind, um den kulturellen Reichtum einer Stadt wirklich zu fördern.