Kaum ein Film schafft es, Hollywoods linke Traumfabrik so kunstvoll herauszufordern wie „Götter und Monster“ aus dem Jahr 1998. Regisseur Bill Condon inszeniert ein Spielfilmjuwel, das das Lebensende des schillernden Regisseurs James Whale beleuchtet. Whale, gespielt von Ian McKellen, lebte als offen schwuler Regisseur in der glamourösen und zugleich repressive Goldene Ära Hollywoods. Der Film spielt in den 1950er Jahren in Kalifornien und zeigt Whales verzweifelten Versuch, seine Karriere und seinen kreativen Geist trotz gesundheitlicher und gesellschaftlicher Einschränkungen zu retten. Und das alles geschieht in einer Kulisse, in der Traditionen aufbrechen und Werte hinterfragt werden. Doch warum erhält dieser Film Jahre später so viel Lob und Aufmerksamkeit in einem Konservativen bastion? Ganz einfach: Weil er Komplexität und Wahrheit in einer Epoche darstellt, die intolerant für alles war, was aus der sonst starren Norm fällt.
Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere Skeptiker, warum man einen Film über einen schwulen Regisseur in einem scheinbar intoleranten Hollywood beleuchten sollte. Nun, genau hier liegt der Reiz: „Götter und Monster“ bewegt sich jenseits simpler Stereotypen und grüner Ideologien. Die Künstler dieser Epoche arbeiteten trotz persönlicher Hindernisse für das, was sie liebten. Es ist eine Geschichte über Überwindung von Widrigkeiten, die Menschen ungeachtet ihrer Orientierung inspirieren kann, ohne das Bedürfnis zu verspüren, jedem gesellschaftlichen Trend zu folgen.
Ein wichtiges Element des Films ist die komplexe Beziehung zwischen Whale und seinem Gärtner, Clayton Boone, porträtiert von Brendan Fraser. Boone ist das Gegenteil von Whale: maskulin, heterosexuell und auf den ersten Blick der Inbegriff eines einfachen Arbeiters. Ihre Interaktionen vermitteln mehr als nur die übliche klischeehafte Darstellung zwischen zwei verschiedenen Lebensweisen. Sie sind Legitimation, dass Freundschaft und Verständnis über gesellschaftlich aufgezwungene Grenzen hinaus existieren können – eine missachtete Wahrheit für die Anhänger des woken Neoliberalismus.
Glaubt man den typischen Rufen aus filmtheoretischen Kreisen, so könnte man meinen, dass „Götter und Monster“ nur ein weiterer Film zur „kritischen Betrachtung von Geschlechtsidentität“ sei. In Wahrheit ist es der nüchterne Blick auf eine vergessene Facette der Filmgeschichte, die jenseits der lautesten Stimmen existierte. Ein Konservativer, der den Sinn für ungeschönte Wahrheiten mehr schätzt als eine Heerschar von Kinospektakel, wird in diesem Film eine solche Wahrheit zu schätzen wissen. Der Film meistert es, die Komplexität menschlicher Beziehungen darzustellen, ohne in plumpe politische Rhetorik abzudriften.
Ein weiterer interessanter Aspekt, der den Film für manche vielleicht provozierend macht, ist die ungeteilte Aufmerksamkeit auf Charakterentwicklung und echte Emotionen. Es gibt keine agenda-gesteuerte Handlung, die von Drehbuchautoren im Kampf um die nächste Schlagzeile erzwungen wird. Stattdessen sieht man, wie Whale sich gleichermaßen mit den Monstern in seiner Wilden Vergangenheit und den eigenen Dämonen auseinandersetzt. Kein Erklärungsversuch durch politische oder soziale Theorien - die Zeit und die Umstände sind die Entscheidenden.
Natürlich spielt die brillante schauspielerische Leistung eine nicht unbedeutende Rolle. Es ist kaum verwunderlich, dass Ian McKellen für einen Oscar nominiert wurde. McKellen gelingt es, Whale jenseits von Klischees als einen vielschichtigen, talentierten und zugleich tragischen Charakter darzustellen. Seine Performance zeigt deutlich Whales schauspielerische Spannweite, ohne je zu übertreiben. Brendan Fraser stellt in seiner Rolle als Boone das perfekte Gegenstück dar. Eine Tatsache ist unumstößlich: Dieses Meisterwerk profitiert gleichberechtigt von beiden Schauspielern und lässt keine Spur von ideologisch-motiviertem Casting-Verzerrungen erkennen.
„Götter und Monster“ ist eine schlagsichere Erinnerung daran, dass Biographien – auch wenn sie filmisch aufbereitet werden – mehr Tiefgang haben als die monochromen Farbspiele, die uns oft als „modern und progressiv“ verkauft werden. Vielleicht ist es gerade diese bodenständige und unverfälschte Darstellung, welche den Film für konservative Liebhaber des Kinos so unvergesslich macht. Ein zeitloses Stück, frei von den lauten Forderungen der Hypermoderne, das für sich allein stehen kann.
Obwohl ein Narrativ, das nicht unsinnige Dekonstruktion des Establishment ins Zentrum stellt, mag für einige naiv wirken, erstrahlt es für andere als Leuchtfeuer wahrer Kunst. „Götter und Monster“: ein echter Klassiker, den die ewige politische und soziale Debatte nur noch untermalt.