Warum 'In Herrlichen Zeiten' ein Weckruf ist, den niemand hören will

Warum 'In Herrlichen Zeiten' ein Weckruf ist, den niemand hören will

'In Herrlichen Zeiten' von Oskar Roehler ist eine kühne Satire auf die heutige Gesellschaft und zeigt deren Fehltritte und Widersprüche.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

In einer Welt, die sagt, sei offen und modern, kracht 'In Herrlichen Zeiten' mit voller Wucht gegen den Konsens! Diese deutsche Filmkomödie von Regisseur Oskar Roehler, die 2019 auf die Leinwand kam, bietet mehr als nur Unterhaltung – sie ist eine bitterböse Satire auf unsere ach so perfekte Gesellschaft. Der Film spielt in Deutschland und thematisiert die überbordende Political Correctness und das absurde Streben nach unermesslicher Selbstinszenierung. Für jemanden, der auf der Suche nach einer wohltuenden Alternative zur weichgespülten Hollywood-Moral ist, bietet dieser Film genau das.

Aber warum dieser Trommelwirbel für einen Film, der den bequemen Elfenbeinturm der Fortschrittlichkeit attackiert? 'In Herrlichen Zeiten' nimmt so manch heiligen Gral der modernen Gesellschaft aufs Korn: Ob es nun die skurrile Verherrlichung individueller Selbstverwirklichung oder die illusionäre Diversität ist – Oskar Roehler bricht diese Illusionen eine nach der anderen.

Der Film stellt eine Familie ins Zentrum, die voller klischeebeladener Töpfe steckt. Katies Mann möchte als Künstler die Welt erobern, doch vergessen wir nicht, dass sein Talent eher durchschnittlich ist. Die beiden Kinder stehen stellvertretend für eine Generation von verwöhnten Millenials – sie glauben, die Welt schulde ihnen alles. Ist das nicht eine treffende Allegorie auf den aktuellen Zeitgeist? Im Haus der Familie herrscht Chaos, und kaum einer zeigt Interesse daran, es aufzuräumen. Aber das ist wohl das Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft: Alles bröckelt, aber wer will schon die Unordnung beseitigen?

Dann gibt es da noch die 'Schwarzarbeiter', die die Familie anheuert, um ihre Privilegien zu erhalten, und dabei kulturelle und soziale Spannungen auslösen, die für alle Beteiligten peinlich unangenehm sind. Roehler wirft einen unbarmherzigen Blick auf die so genannte Migrantenintegration und entlarvt die liberalen Versprechen.

'In Herrlichen Zeiten' ist eine filmografische Ohrfeige für all jene, die glauben, das Patentrezept für eine ideale Welt in der Tasche zu haben. Während so mancher Hollywood-Film uns lehrt, stets nett und gefällig zu sein, fordert Roehler seine Zuschauer geradezu auf, aufzubegehren und unbequem zu bleiben.

Das Publikum sieht sich einerseits amüsiert aufgrund der gezielten Komödie, anderseits geschockt, denn der Spiegel, den Roehler vorhält, ist unerbittlich. Wer Ehrlichkeit sucht, ohne den Zuckerüberzug der amerikanischen, polierten Filme, findet hier seine Nische.

Alles in allem zeigt 'In Herrlichen Zeiten', dass ungeschminkte Wahrheiten eine willkommene Abwechslung zum aktuellen Kinoeinerlei bieten. Wer also genug hat von den immer gleichen, politisch korrekten Narrativen, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen – auch wenn es nicht jedem schmeckt. Aber vielleicht sind das die Filme, die unsere Zeit wirklich braucht.