Warum 'Im Laufe der Zeit' von 1988 noch heute fasziniert

Warum 'Im Laufe der Zeit' von 1988 noch heute fasziniert

"Im Laufe der Zeit" von Wim Wenders ist ein Film von 1988, der über die Jahre an Faszination gewonnen hat. Fernab vom Hollywood'schen Getöse zeigt er den wahren Wert eines puristischen Kinoerlebnisses.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hätte gedacht, dass ein deutscher Film aus 1988 immer noch Wellen schlagen könnte? "Im Laufe der Zeit", ein Werk von Wim Wenders, ist genau das Filmstück, das trotz seines Releases über drei Jahrzehnte zurück, weiterhin für Aufsehen sorgt. Der Film beleuchtet die Reise zweier Männer, die das Filmprojektor-Reparaturgeschäft Dominierten, durch Westdeutschland. Auf den ersten Blick ist es eine simple Geschichte: zwei Männer, einsame Straßen und das phänomenale Cinemascope. Doch dieser Film, das soll gesagt sein, ist mehr als ein wenig Nostalgie und zügellose Romantik.

Die Anziehungskraft von "Im Laufe der Zeit" liegt in seiner Ehrlichkeit und seinem schlichten Widerstand gegen den üblichen Hollywood-Kitsch. Abseits des Mainstreams und der liberalen Filmindustrie zeigt Wenders' Film, was passiert, wenn Männer weit weg von den Ablenkungen der Großstadt sind und wirklich auf sich gestellt sind. Ein großes Thema: Männliche Freundschaft ohne künstlichen, modernen Schnickschnack.

Der Film beginnt mit Bruno und Robert, gespielt von Rüdiger Vogler und Hanns Zischler, und ihrer schicksalhaften Begegnung. Warum fasziniert uns das? Vielleicht weil wir diese Art der ungekünstelten Kameradschaft, abseits übertrieben emotionaler Hollywood-Plots, so selten im heutigen Kino finden.

Bei Wenders geht es nicht um laute Explosionen oder unzählige Spezialeffekte. Stattdessen gibt es lange, schweigsame Momente und weite Landschaften. Klingt nicht nach etwas, was den modernen Zuschauer anzieht? Und doch... Diese Einfachheit, diese Stille, zieht die Betrachter in den Bann und zwingt sie, innezuhalten und das Wesentliche zu betrachten.

Nun, viele werden nicht verstehen, dass Wenders' Entscheidung, in Schwarzweiß zu filmen, absichtsvoll schlicht war. Schwarzweiß als Ausdruck der Realitätsnähe, fernab des "Bling-Bling" heutiger cinematografischer Werke. Diese Entscheidung spricht Bände. Es ist eine Antwort auf den endlosen Farbtrubel, der heutzutage als Notwendigkeit wahrgenommen wird, um Filminteresse zu wecken.

Echte Kunst entdeckt sich in der Einfachheit und der Zweckmäßigkeit. Der Film bietet uns dies, scheinbar mühelos, ohne die überflüssige 'Schnelligkeit' und 'Kantigkeit' von Blockbustern. Tatsächlich könnte Wenders' Ansatz eher als konservativ empfunden werden, doch wer schätzt heute noch authentische Handwerkskunst in einer durch und durch digitalisierten und immer lauter werdenden Welt?

Ein weiteres starkes Element von "Im Laufe der Zeit" ist die Benutzung von Sound und Stille. Die Geräusche der Umgebung, manchmal die absolute Stille, wirken genauso intensiv wie die Dialoge. Dieser Effekt bringt uns zurück zu den Wurzeln des Kinos. Sowas erfordert Mut und Talent, das über das hinausgeht, was in kommerziellen Produktionen erwartet wird. Für manche mag das altmodisch erscheinen. Aber sind wir hier, um nur das Neue zu loben und das Alte zu vergessen?

Was ist mit den Dialogen? Auch hier wird klar: weniger ist mehr. Keine ständigen Einwürfe oder unnötigen, dramatischen Erzähllinien. "Im Laufe der Zeit" ist genau das Gegenteil dessen, wofür liberale Filmschulen heute stehen – bombardieren mit schier endlosem Dialog und Gefühlsüberfluss. Die Männer im Film diskutieren über einfache Themen – Filme, das Leben, die Rolle des Projektors im Kino. Und genau darin liegt der Reiz.

Auch wenn viele diesen Film wegen seiner langsamen Erzählweise nicht mögen, ist "Im Laufe der Zeit" ein Juwel für diejenigen, die langfristige Qualität zu schätzen wissen. Diese Art von Filmemachen, die Wenders bietet, ist selten geworden. Es ist die unauffällige Exzellenz, die nicht jedem gefallen wird, aber genau das ist es, was den Film auszeichnet.

In einer Welt, die nach ständigen Reizen sucht, erinnert "Im Laufe der Zeit" an eine Zeit, in der Qualität über Quantität zählte. Wann haben wir das letzte Mal einen Film gesehen, der nicht versucht hat, uns durch Zugeständnisse und Anpassung an übliche Erfolgsformeln zu beeindrucken? Wenders’ Werk fordert seine Zuschauer auf, über den Tellerrand hinauszublicken, die kleinen Dinge zu schätzen und Wert in Einfachheit zu finden.

Wenn man es genau betrachtet, ist "Im Laufe der Zeit" annähernd zeitlos und für viele ein Film, der die wahre Seele des Kinos einfängt. Trotz der Jahrzehnte, die seit ihrem Release vergangen sind, bleibt diese Reise zweier Männer im Gedächtnis.