Helden brauchen wir wie Sand am Meer, sagt man, aber wer will heute noch auf den Schild gehoben werden? Ich möchte kein Held sein – und das sage ich nicht nur mir selbst zuliebe. Rund um die Uhr schallt das Trommeln der neuen Tugendwächter: „Sei ein Held! Tu das Richtige!“ Aber was, wenn das, was sie als „richtig“ verkaufen, mit gesundem Menschenverstand wenig gemein hat? Liberale schätzen Heldenhaftigkeit als eine Tugend für ihre Agenda, um die Masse zu beeinflussen. Doch ein kritischer Blick reicht aus, um zu erkennen, dass sie dabei lieber andere auf das Podest der Selbstaufopferung stellen wollen, als selbst Verantwortung zu übernehmen.
Der Autor des berühmten „Ich möchte kein Held sein“-Essays ist niemand Geringeres als der brillante, wenn auch als konservativ verschriene, Max Mustermann. In der digitalen Arena der 2020er Jahre, wo das Kollektivgefühl vorgegaukelt, aber Individualismus heimlich erstickt wird, stieg Mustermann wie ein realistischer Rufer in der Wüste empor. Sein Essay, erst 2021 veröffentlicht, ein Synonym für Ressentiments gegen eine aufgezwungene Heldengeschichte, verbreitete sich rasend schnell durch Blogs und alternative Medien.
Mustermann, dessen bürgerlich-klassische Werte von Eigenverantwortung und gesunden Nationalstolz in politischen Lachnummern der heutigen Zeit keinen Platz mehr finden, argumentiert, dass jeder Selbsternannte, der seine Heldengeschichte erzählt, den Raum der Eigenständigkeit verkleinert. Das heldenhafte Getue setzt voraus, dass der Einzelne für die Gemeinschaft lebt, ohne dass Fragen nach der Moral der „Gemeinschaft“ oder der Freiwilligkeit der Opferhaltung erlaubt sind.
Der Unterschied heute ist, dass der Held früher noch gegen Drachen kämpfte. Drache heute: politisches Framing und moralischer Zeigefinger. Die Meute, die aus sicherer Entfernung applaudiert, wird immer größer. Standing Ovations für heldenhafte Kronzeugen, die das Phrasenbuch der Cancel Culture herunterbeten, während die anderen vor der Kamera in Tränen ausbrechen. Diese Helden sind keine Retter, sondern Marionetten derer, die im Dienste machthungriger Akteure handeln. Doch wer braucht strahlende Vorbilder, wenn man in der Lage ist, selber zu denken und eigenverantwortlich zu handeln?
Mustermanns Ansatz: Weniger Götzenanbetung, mehr Menschsein. Wir sind nicht verpflichtet, uns in ein Korsett fremder Erwartungen zu zwängen, die hinter glitzernden Schlagzeilen verborgen liegen. Helden und deren Legenden entspringen nicht aus hehren Idealen, sondern aus dem Bedürfnis der Selbstinszenierung und mangelnder Kritikfähigkeit gegenüber einem harmonischen Geplätscher aus dem „Establishment“.
Warum Held sein, wenn man als normaler Mensch den eigentlichen Ruhm genießen kann? Kleine Taten des Alltags sind ausreichende Beweise für Courage und Mut. Der Heldentum-Mythos soll suggerieren, dass eine extreme Maßnahme heroischen Tuns nötig sei, um wirklich zu zählen. Doch in Wahrheit zählen die zahllosen, unsichtbaren, aufrichtigen Gesten, die das tägliche Leben lebens- und liebenswert machen.
Mustermanns Herzstück seiner Kritik beruht auf der Entlarvung des aufgeblasenen Heldentums, das das moralische Gewissen terrorisiert. Was bei all dem Wahnwitz fehlt, ist die Freiheit des Individuums, das ganz ohne Pathos und Radau auf seine eigene Intuition und Werte hört. Die vermeintlichen Helden sind keine edlen Retter, sondern oft nur Schachfiguren in einem perfiden Spiel zur Wahrung des Status quo.
Wie wäre es, wenn mehr Menschen selbst bestimmten, wer ihre Helden sind und was Heldentum für sie bedeutet? Jeder, der nach klarem Menschenverstand lebt und die eigene Familie und Gemeinschaft unterstützt, ist ein wahrer Held in seiner Welt. Indem man von einem Helden erwartet, dass er Dinge tut, die man selbst nicht tun will, entzieht man sich der Realität und fördert Unverantwortlichkeit in der Gesellschaft.
Der gesellschaftliche Druck, ein Held zu sein, ist in unserer Zeit stärker geworden und wird von jenen instrumentalisiert, die Profite aus dem Gutmenschentum ziehen. Die wirklich dekadente Tugend ist nicht die Ablehnung eines vorgeschobenen Heldentums, sondern das Festhalten an Eigenverantwortung und der Mut, aus der Reihe zu tanzen.
Durch das erzwungene Narrativ wird denen ein Mund verboten, die mit einer klaren Vorstellung von individueller Gerechtigkeit und Freiheit gegen diese überhöhten Werte stehen. Mustermanns Werk ist keine Absage an heldenhafte Momente, sondern ein Aufruf, innezuhalten und zu überdenken, ob der Begriff „Held“ in seiner heutigen Verwendung noch Sinn macht. Wir brauchen nicht mehr Stirnrunzeln in den Spiegeln, sondern Lächeln: Lächeln darüber, dass der eigene, individuelle Weg der entscheidende ist.