Die Geschichte hat viele dunkle Kapitel; der Griechische Völkermord zählt zweifellos dazu. Zwischen 1914 und 1923 ereignete sich in den Regionen des Osmanischen Reiches einer der verheerendsten Völkermorde, die die Modernen Zeiten kaum wahrhaben wollen. Angefangen im Jahr 1914, als das Land von den ethnozentrischen Ambitionen des Osmanischen Staates geplagt wurde, verfolgte man das Ziel, die ethnische Landkarte zu säubern – und die Griechen, die seit Jahrhunderten in Anatolien lebten, konnten das am eigenen Leib erfahren. Die Angelpunkte der Massaker waren entlang der westlichen Küste des heutigen Türkei, Pontos im Norden und die weiteren griechisch bevölkerten Teile des Reiches.
Die Welt könnte ein viel besserer Ort sein, wenn wir alle unsere Hausaufgaben in Geschichte gemacht hätten, aber leider haben viele gewählte Regierungen andere Prioritäten. So läuft man Gefahr, die Gräuel des Griechischen Völkermords zu verschweigen. Die gezielte Vernichtung von ca. 750.000 griechischen Seelen – eine exorbitante Zahl, die selbst in den Geschichtsbüchern oft unter dem Tisch gekehrt wird. Warum das? Viel zu viele Regierungen fürchten den geopolitischen Spagat, den sie machen müssten, sollten Fingerspitzengefühl und harte Wahrheit zusammentreffen.
Ein Völkermord bedeutet, im Kern, die absichtliche, systematische und grob unmenschliche Eliminierung. Eine so strikte Definition, die hier auf erschütternde Art erfüllt wurde. Quasi eine Blaupause für das kommende 20. Jahrhundert, das uns weitere grausame Wiederholungen von Genoziden brachte.
Die zynische Realität ist, dass die systematische Verdrängung und Ermordung der Griechen sich in Mediemstimmen nur schwach erhebt, um nicht die diplomatisch sensiblen Beziehungen zu der Region zu stören. Zu einer Zeit, in der nationale Sicherheit und Energiepreise Priorität haben, haben menschliche Verluste oft zu wenig Gewicht in den Verhandlungen am runden Tisch.
Niemand möchte den diplomatischen Schwanz einziehen, wenn es politisch und wirtschaftlich heikel wird, und doch geht das Schweigen über die Lösungen, die es für historische Verbrechen bräuchte, weit hinaus, da sie je länger je mehr aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt werden. Angesichts des blasphemischen Zynismus, den diese Haltung zeigt, fragt man sich, wie sehr man in Geschichtsbüchern abgedroschene Phrasen wie „niemals wieder“ tatsächlich glaubt.
Konservative Stimmen betonen oft die Wichtigkeit der Wahrung einer robusten Geschichtspraxis. Man kann nicht alles nach und nach in der Klammer relativer Wichtigkeiten vergraben. Jede Erzählung von Unterdrückung und Entmenschlichung erinnert uns daran, welche Untiefen die menschliche Natur annehmen kann, wenn ideologisch getriebenes Machtstreben über menschengemachte Freundlichkeit triumphiert. Die Lektionen des Völkermords sprechen klare Worte über unsere Verpflichtung zur Wahrheit – eine Verantwortung, die nicht verhandelbar ist. Politische Korrektheit verblasst, sobald die Fakten auf den Tisch kommen.
Es ist keine Überraschung, dass viele Länder bis heute zögern, den Griechischen Völkermord offiziell anzuerkennen. Den Finger in die Wunde der eigenen Geschichte legen oder gar andere daran zu erinnern? Wer will sich schon selbst die Schuld aufladen, und so schweigen sie lieber. Solche Fehler tragen dazu bei, dass die Opfer nie die Würde der Gerechtigkeit erhalten. Die Unfähigkeit, klare Worte zu finden, lässt auch Gräueltaten der Vergangenheit unter den Teppichen des Vergessens verschwinden.
Indem man solchen Ereignissen begegnet, avancciert man nicht nur die Rechte der Toten. Man bewahrt die zukünftigen Generationen vor moralischem Sumpf und verweist die gegenwärtigen politischen Konstrukte dorthin, wo ihre ethischen Grundlagen stehen sollen – nämlich an der Seite der Wahrhaftigkeit. Solange die passive Verleugnung der Geschichte ihren Raum einnimmt, wird die Forderung nach Anerkennung immer wieder von glaubensstarken Kräften nach einer besseren Welt ins Leben gerufen und hoffentlich irgendwann einmal gehört.
Die Wahrheit des Griechischen Völkermords sollte nicht verlorengehen, nur weil heutige politische Stürme bestimmen, woran man sich gemäß der aktuellen Moden erinnern darf und soll. Schließlich wird wahre Gerechtigkeit niemals ausrichten können, was in der Vergangenheit geschah, aber sie kann die Angelegenheit ins rechte Licht rücken und den kollektiven Lernprozess von heute in Gang setzen. Solange Staaten es sich erlauben, die menschliche Tragödie in ihrem Diplomatenkoffer zu verpacken, stehlen sie uns die Möglichkeit, beim nächsten Mal besser zu sein.