Hijokaidan könnte genau das sein, was man bekommt, wenn man eine Gruppe von Krach und Chaos liebenden Musikfanatikern in einen Raum sperrt - allerdings nur, wenn die Tür fest verriegelt bleibt! Diese Gruppe, die in den 1970er Jahren in Japan gegründet wurde, wird oft als eine der Hauptstützen der Noise-Musik angesehen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet aus einem Land, das so auf Ordnung und Disziplin bedacht ist, eine Band hervorgeht, die jegliche klangliche Erwartung sprengt? Es gibt sie noch heute, hauptsächlich in Japan aktiv, wo sie ihre avantgardistischen Klänge auf teure Lautsprecher bringen und dabei nicht vor Ohrenbluten zurückschrecken.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1979, als Jojo Hiroshige und seine exzentrischen Kollegen beschlossen, Musik zu machen, die herkömmliche Instrumente einfach ignoriert - warum auch nicht? Experten und Musikhistoriker sehen ihre Arbeit als Krönung des Klangs ohne Melodie an - pure, unverfälschte Lärmkrawalle. Das ist kein Konzert, das Sie Ihren klassischen Nachbarn empfehlen sollten. Dies ist Musik, die provoziert, verwirrt und manchmal sogar verärgert. Oder, anders ausgedrückt: Musik, die sich nie um politische Korrektheit schert.
Wer jedoch denkt, dass es bei Hijokaidan nur darum geht, so laut wie möglich zu sein, der irrt. Ihre Live-Auftritte sind theatralische Schauspiele - ein fesselnder Mix aus Performance Art und Audio-Attentat. Die Band stellt dabei oft Umgebungen nach, in denen Instrumente zerstört werden, Menschen durch den Raum fliegen oder einfach nur audiovisuelles Chaos entsteht. Diese bandtypischen Auftritte sind nicht für schwache Nerven und schon gar nicht für friedliche Balanceakt-Liebhaber.
Ein Thema, das unwiderruflich mit Hijokaidan verbunden ist, ist die teils extreme Kritik, die sie für ihre angebliche „Anti-Musik“ erhalten. Es ist fast so, als ob ihr Ziel wäre, den Begriff Musik selbst zu dekonstruieren. Musikliebhaber aus den konservativen Reihen könnten es als ein Zeichen wahrnehmen, dass die Welt den Bach heruntergeht. Aber während die einen die Ohren zusammenkneifen, gibt es da draußen eine treue Fangemeinde, die genau das liebt. Sie sehen in dem Chaos nicht nur bloßen Lärm, sondern eine tiefere, herzerfrischende Aussage gegen den Status quo der Musikindustrie.
Warum ist Hijokaidan also so viel mehr als nur eine Lärmmaschine? Weil sie sich weigert, sich in das aufzunehmen, was kulturell konform und klanglich annehmbar ist – trotz der Tatsache, dass viele glauben, unser Zeitalter der Toleranz begrüßt jegliche Form des künstlerischen Ausdrucks. Es gibt nichts Akzeptierendes an der Art und Weise, wie ihre Breitseiten Menschen aus ihren Komfortzonen holt.
Hijokaidan fragt nicht nach Ihrer Meinung, noch verlangt sie Ihre Zustimmung. Die Band hinterfragt alles, und das ist vielleicht ihre größte Stärke. Während die Gesellschaft dazu neigt, Kunst als Schönmalerei und Harmonie zu betrachten, sagt Hijokaidan: Nein, danke! Ihre Botschaft ist klar: nicht alles muss harmonisch sein, nicht alles muss gefallen. Unsere Welt bietet ausreichend Instrumente der Selbstbestätigung und Detox-Chaisen des Wohlfühlens an; da kann ein kleines bisschen unangenehme Wahrheit erfrischend wirken.
Das Phänomen Hijokaidan bleibt eine Lektion für diejenigen, die glauben, dass lautstarker Widerstand gegen kulturelle Normen nur aus einem liberalen Rucksack kommen kann. In einer Welt, die zunehmend durch Gefühle angetrieben wird, könnte es genau das sein, was notwendig ist: ehrlicher Krach, der den weichen Teppich der Sicherheit entfernt. Die Band gibt uns ein Pochen im Unterbewusstsein, das fordert, die Grenzen unseres Verständnisses neu zu definieren.
Ob es gefällt oder nicht, Hijokaidan bleibt ein Symbol für künstlerische Rebellion. Sie erinnern uns daran, das Bekannte zu hinterfragen und in den tiefen Abgrund der echolosen Konstruktivität zu blicken. Und in einer Ära, in der die Auslegung von Aufmerksamkeit oft darauf hinausläuft, aussagekräftig zu sein, könnte diese unverhältnismäßige Konfrontation genau das sein, worauf die stille Mehrheit gewartet hat: Ein Kakophonie der Verschiedenen und des Architekturkreischen, das dem leiseren, schüchterneren Gemurmel der gesellschaftlich Sanktionierten trotzt.