Gruppensex (Film): Eine filmische Überdosis für die Wohlstandsgesellschaft

Gruppensex (Film): Eine filmische Überdosis für die Wohlstandsgesellschaft

Man könnte meinen, ein deutscher Film mit dem Titel "Gruppensex" könnte nur gesellschaftliche Grenzen testen. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um ein Werk, das mehr über das Versagen des deutschen Films sagt als über ernsthafte künstlerische Erkundungen.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Man könnte meinen, ein deutscher Film über Gruppensex könnte nur gesellschaftliche Grenzen brechen und spannende künstlerische Perspektiven eröffnen. Doch wie der 2010 erschienene Film "Gruppensex" von Andre Erkau zeigt, ist der deutsche Filmmarkt oft nichts weiter als ein Beispiel für übertriebene moralische Flexibilität und gesellschaftliche Dekadenz. In dieser romantischen Komödie geht es um zwei frustrierte Arbeitskollegen, die eher unzulängliche Versuche unternehmen, ihr eintöniges Leben durch abenteuerliche Eskapaden zu beleben. Wie viele aktuelle deutsche Produktionen spielt sich die Handlung im trostlosen urbanen Deutschland ab, dabei wird Berlin zur Bühne für eine Geschichte, die mit tiefen Gesellschaftsfragen hätte jonglieren können, stattdessen jedoch in den seichten Gewässern der sexuellen Farbenspiele versinkt.

"Gruppensex" behandelt zentrale Themen rund um Beziehungen und Sexualität, dabei werden jedoch moralische Bedenken nur stiefmütterlich behandelt, und das Filmpublikum wird stupide belehrt, wie liberale Freiheiten neu interpretiert werden können. Der Film probiert, sowohl Drama als auch Komödie zu sein, was selten gelingt. Gelegentlich könnte man vergessen, dass der Film eine Komödie sein soll, denn es wird mehr Pathos geboten als realsatirische Humorperlen. Vielleicht hätte man mit den humorvollen Untertönen einen besseren Ansatz gegen moralische Beliebigkeit erreichen können, doch das Gegenteil ist der Fall. In einer typisch linksgerichtet-humoristischen Medienwelt, in der Geschmacksgrenzen immer weiter verschoben werden, ist "Gruppensex" ein weiteres Beispiel dafür, warum weniger oft mehr sein kann.

Man muss sich fragen, warum diese Themen immer wieder aus den Schubladen der Drehbuchautoren gekramt werden. Ist es der absolute Mangel an originalgetriebenen Erzählungen? Oder vielleicht der Versuch, mit kalkulierter Provokation Kontroversen zu schüren? Man kann den deutschen Kinoerfolg vergangener Jahrzehnte nicht leugnen, jedoch scheinen Filme wie "Gruppensex" eher defizitäre Versuche zu sein, an längst vergangenen Ruhm anzuknüpfen. Die Ironie: Anstatt Sinn und Substanz abzuschöpfen, wird in ein dramaturgisches Vakuum investiert. Filmkritiker mögen Schlüsselelemente wie Kameraführung, Schauspiel und Drehbuch loben, doch wenn der Plot an den grundlegenden moralischen Fragen vorbeigeht, fragt man sich, wem der Film wirklich dient.

Ein weiteres Rätsel ist die Zielgruppe solcher Filme. Ist es die Jugend, die man angeblich zur offenen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Sexualität ermutigen will? Oder ist es die Generation der 30- bis 40-Jährigen, die in der erotischen Abenteuerlust Erlösung für ihren Berufsalltag suchen? Während Filme dazu neigen, kulturelle Trends zu reflektieren, wirkt "Gruppensex" stecken geblieben in einem klischeehaften Narrativ, das allzu oft durch nonchalante Nackt-Dekoration ersetzt wird, anstatt die geteilte menschliche Erfahrung wirklich zu veranschaulichen.

Drehbuchautor Brad Fischer und Regisseur Andre Erkau verstehen es, gezielt Szenerien und Charaktere auszuwählen, die alltägliche gesellschaftliche Stereotype bedienen. Jedoch bleibt die Frage, ob dies absichtlich kritisch gedacht ist oder ob es an künstlerischer Substanz mangelt. Die feine Linie zwischen Komödie und Kritik verwischt schnell, und "Gruppensex" bleibt nur ein weiteres Glied in der langen Reihe von Filmen, die mehr von dem sagen, was zeitgenössische Gesellschaft ohnehin schon kennt - das Spiel mit dem sexuell-gesellschaftlichen Feuer, ohne dabei ernsthafte oder neue Erkenntnisse zu bieten.

Der Film bemüht sich, amüsant und gesellschaftskritisch zugleich zu sein, doch das Endergebnis ist eine traurige Parodie auf aufrichtige Unterhaltung. Vielleicht erinnern sich einige an die Zeit, als deutsche Filme noch auf subtile Weise Kritik übten, indem sie Weisheit und Humor kombiniert haben. "Gruppensex" scheint jedoch vorhersehbar und überflüssig, verfehlt es, einen bleibenden Eindruck oder eine tiefgründige Diskussion zu hinterlassen. Ist es ein merkwürdiger Zufall, dass solche Produktionswerke den besten Platz auf der Liste der verdrängten Unterhaltung einnehmen? Vermutlich nicht. Selten macht man das Unwerte wertvoll, und Filme wie "Gruppensex" sind nur der Beweis dafür, dass das filmische Handwerk einen moralischen Kompass braucht, um seine Berechtigung nicht zu verlieren.