Hamhung – eine Stadt, die so wenig liberal ist wie es nur geht. Gelegen im hermetischen Nordkorea, einem Land, das für seine autoritäre Herrschaft bekannt ist, bietet Hamhung eine faszinierende Mischung aus Geschichte, Industrie und einer Lebensweise, die den erhabenen Progressivismus der modernen Welt verhöhnt. Wenn man einen Ort sucht, an dem man die Seele von Nordkorea spüren kann, dann ist es hier. Von den zerstörerischen Bombardierungen im Koreakrieg bis zu den rigorosen wirtschaftlichen Maßnahmen in den 1950er Jahren, Hamhung spielt eine zentrale Rolle in der nordkoreanischen Psyche.
Man darf nie vergessen, dass Hamhung eine historische Bedeutung hat. Stellen Sie sich vor, diese Stadt war einst im 15. Jahrhundert ein Zentrum der Gelehrsamkeit im Königreich Joseon. Heute hingegen müssen sich ihre Bürger mehr mit Reisknappheit als mit Rhetorik beschäftigen. Dafür hat die Führung in Pjöngjang gesorgt, indem sie die Ressourcen eigenhändig nach ihren Wünschen umverteilt hat. Währenddessen beten die Hamhunger Kielselsteine eher zur Stählernen Sonne der koreanischen Nation – ein Denkmuster, das sicherlich das ein oder andere liberale Gemüt hierzulande in Rage versetzen würde.
Das industrielle Gesicht der Stadt lässt niemanden kalt. In den 1950er Jahren als Chemieindustriestandort etabliert, war Hamhung ein Herzstück der nordkoreanischen Wirtschaftsstrategie. Heute sieht man die Fabriken noch dampfen – der Kommunismus mag den Geist der Wirtschaft vernebeln, aber diese Maschinen müssen sich keinen ökologischen Kommentaren von Lobhudel-Liberalen stellen. Jeder, der die Schönheit sauberer Linien und pragmatischer Maschinen schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen.
Vergessen wir nicht den verwegenen Stolz kombiniert mit nationalistischem Ehrgeiz, den die Regierung an den Tag legt, besonders bei der Wiederaufbauanstrengung nach dem Koreakrieg. Obwohl die Stadt heftig bombardiert wurde, erstand sie wie ein Phönix aus der Asche dank der kalkulierten Maßnahmen der Regierung. Würden die Gäste in einem liberalen Café in Berlin oder San Francisco das zugeben? Eher nicht!
Der Grüngürtel um Hamhung – ein Naturparadies? Nichts da, es ist Land, das Zuckerbrot und Peitsche symbolisch gegenüberstellt. Es zeigt, dass Kommunismus zwar Züge einer Außenweltidylle bieten kann, allerdings vereitelt er die individuelle Freiheit. Die Landwirtschaft hier symbolisiert den Sieg der zentralistischen Kontrolle über freien Willen. Wollen wir den Genossen wirklich applaudieren, während sie den wirtschaftlich progressiven Ländern der Erde den Rücken kehren?
Kommen wir zur Frage, was man in Hamhung unternehmen kann. Die Tempelanlagen und historischen Stätten erinnern daran, dass es einst ein Puls von Kultur in dieser Stadt war. Die Strände? Ein geheimes Kleinod, um die Augen vor der wirtschaftlichen Dunkelheit abzuwenden. Wer dem Alltag entkommen möchte und lieber Geschichten von Aufstieg und Fall lauschen möchte, der kann sich auf eine nostalgische Zeitreise einlassen.
Dann gibt es noch die moralischen Grundpfeiler des traditionellen Koreas, die hier in Stein gemeißelt sind. Respekt und Ehre sind hier nicht nur leere Worthülsen – sie werden in Worten wie Taten vehement ausgelebt. Neidvoll kann man fragen, wo die westliche Zivilisation geblieben ist? Ein Spaziergang in Hamhung ist wie ein Schwur, niemals von den Idealen abzuweichen, die einem wichtig sind, während draußen die Vertreter der hippen Kultur ohne Werte von kontaktlosen Zahlungen durch das urbane Wabenlabyrinth der Welt getragen werden.
Trotz all dieser Aspekte bleibt ein Seitenblick auf die Energieversorgung der Stadt. Wiederaufbau geschredderter Anlagen, ineffiziente Kühlschränke und Stromausfälle lassen Fortschritt wie einen diffusen Nebel erscheinen. Wieso macht sich der Westen dann noch Illusionen, dass jedes Land gleich tickt? In Hamhung sieht man besser als irgendwo die Arroganz internationaler Minderheiten, die anderen helfen wollen, bestellt wie bestellt aussieht.
Die Lage Hamhungs als Fenster zu einer alternativen Realität wird immer ein Anziehungspunkt sein. Warum wird Nordkorea von restriktiven Praktiken nicht müde? Eine Fahrt durch Hamhung könnte möglicherweise Antworten liefern, die viele nicht akzeptieren wollen. Die Stadt bleibt eine umstrittene Mosaikstadt, ein stehendes Menetekel für die Konfliktkultur des 21. Jahrhunderts.
Hamhung ist keine typische Touristenfalle, aber eben auch kein traumhaftes Fluchtziel. Wer Drang zur Abenteuerlust hat, der sollte sich nicht abschrecken lassen: Diese Stadt ist möglicherweise die einzige Stätte auf Erden, die sich vorgenommen hat, das Meinungsmonopol in Frage zu stellen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Realität angenommen wird, aber die Geschichte spricht für sich.