In einer Welt, in der Musiker heutzutage oft nur als zahnlose Geschöpfe der politischen Korrektheit wirken, sticht das Album 'IV' von The Stranglers aus dem Jahr 1980 als ein erfrischend kompromissloses Werk hervor. Es wurde von einer Band kreiert, die nie Angst hatte, gegen den Strom zu schwimmen. Die Stranglers kamen 1974 in der ausdrucksstarken und kontroversen Zeit der britischen Punkbewegung zusammen und 'IV' wurde 1980 veröffentlicht und sorgt immer noch für Gesprächsstoff. Während sich die Band in Großbritannien zusammenfand, wählte sie Los Angeles als Hauptarena für die Entstehung dieses Albums. Warum? Vielleicht, weil nur wenige Orte mit solch wilden kulturellen Gegensätzen zum kreativen Brennpunkt wurden wie die Stadt der Engel.
'IV' ist mehr als nur Musik; es ist eine rebellische Manifestation. Die Stranglers haben sich nie darum gekümmert, ob sie in die von den Medien oder den sogenannten 'liberalen' Musikexperten vorgegebenen Schubladen passen. Mit Tracks wie 'Bear Cage' und 'Nuclear Device', zeigen sie ihre unverhohlene Dickköpfigkeit. Diese Band hatte immer einen Hang für intelligenten Sarkasmus und raffinierten Zynismus, was sich gerade in den Texten widerspiegelt. Dies ist eine Lektion, die man nicht an jeder Straßenecke bekommt.
Was unterscheidet 'IV' von den seichtem Klängen moderner Alben? Während die heutige Musik oft um Schönheit und Harmonie kreiselt, spielt dieses Album mit den Aspekten der Düsternis, dem Gefühl der Empörung und der unverblümten Gesellschaftskritik. Songs wie 'Threatened' sind wie Faustschläge ins Gesicht derjenigen, die sagen, Musik solle nur Unterhalten. Diese Tracks klagen soziale Heucheleien an, zerlegen falsche Idole und beschäftigen sich mit Regierungsüberwachungen; Themen, die heutzutage aktueller nicht sein könnten.
Sie denken bestimmt, das klingt alles sehr negativ. Doch 'IV' ist auch ein leidenschaftliches Plädoyer für Individualismus. Die Stranglers haben nie Songs geschrieben, um jedem zu gefallen. Stattdessen erheben sie die Stimme für diejenigen, die genug von Anpassung haben und beginnen wollen, selbst zu denken. In einer Kultur, die immer mehr in Richtung Homogenität driftet, ist dies eine wohlklingende Melodie der Freiheit.
Ein weiteres Highlight des Albums ist die Vielseitigkeit. 'IV' bietet nicht nur punkige Vibes, sondern auch Elemente von Jazz, Blues und sogar Psychedelia, was zeigt, dass The Stranglers nicht in festgefahrene Klänge verfallen waren. Man könnte dies fast als künstlerischen Konservatismus bezeichnen, die Werte der Vergangenheit zu würdigen, während man sich mutig auf neue Pfade begibt.
Die Interessierte werden feststellen, dass auch der Klang bis heute frisch bleibt. The Stranglers setzten mit 'IV' auf echte Instrumentalisierung – etwas, das in der heutigen Computerdominierten Musiklandschaft allzu oft verloren geht. Selbst in einem technologischen Überwachungsstaat können Formationen, die Handwerk und Virtuosität noch ernstnehmen, den Lauscher fesseln und zum Nachdenken anregen. Beachten wir auch, dass die Produktion in Los Angeles geschah, einem kulturell aufgeladenen Ort, das zur Atmosphäre des Albums beiträgt.
So überraschend es vielleicht klingt, 'IV' hat es geschafft, den Test der Zeit zu bestehen. Während andere Bands kommen und gehen, stehen The Stranglers weiterhin als monolithisches Zeugnis für Standhaftigkeit und künstlerische Integrität. Es ist eine Einladung, Musik auf einer intellektuellen Ebene zu begreifen, statt nur Pling-Plong-Klängen im Radio Beachtung zu schenken. Und dabei vielleicht noch aufdecken, was uns alles entgeht, wenn wir uns nur auf den Schein des Offensichtlichen verlassen.
Die Stranglers haben mit 'IV' einen Abriss gelassen, der einmal mehr beweist, dass Musik nicht nur für Teenager ist, die noch herausfinden müssen, wie die Realität aussieht. Es ist Musik für diejenigen, die Realität schon verstanden haben und wissen, dass sie nicht alles einfach hinnehmen müssen. Das ist doch wohl eine kräftige Aussage in einer Welt, die oft von Konformität erdrückt wird.