Wenn man denkt, man hat alles gesehen, legt „Herr Trifft Hase“ noch eine Schippe drauf. Ursprünglich als Kunstprojekt des deutschen Künstlers Julius von Bismarck bekannt, erregte die Installation erstmals 2009 in Berlin Aufmerksamkeit, als sie auf den Straßen der Hauptstadt Fuß fasste. Von Bismarck, ein bemerkenswerter Name getragen von einem Mann, dessen Kunst den Betrachter herausfordert, soll einen Dialog über die allgegenwärtige Kluft zwischen Mensch und Natur eröffnen. Aber lassen Sie uns mal nicht so höflich sein – es ist eine subtile Propaganda gegen traditionelle Werte, wo früher ein Jäger mit Respekt für die Natur auf das Wild traf.
Ein Kunstwerk zu inszenieren, das ein Publikum spaltet, scheint das Hauptanliegen zu sein. Dabei ist es offensichtlich, dass „Herr Trifft Hase“ die Jagd als Metapher für gegenwärtige gesellschaftliche Debatten benutzt, in denen der Jäger die traditionelle, verantwortungsvolle Seite symbolisiert, während der Hase als unschuldiges Opfer erscheint. Die Szene soll uns zum Nachdenken anregen, doch was sagt sie tatsächlich aus? Dass der Jäger von gestern, der geachtet und diszipliniert die Wälder durchstreifte, uns nun als kaltherzig und skrupellos verkauft wird? Wohl kaum.
Es ist bemerkenswert, wie schnell solche Projekte von jenen gefeiert werden, die das Erbe, die ländliche Kultur sowie die traditionellen Familienwerte mit Füßen treten. Die heutige Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, jahrhundertealte Praktiken zu untergraben, und verpackt es in süßlichen Märchen aus allen Ecken der postmodernen Kunst. Man hat es satt, sich in einer Welt zu bewegen, in der Kunstprojekte die Normen und Werte beschädigen, die unsere Väter und Vorväter aufgebaut haben, und versucht selbige Werte missverstehen zu lassen.
Man fragt sich, warum ähnliches nicht mit der gleichen Inbrunst auch für andere Aspekte des Lebens propagiert wird. Ein Stierkampf, Fischfang oder der traditionelle Bauernhof - warum wird das Jagdhandwerk so prägnant ausgestellt? Ein Kunstwerk sollte anregen, nicht einschüchtern; es sollte erheben, nicht niederdrücken. Nun, „Herr Trifft Hase“ tut letzteres mit erstaunlicher Arroganz und Belustigung für diejenigen, die klar denken und sich nicht von jedem liberal inspirierten Kunstprojekt in Staunen versetzen lassen.
Ein Aspekt der Diskussion dreht sich auch um das Kernthema Verantwortung zur Umwelt. Selbstverständlich ist die Jagd ohne Verantwortung und Respekt weder nachhaltig noch akzeptabel, doch wird diese elementare Wahrheit in ihrer Komplexität heruntergebrochen und in rotierenden Peitschenhieben gegen die einfache Tradition geworfen. Nachhaltigkeit in moderner Kunst sollte nicht als Werkzeuge einer politischen Agenda missbraucht werden, sondern als Wegweiser für Balance, die jedoch durch Projekte wie „Herr Trifft Hase“ schlicht und ergreifend ignoriert wird.
Ohne das grobe Missverständnis einer vermeintlichen Überlegenheit modernen Denkens und Kunst zu akzeptieren, muss man verstehen, dass vor allem Respekt einer Kunst innewohnen sollte, die sich mit der Natur befasst. Von Bismarcks Installation tut vieles, nur belehrt es nicht wahre Werte noch echte Liebe zur Natur. Das Werk ist eine Konstruktion, ein Feuer des Zweifels inmitten einer Landschaft des Respekts.
Am Ende bleibt „Herr Trifft Hase“ ein Symbol für eine verlorene Verbindung zur Realität und zur wahren Schönheit der Natur, indem es die in einem ironischen Spiel entgleisten Haltungen zelebriert – durch inszenierte Subversion und den Affront gegen das Alltägliche und Natürliche. Diese Art von Projekten schafft eine Reduktion, durch die die Bewunderung für das Natürliche verfälscht und ins Negative gezogen wird.
Kunst sollte immer anregend und bereichernd sein, aber nicht in die Falle der politischen Symbolik tappen. Die Zukunft liegt in den Händen jener, die Tradition mit Weitsicht und Verständnis für die unter allem liegende Wahrheit verbinden können, statt sich in der Ellenbogenkunst des Sensationalismus zu verlieren.