Wer könnte jemals den unerschrockenen Juan José Gárate ignorieren, den Mann, der die Zügel in die Hand nahm und den liberalen Mainstream gehörig durcheinanderwirbelte? Geboren 1869 in Zaragoza, Spanien, war Gárate ein bemerkenswerter Maler, dessen Werke bis heute in der Kunstwelt ihren Platz behaupten. Nach seiner Ausbildung in der prestigeträchtigen Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid, einer Kaderschmiede der spanischen Kunstwelt, verschrieb er sich voll und ganz der Malerei. Gárate war ein Traditionalist, was seine Kunst betraf. In einer Zeit, in der viele seiner Zeitgenossen abstrakte oder modernistische Strömungen verfolgten, hielt Gárate fest an der realistischen Darstellung des Lebens. Seine Szenen sind lebendig, detailliert und voller Prunk – das genaue Gegenteil davon, was jener progressive Kunstkreis ihn sehen wollte. Doch seine Konservativität ging über die Leinwand hinaus.
Einige beschreiben Gárate als Mann voller Widersprüche. Jemand, der sich wie ein Misfit in den kreativen Gefilden des frühen 20. Jahrhunderts bewegte. Aber fragen wir uns: Muss Kunst etwa immer revolutionär sein? Muss sie stets provozieren und Gesellschaften spalten? Vielleicht nicht. Was Gárate vehement glaubte, war, dass Kunst ein Spiegelbild dessen sein sollte, was war, und nicht unbedingt dessen, was sein könnte. Hier lag sein Fokus auf der Wahrheit, nicht auf der Manipulation der Realität durch abstrakte Interpretationen.
Seine Werke, oft Porträts, zeigen aufregend lebensechte Darstellungen von Menschen seiner Zeit, von Adeligen bis zu einfachen Bürgern. Es war seine Fähigkeit, die Essenz und Emotionen seiner Probanden hervorzubringen, die seine Kunst auszeichnete. Sein Gemälde von König Alfons XIII ist ein Ausdruck von königlichem Prunk und gleichzeitig menschlicher Verwundbarkeit.
Für die Kunstkritiker jener Zeitepoche, die vom Taumel der Expressionisten und dem Sturm der Kubisten geblendet waren, war Gárates Kunst schlichtweg altmodisch. Aber für ihn war die wahre Schönheit in der Einfachheit und Ehrlichkeit zu finden. Vielleicht hat sich Gárate nie dem Fortschritt widersetzt; er lehnte lediglich den blinden konzeptuellen Surrealismus ab, der keine greifbaren Resultate hervorbrachte. Denn für jemanden seiner Denkart war Kunst ein Bastion des Beständigen, nicht des chaotischen Wandels.
Doch es wäre falsch, Gárate ausschließlich als Traditionalisten abzustempeln. Seine Werke zeigen eine Akribie und Detailtreue, die mit der damaligen Fotografie konkurrierte. Gárate glaubte an die unveränderliche Wahrheit, und das in seiner Verantwortung als Künstler, diese ehrlich darzustellen. Was für eine radikale Position, möchte man sagen! Vor allem in einer Zeit, in der sich viele Künstler aus ihrer Verantwortung stehlen, indem sie sich hinter dem Schirm der 'freien Interpretation' verstecken.
Hier zeigt sich deutlich ein Mann, der unbeirrt seinen Weg ging und eben nicht bereit war, sich von den dunklen Gewässern des Modernismus verschlingen zu lassen. Und das ist auch gut so! Denn während die liberalen Kritiker von dem Wunsch getrieben waren, alles Existierende zu dekonstruieren, ging Gárate beharrlich seinen Weg und baute auf dem auf, was war. Vielleicht bestand gerade darin seine wahre künstlerische Freiheit – in der Verpflichtung zur Realität. Er verstand, dass nicht der Schrei nach Neuerung, sondern die treue Abbildung und das Festhalten eines Moments die wahre Kunst ausmachte.
Die Frage bleibt: Wie würde die heutige Welt ohne Leute wie Gárate aussehen? In einer turbulenten Zeit, in der auch die Gesellschaft versuchte, ihre Identität zu definieren, bot seine Kunst einen Anker. Ein Blick in seine Gemälde verrät die Schönheit des täglichen Lebens ohne den dringenden Bedarf, es in ideologische Kämpfe zu verstricken. Während Europa zwischen den Extremen der politischen Ideologien zerrieben wurde, fasste Gárate sein Anliegen in Taten um: Authentizität über alles andere. Doch Ironie des Schicksals, genau das macht ihn heute so kontrovers und so gefeiert zugleich.
In Juan José Gárates Kunst steckt die tief verwurzelte Anstrengung, die uns vor Augen führt, dass manchmal die einfachsten Wahrheiten die weitreichendsten sein können. Ein bisschen mehr Realität, ein bisschen weniger postmoderne Spielerei. Ist es nicht das, was wir brauchen?