Juraj Herz: Der Meister des Unbehaglichen, den das liberale Lager nicht begreifen konnte

Juraj Herz: Der Meister des Unbehaglichen, den das liberale Lager nicht begreifen konnte

Juraj Herz, bekannt für seine finsteren und grotesken Filme, ist eine Figur, die so unkonventionell ist, dass man meinen könnte, die Liberalen hätten ein Element seiner Genialität nicht verstanden.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Juraj Herz, bekannt für seine finsteren und grotesken Filme, ist eine Figur, die so unkonventionell ist, dass man meinen könnte, die Liberalen hätten ein Element seiner Genialität nicht verstanden. Geboren am 4. September 1934 in der Slowakei, war Herz ein Regisseur und Schauspieler, der in der Tschechoslowakei der 1960er bis 1980er Jahre arbeitete und diese regierte. Seine Arbeit fand größtenteils in Prag statt, einem der kulturellen Zentren der tschechischen Neuen Welle, die – wenn man ehrlich ist – weit mehr künstlerischen Wert hatte als so mancher einheitliche und vorhersagbare Blockbuster, der heute in den westlichen Multiplex-Kinos zu finden ist.

Herz hat sich mit seinen filmischen Monstern und unheimlichen Szenarien einen Namen gemacht. Filme wie "Der Leichnam von Georg Haader", "Die Holle" oder "Der Mörderkönig" sind Meisterwerke der Filmkunst, die bei ihrem Publikum regelrechtes Unbehagen auslösten. Genau das ist es, was Herz dermaßen brillant machte: Er zog es vor, das Unbehagliche, das Unheimliche und das Unbekannte zu erforschen, um die Wahrheit über menschliche Ängste und gesellschaftliche Abgründe zu enthüllen.

Ein besonders bemerkenswerter Film von ihm ist "Der Leichnam von Georg Haader", ein Meisterwerk aus dem Jahr 1969. Der Film taucht tief in die Psyche der Charaktere ein, um die beklommene Atmosphäre des Lebens in einer unterdrückten und von Misstrauen geprägten Gesellschaft zu zeigen. Herz hatte kein Interesse daran, sein Publikum zu beflügeln oder mit Wohlfühl-Enden zu beruhigen. Er wollte die dunklen Seiten der menschlichen Natur zeigen, etwas, das man eher mit nachdenklichem Kopfschütteln als mit Applaus belohnt.

1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, kehrte Juraj Herz in die Tschechoslowakei zurück. Voller Kreativität und mit einem klaren Blick für die dunklen Details der menschlichen Seele gelang es ihm, sein Werk gegen den gesellschaftlichen Strom zu positionieren. Im Grunde war er der filmische Verwandte von Autoren wie Kafka oder Dostojewski – unbequem, brisant und oft verstörend.

Seinen filmischen Höhepunkt erreichte Herz vielleicht mit "Der Mörderkönig" von 1971. Ein Film, der auf wahre Begebenheiten basiert und von einem Mörder erzählt, der durch seine hinterlistigen Taten zur Legende wurde. Herz inszenierte diese Geschichte mit einer Intensität und einem visuellen Stil, der den Zuschauer fesselte. Es ist eine Herausforderung, nicht von der ersten bis zur letzten Minute gebannt zu sein, während Herz düstere Bilder von Dekadenz und Wahn erschafft.

Oft verglichen mit Alfred Hitchcock, war Herz dennoch ein Meister ganz eigener Prägung. Während Hitchcock den Thrill suchte, fand Herz den Horror im Alltäglichen. Diese Art von Ehrlichkeit im Kino wird heute oft vermisst oder durch politisch korrekte Erzählungen ersetzt, die in vielen modernen Filmen die einstige Vielfalt und Tiefe des Geschichtenerzählens stark einschränken.

Ein weiterer bedeutender Film von ihm, "Die Holle" von 1975, enthüllt die Widersprüche und das Trauma der Nachkriegszeit auf brutal ehrliche Weise. Herz entlarvte die gesellschaftlichen Normen, indem er sie direkt angriff und hinterfragte. Das war keineswegs einfach, schon gar nicht in einem politischen Klima, das Widerspruch und tiefgründige Analyse oft mit Zensur belegte. Soll heißen: Herz war unerschrocken.

Juraj Herz starb 2018, aber sein Werk bleibt lebendig und unbequem. Warum? Weil es weit mehr ist als bloße Unterhaltung – es ist eine wirksame Reflexion über die Abgründe der menschlichen Seele, die heute fast schon zu einem Tabu geworden sind. Es ist wohl nicht weit gegriffen zu sagen, dass in unserer zunehmend gleichförmigen Welt die Erinnerungen an Herz eine Wohltat und Aufforderung sind, über unsere eigene Gesellschaft nachzudenken.

Heute, in einer Zeit, in der viele den Mainstream anbeten, fordern Herz‘ Filme die Zuschauer heraus, Fragen zu stellen und sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen, die sonst nur allzu leicht unter den Teppich gekehrt werden. Seine Arbeiten sind mehr als nur Filme, sie sind ein Aufruf zur intellektuellen Redlichkeit – schonungslos und kompromisslos.

Mit diesen prägnanten Filmen könnte man meinen, Herz habe bewusst versucht, die Spannungen und den beunruhigenden Wahnsinn der modernen Welt in visuelle Kunst zu fassen. Man könnte argumentieren, dass solche tiefen und komplexen Perspektiven heute fehlen – es sei denn, es handelt sich um von Marketingteams entworfene Scheinkontroversen. Juraj Herz bleibt ein Leuchtfeuer in einer Welt, die oft den Mut aufgibt, sich den dunklen Schatten zu stellen und, ja, davon brennt die Kunst erst richtig.